Hier geht’s nicht weiter: Grünen-Minister Bonde (links, neben SPD-Fraktionschef Schmiedel) kommt auf der Karriereleiter nicht voran Foto: dpa

Sieht er seine Felle davonschwimmen? Sorgt er sich um den innerparteilichen Frieden? Oder fiel ein Machtwort in der Villa Reitzenstein? Grünen-Minister Bonde gibt jedenfalls seine Ambitionen auf das Landtagsmandat in Freiburg auf.

Stuttgart/Freiburg - Der Grünen-Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, ist überraschend aus dem Rennen um die Landtagskandidatur im Wahlkreis Freiburg-Ost ausgestiegen. Drei Wochen vor der entscheidenden Mitgliederversammlung des Kreisverbands teilte er am Mittwoch in einer öffentlichen Erklärung seinen Rückzug mit.

Der gebürtige Freiburger begründet dies damit, dass seine beabsichtigte Kandidatur gegen den örtlichen Wahlkreisabgeordneten Reinhold Pix „innerparteiliche Gräben“ aufgerissen habe, die der Partei schadeten. „Was ein bei Wahlen normaler, fairer Wettstreit um die besseren Ideen und Inhalte im Dienste der grünen Idee hätte werden können, das reißt nun Wunden“, schreibt Bonde. An dieser Art öffentlicher Auseinandersetzung werde er sich nicht beteiligen.

„Hat offenbar die Notbremse gezogen“

Pix, der den Wahlkreis 2011 direkt errungen hatte, sagte den Stuttgarter Nachrichten, sein Kontrahent habe „offenbar die Notbremse gezogen“. Bonde habe realisiert, dass er in Freiburg auf verlorenem Posten stehe. Der Druck der Basis auf ihn sei wohl zu groß geworden. Er werde jetzt aber nicht in lautes Hurra-Geschrei ausbrechen. Letztlich seien den Freiburger Grünen „Jagdszenen“ erspart geblieben. Von Bonde selbst war am Mittwoch keine weitere Stellungnahme zu erhalten.

Die Grünen in der Region Freiburg – der Wahlkreis erstreckt sich bis weit in den Hochschwarzwald hinein – zeigten sich mit Blick auf das Duell in der Tat tief gespalten. Während Bonde seine Anhänger eher in der großstädtischen Region wusste, kann der gelernte Forstwirt und praktizierende Biowinzer Pix vor allem auf die Mitglieder aus dem ländlichen Raum bauen.

Bonde scheiterte offenbar mit seinem Versuch, sich in diesen Orten in Vorstellungsrunden direkt mit seinem Kontrahenten zu messen. Denn Pix lehnte solche Veranstaltungen ab. Beobachter sehen in dem Konflikt auch einen Spiegel des alten grünen Widerstreits zwischen etablierten Politprofis und der idealistischen Öko-Basis.

Die Atmosphäre war vergiftet

Selbst wenn Bonde das Rennen am Ende gewonnen hätte, wären die Gräben geblieben, heißt es aus seinem Umfeld: „Die Atmosphäre war vergiftet.“ Bonde gilt vielen an der Basis als ein aus Berlin eingeflogener Karrierist, der sich in Freiburg in ein gemachtes Nest setzen will.

Pix hatte bei der Landtagswahl 2011 in der Tat seinen CDU-Kontrahenten Klaus Schüle aus dem Feld geschlagen: Er errang mit 34,5 Prozent das Direktmandat. Dass sich Bonde ausgerechnet einen Wahlkreis aussuchte, wo die Grünen ohnehin schon stark sind, und dort seinen Promi-Bonus in die Waagschale werfen wollte, verstanden viele an der Basis nicht.

Selbst in der Grünen-Landtagsfraktion hatte es hitzige Diskussionen zu dieser Frage gegeben. Einige haben sogar ein Machtwort von Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann gefordert. Das Gerücht, dass dieser mit Bonde geredet und ihn zur Umkehr bewogen hat, lässt sich jedoch nicht erhärten.

Angeblich hat Kretschmanns Staatsministerin Silke Krebs, ebenfalls Freiburgerin, allerdings ohne Ambitionen auf ein Mandat, sich im innerparteilichen Wettbewerb auf die Seite Bondes geschlagen. Der Minister habe jedoch letztlich eingesehen, dass Pix erheblich mehr Mitglieder für sich mobilisieren konnte – und letztlich auch neue Mitglieder für den Freiburger Kreisverband geworben hat.

Bonde hatte seine Kandidatur in Freiburg stets mit seiner persönlichen Verbundenheit mit der Stadt begründet. Man kandidiere ja nicht überall, antwortete er jenen, die ihn auf Wahlkreise verweisen wollten, in denen es keinen Platzhirsch gegeben hätte. Eine gewählte Mandatsinhaberin zu verdrängen hatte sich von vornherein verboten.

In Freudenstadt keine realistische Hoffnung auf ein Mandat

Im Wahlkreis Freudenstadt andererseits, in dem Bondes aktueller Wohnort Baiersbronn liegt, hätte der Minister keine realistische Hoffnung auf ein Mandat. Denn das baden-württembergische Wahlrecht sieht keine Landeslisten vor, auf denen die Grünen Bonde hätten platzieren können.

Dass der 40-Jährige sich nun nach einem anderen Wahlkreis umsieht, gilt als unwahrscheinlich. Er selbst erklärte am Mittwoch: „Ich werde mit aller Kraft in meinen bisherigen Funktionen für gute Grünen-Regierungsergebnisse und einen Grünen-Wahlsieg kämpfen.“ Er wäre allerdings „sehr, sehr gerne Abgeordneter“ für Freiburg geworden, fügte er hinzu.

Sollten die Grünen 2016 in die Opposition müssen, stünde Bonde erst einmal vor dem Nichts. Denn der mit der früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Conny Mayer verheiratete Badener hat zwar zeitweise Jura und Verwaltungswissenschaften studiert, allerdings keinen Abschluss gemacht. Ein Landtagsmandat diente denn auch als Absicherung.

Doch möglicherweise honoriert die Partei ja dereinst Bondes Rückzug vom Duell gegen Pix. Die Grünen-Landesvorsitzenden Thekla Walker und Oliver Hildenbrand würdigten jedenfalls am Mittwoch dessen Leistungen als Minister und erklärten: „Alex Bonde hat im Dienste der Partei sein legitimes Interesse zurückgestellt.“ Der von ihm gezeigte Teamgeist sei ein Vorbild für die Grünen-Qualitäten.

Mit seiner Bekanntheit, seinem Engagement und seiner politischen Leidenschaft werde er im Wahlkampf eine wichtige Stütze sein. Dass ihn Reinhold Pix 2016 als Wahlkampfredner einlädt, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

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