Im Urlaub lernt man den anderen richtig kennen. Foto: Unsplash/Freestocks

Der eine will ausschlafen, der andere ist schon morgens am Strand: Bei vielen Paaren wird der gemeinsame Urlaub zur Beziehungsprobe. Wie man Reibereien im Urlaub vermeidet und die Zweisamkeit harmonisch verbringt, erklärt Paartherapeut Oliviero Lombardi.

Stuttgart - Der „normale“ Beziehungsalltag ist der Arbeitsalltag, wo jeder seinen Geschäften und Verpflichtungen nachgeht und sich mit Kindern, Hobbys und so weiter beschäftigt. Dann kommt der Urlaub – also eine Sonderzeit, in der das Paar plötzlich aufeinander hockt. Wenn man viel Zeit hat, hat man auch viel Zeit um zu streiten, während gleichzeitig auch eine Vielzahl an Entscheidungen getroffen werden müssen: Wo gehen wir heute Abend essen? Was machen wir? Das Konfliktpotential ist größer als im Alltag, wo man einfach funktioniert.

Mit unterschiedlichen Bedürfnissen umgehen

Gut ist es, wenn man sich schon vor dem Urlaub zusammensetzt und überlegt, wie die Auszeit aussehen soll, damit beide damit zufrieden sind. Denn oftmals entstehen Streite in Spontansituationen, wenn zum Beispiel einer zum Pool will und der andere lieber einen Ausflug machen würde. Wenn man im Vorfeld darüber gesprochen hat, kann man mit den unterschiedlichen Bedürfnissen umgehen. Das verhindert spontanen Stress.

Im Urlaub lernt man den anderen richtig kennen – das gilt übrigens auch für Freundschaften, die nach einer gemeinsamen Reise auseinanderbrechen können. Wenn Menschen viel Zeit miteinander verbringen und sich intensiver kennenlernen, können sie merken, dass sie gar nicht zueinander passen. Man entdeckt Ecken und Kanten, die man vorher vielleicht gar nicht wahrgenommen hat.

Flow entsteht nicht automatisch

Im Urlaub fallen einem die Versäumnisse des Alltags auf die Füße, deswegen sollte man schon vor der Reise Probleme klären. Es kann aber auch ganz anders laufen: Es gibt Paare, die sich während des stressigen Alltags anzicken und im Urlaub die Zeit nutzen, um sich gemeinsam zu entspannen. Eine Beziehung lebt von Flow – also Momenten, die einen inspirieren, zum Beispiel Aktivitäten wie Wandern oder Kanu fahren. Man erlebt den anderen als abenteuerlustig und erlebt den Partner in besonderen Momenten.

Rein theoretisch kann man das auch in den Alltag retten. Das Problem ist aber, dass die meisten durch ihren Arbeitsalltag oder Verpflichtungen gar nicht mehr die Ressourcen dafür haben. Flow entsteht nicht automatisch: Viele Menschen sind im Alltag darauf konditioniert zu funktionieren. Fällt die Arbeit weg, fallen sie in ein Loch. Daher sollte man versuchen, die ersten drei Tage zu überstehen, die man braucht, um runterzukommen. Das Motto lautet: Du bist ok, ich bin ok. Wir werden uns nicht streiten.

Zeit in die Beziehung investieren

Eine gute Paarbeziehung besteht aus drei Phasen: Individualzeit, Paarzeit und Familienzeit, wenn Kinder da sind. Es ist wichtig, dass auch jeder etwas für sich macht, um sich in der Beziehung besser einzubringen. Auch ein Urlaub alleine oder mit Freunden kann inspirieren. Nur muss man darauf achten, die Zeit auch in die Beziehung zu investieren. Fährt jeder regelmäßig alleine in den Urlaub, ist an der Beziehung oft nichts mehr dran.

Singles können sich sich im Sommer benachteiligt und alleine fühlen, wenn ihre Freunde mit den Partnern Urlaub machen. Ich empfehle Alleinstehenden Single-Reisen, die auch organisiert sein können, denn Menschen sind soziale Wesen. Ob man sich dabei verliebt oder neue Freundschaften knüpft - meiner Erfahrung nach funktioniert das gut und es ist allemal besser, als alleine daheim zu hocken.

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