Der Lemberger schmeckt nach schwarzen Johannisbeeren und Kräutern Foto: ddp

Die StZ-Weinkolumnistin Kathrin Haasis stellt einen Lemberger vor, den ein Reutlinger in Ungarn macht. Er schmeckt vor allem nach Sonne.

Stuttgart - Deutschland war für Horst Hummel nie eine Option. Seine Sehnsucht galt schweren Rotweinen, und die lassen sich seiner Meinung nach nur in südlicheren Gefilden machen. Der gebürtige Reutlinger studierte Jura in Tübingen und kam durch einen recht schwäbischen Wein auf den Geschmack: kein TL, Trollinger mit Lemberger, sondern ein LT, Lemberger mit Trollinger, von den Brackenheimer Genossen. Dass Horst Hummel, Jahrgang 1960, nicht nur Weinkonsument geblieben ist, sondern Winzer wurde, liegt außerdem an seinen Genen. Sein donauschwäbischer Urgroßvater Josef Müller hatte einst in der Vojvodina, 30 Kilometer östlich von Belgrad, Wein produziert. Sein Großvater war nach Reutlingen gezogen. 1997 begab sich Horst Hummel in Serbien auf Spurensuche, auf der Rückfahrt machte er Station in Ungarn. Als er fragte, wo der beste Rotwein des Landes produziert wird, wurde er nach Villány geschickt, dort sind die wärmsten Lagen Ungarns.

1998 legte Horst Hummel einfach los – als Autodidakt und Nebenerwerbswengerter mit 7,5 Hektar. Seine wichtigste Rebsorte ist der Lemberger, in Ungarn heißt er Kékfrankos. Der Wein, den er daraus macht, beeindruckt. Schon die einfache Qualität ist wunderbar gehaltvoll, schmeckt nach schwarzen Johannisbeeren und Kräutern. Genau, was Horst Hummel wollte: Kraft! Sonne! Südhang! Und sehr viel Wein für wenig Geld.

Das Urteil der StZ-Weinrunde:

Holger Gayer Dieser Lemberger schmeckt nach purer Sonne, hat Kraft und Struktur. Er ist sehr würzig mit Pfeffer und wilden Kräutern. Dazu gesellen sich Auszüge von Brombeere und Preiselbeere. Ich würde ihn zu einem guten Stück Wild servieren.

Harald Beck Kräftig, fruchtig, sonnig – da steckt tatsächlich einiges an südlicher Wucht drin. Zusammen mit den Kräuternoten für manchen vielleicht fast ein wenig viel der Geschmacksherausforderung, aber für den Preis ein ungarischer Hammer.

Loess 2008,8,50 Euro, Weingut Horst Hummel Villány – Berlin, Telefon 030/44 53 44 4, www.weingut-hummel.com

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