SPD-Kandidatin Stefanie Brum sprach vor dem alten Landtag darüber, wie wichtig die Kreativwirtschaft für Stuttgart sei. Foto: Petra Mostbacher-Dix

Die SPD lädt zu Spaziergängen durch die Stadtteile. Jörg Trüdinger vom „Such und Find“ zeigt bei einem Rundgang durch das Heusteigviertel seine liebsten Ecken.

S-Süd - Hof-Buchdruckerei“ – golden leuchten die Lettern über dem dritten Stockwerk der Gründerzeitfassade: Die Gebäudeteile der ehemaligen Verlagshandlung und Hofdruckerei Greiner und Pfeiffer, welche die Ecke Christoph- und Mozartstraße prägen, wurden zwischen 1894 und 1903 erbaut. Während des Ersten Weltkriegs ging das Betriebsgelände in den Besitz der Württembergische Gaszählerfabrik J. Braun über. „Und heute sind sie ein Beispiel für die Gentrifizierung, die das Heusteigviertel umgewandelt hat“, so Jörg Trüdinger. „Da draus wurden Wohnungen gemacht, die sich heute nur die wenigsten leisten können. Leider scheint das Stuttgarter Bündnis für Wohnen nicht zu funktionieren.“ Trüdinger lebt zwar im Stuttgarter Osten, aber im Heusteigviertel führt er seit über 20 Jahren seinen Laden „Such und Find – Altes Spielzeug und mehr“. Und die historischen Aspekte, die Anfänge um 1815 sowie die Jugendstilbauten, Perlen vom Ende vergangenen Jahrhunderts, waren es denn auch, in die er auf einem Stadtteilspaziergang einführte.

Von der Schwaben-Bronx zum begehrtesten Wohnviertel

Geladen dazu hatte der SPD-Ortsverein Stuttgart Süd und Kaltental. Und rund 40 Interessierten kamen. Manche sogar aus Bernhausen, um zu sehen, wie sich das Viertel ihrer Kindheit und Jugend gemacht hatte. So entwickelte sich über zwei Jahrzehnte aus der einstigen „Schwaben-Bronx“ eines der begehrtesten Wohnviertel. Auch Udo Lutz, SPD-Stadtrat aus dem Stuttgarter Süden, wuchs dort auf, ging etwa in die Heusteigschule. „Damals führte davor die B 14 vorbei, das machte meiner Mutter Sorgen“, erinnerte er sich. Sein Part indes war, über die Wohnsituation und -qualität Auskunft zu geben. „Der Mietspiegel im Lehen- und Heusteigviertel liegt um 30 bis 40 Prozent höher als im Durchschnitt“, so Lutz. Das könnten sich keine Familien, sondern nur Doppelverdiener leisten. „Die Mietpreisbremse hilft hier ein bisschen, aber in Stuttgart müssen wir mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.“ Es gelte, die Wohnbaugenossenschaften zu stärken.

Teure Mietspiegel vertreiben auch die Kreativszene

Diesen Ball wiederum nahm Stefanie Brum auf. Die Anwältin für Urheberrecht tritt als Innenstadt-Kandidatin der SPD für die kommende Landtagswahl im März an. Und eines ihrer Anliegen ist die Kreativwirtschaft in der Landeshauptstadt. Sie sei es, die die Stadt, aber gerade auch das Heusteig- und Lehenviertel lebendig macht. „Teure Quadratmeterpreise bedeuten, dass es schwer ist für junge Kreative, seien es Grafiker, Architekten, Game-Entwickler und viele andere, Räume zu finden.“ Vor dem Eduard-Pfeiffer-Haus in der Heusteigstraße, in dem der Landtag erst Württembergs, dann Baden-Württembergs zwischen 1947 bis 1961 zusammenkam, beschrieb sie die Dimensionen der Kreativwirtschaft. Sie bestehe aus elf Teilbranchen, in welchen 1,6 Millionen Menschen arbeiteten und einen Jahresumsatz von 140 Milliarden Euro machten. „Das ist mit jenem der Auto- oder der Maschinenbauer vergleichbar“, so Brum. „Und mit 3,3 Prozent verzeichnet gerade Baden-Württemberg in diesem Bereich das höchste jährliche Wachstum von allen Bundesländern.“

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