Im Flugfeld eingecheckt: Hans-Joachim Ogger und Kassandra Bindel Foto: factum/Bach

Check Inn heißt das Lokal im historischen Empfangsgebäude des einstigen Landesflug­hafens. Damit soll die Motorworld auch ­kulinarisch zu einem Höhenflug abheben.

Stuttgart - Seit die Motorworld auf dem Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen gelandet ist, dehnt sie sich aus. Die Werkstätten und Händler für Oldtimer und Luxuskarossen im ehemaligen Flug­hafengebäude sowie zahlreiche Veranstaltungen ziehen mehr als eine halbe Million Autofans im Jahr an. Vor sechs Jahren ist der Bauunternehmer Andreas Dünkel damit gestartet, momentan lässt er ein zweites Hotel sowie ein Porsche-Autohaus bauen. Außerdem hat er Mitte März sein mittlerweile viertes Restaurant eröffnet: Check Inn heißt das Lokal im historischen Empfangsgebäude des einstigen Landesflug­hafens. Damit soll die Motorworld auch ­kulinarisch zu einem Höhenflug abheben.

Optisch ist das Check Inn First Class: Die Räume in dem mehr 90 Jahre alten Blockhaus erinnern an die Zeit, als das Fliegen noch glamourös war. Die runden Sitzecken und braunen Ledersessel strahlen Eleganz aus. Rund drei Millionen Euro hat sich Andreas Dünkel die Restaurierung des verfallenen Holzhauses samt gläsernem Anbau in Flügelform kosten lassen. In die Ausstattung investierten die Geschäftsführer Hans-Joachim Ogger und Kassandra Bindel weitere 750 000 Euro. Nur die Halle, wo vier Uhren zeigen, welche Stunde es in New York, London, Bangkok und Böblingen schlägt, wirkt etwas überfrachtet. Auf der Terrasse lässt es sich mit Blick auf den Langen See und die Autobahn speisen. Ein Biergarten gehört auch dazu.

Die Karte auf dem Flugfeld ist international

In der Küche bestimmt Walter Niijssen den Kurs. Der Koch hat bei der amerikanischen Restaurantkette Planet Hollywood sowie der Kreuzfahrtlinie Cunard gearbeitet. International ist auch die Karte auf dem Flugfeld – von der thailändische Suppe Tom Kha Gai (7,90 Euro) über das norwegische Lachsfilet (16,90 Euro) und den schwäbischen Rostbraten (21,90 Euro) bis zur französischen Crême Brulée (6,90 Euro). Spezialität des Hauses ist die Pinsa Romana, eine Art Pizza aus einem Teig, der 72 Stunden reifen darf. Böblingen–Athen heißt die Variante mit Feigen, Ziegenkäse und Walnüssen (10,40 Euro), Rinderfiletstreifen, Rucola und Trüffel gibt es als Böblingen–Rom für 15,90 Euro. Auch mit Meeresfrüchten bestückt bereitet die Pinsa zum Mittagessen für 9,80 Euro Vergnügen.

Als kleine Köstlichkeit entpuppen sich die würzigen Salsicce, sprich Würste, mit süßlicher Zwiebelschmelze (11,90 Euro). Am Kalbsrückensteak (18,90 Euro) kann das Ergebnis nicht mit den – auch preislich dargestellten – Ambitionen mithalten: Das edle Fleisch war zu lange in der Pfanne, der gratinierte Spargel besteht aus drei mit Käse überladenen Stangen (18,90 Euro).

Das Gleiche gilt für den Wein. Der Chardonnay kostet 5,30 Euro (0,2 Liter), auf der Karte ist aber nicht einmal das produzierende Weingut genannt. Dafür lenkt spannender Lesestoff über den Flughafen in der Speisekarte ab, darunter die Landung der Graf Zeppelin am 3. November 1929.

Die Bewertung

Küche *** +1/2 *

Service ****

Ambiente ****+1/2

****** =herausragend ****=überdurchschnittlich ***= gut **=Luft nach oben *= viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: