Tritt 2021 zum dritten Mal für die Grünen als Spitzenkandidat an: Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Unsere Bilderstrecke zeigt wichtige Stationen des Politikers seit seinem Amtsantritt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Lange hat er geschwiegen, nun hat Winfried Kretschmann bekannt gegeben: Bei der kommenden Landtagswahl tritt er wieder an. Warum, erklärt der Politiker in einem „Brief an die Bürger“.

Stuttgart - Im politischen Stuttgart erwarteten viele am Vormittag die Pressekonferenz, die der Grüne Landesverband für elf Uhr angesetzt hatte. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter machte die Partei dann aber schon einige Zeit vorher öffentlich: Winfried Kretschmann (Grüne) tritt 2021 erneut als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl an.

Seine Motivation erklärt Kretschmann in einem „Brief an die Bürgerinnen und Bürger“, der im Netz zu lesen ist. In dem Text zeichnet der Politiker ein Lagebild, wo Baden-Württemberg und die Welt gerade stehen. Der Anfang klingt positiv: Von Zusammenhalt, vom Wohlstand im Südwesten ist die Rede und davon, dass sich „nirgendwo sonst in Deutschland“ mehr Menschen ehrenamtlich im Sportverein, in der Flüchtlingshilfe oder in der Kirchengemeinde engagieren.

Lange Liste der Herausforderungen

Der anfängliche Wohlfühl-Ton währt jedoch nicht lang. „Doch es ist kein Naturgesetz, dass es uns immer so gut gehen wird“, schreibt Kretschmann schon zwei Absätze später. Dann beginnt er eine lange Liste mit den Herausforderungen, vor denen das Bundesland steht: Die digitale Revolution, neue Technologien, die die Wirtschaft umkrempeln und ein härterer Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt werden beschrieben. Kretschmann warnt zudem davor, dass „der Kitt unserer Gesellschaft“ zu bröckeln beginne. Der Ton in öffentlichen Debatten werde rauer.

Besonders ausführlich geht Kretschmann auf den Klimawandel ein. „Besondere Sorge bereitet mir die Klimakrise. Denn die Zeit drängt. Im kommenden Jahrzehnt entscheidet sich, ob die Menschheit die globale Erhitzung noch eindämmen kann. Wir müssen deshalb entschlossen den Weg zu einem klimaneutralen Baden-Württemberg gehen.“ Kretschmann sieht sein Bundesland hier als Vorreiter, das ein Signal für andere senden kann. Als führendes Industrieland habe Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung. Der Südwesten müsse der Welt zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und Klimaschutz in Zukunft zusammengehören. „Wenn es uns gelingt, ein Modell klimaverträglichen Wohlstands zu liefern, dann werden sich andere daran orientieren.“

Sehen Sie im Video Winfried Kretschmanns Antworten auf Leserfragen:

Baden-Württemberg soll beim Klimaschutz Vorreiter werden

Kretschmann gibt auch Hinweise, wie dieses Modell aussehen soll. Es brauche eine „entschlossene Ordnungspolitik mit klaren Regeln“, um die Klimakatastrophe zu verhindern. Man dürfe sich nichts vormachen: „Das wird nicht ohne Zumutungen gehen. Eines verspreche ich Ihnen aber: Wir werden dabei viel mehr gewinnen als verlieren. Nämlich eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder und Enkel auf diesem Planeten.“

Der Ministerpräsident geht zudem auf das Artensterben ein. „Mehr als jede dritte heimische Art ist gefährdet“, heißt es in dem Brief. Baden-Württemberg habe ein bundesweit einmaliges Maßnahmenpaket für den Erhalt der Artenvielfalt auf den Weg gebracht. Doch das Land müsse in den kommenden Jahren weitere Maßnahmen nachlegen.

2020 „nicht mit Wahlkampf vertun“

Am Ende wird Kretschmann persönlich. Ja, er habe vor der Entscheidung, ob er noch einmal antritt, mit sich gerungen. Als Gründe, warum er sich erneut um das Amt des Ministerpräsidenten bewerben will, nennt Kretschmann seine Leidenschaft für die Aufgabe, die ungebrochen sei. Der 71-Jährige spielt auch auf seine Erfahrung an, mit der offenbar punkten will: „Wir haben große Herausforderungen vor uns. Es braucht Neugier und Erfahrung, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich möchte mich weiter voll einbringen – mit Mut und Besonnenheit, mit Tatkraft und klarem Wertekompass, mit meinem Herzen und meinem Verstand“, schreibt Kretschmann.

Seine voraussichtlich größte Konkurrentin bei der Landtagswahl 2021 steht schon fest. Die CDU schickt Kultusministerin Susanne Eisenmann als Spitzenkandidatin ins Rennen. Der Wahlkampf hat laut Kretschmann mit dem heutigen Tage aber noch nicht begonnen. Es gebe viel zu tun. „Ich verspreche Ihnen daher, dass ich das Jahr 2020 nicht mit Wahlkampf vertun, sondern den Auftrag, den Sie mir gegeben haben, gewissenhaft erfüllen werde“, beendet Winfried Kretschmann seinen Bürgerbrief.

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