Aktivisten von Peta demonstrieren gegen die Verwendung echter Pelze. Foto: dpa

Etiketten können täuschen: immer wieder wird Tierpelz im Verkauf als künstliches Fell ausgegeben. Doch Verbraucher können beim Einkauf mit einem einfachen Trick die Wahrheit herausfinden.

Stuttgart - Kunstfell steht auf dem Etikett, aber tatsächlich stammt der Pelzbesatz einer Jacke oder Mütze von Tieren: Immer wieder deklarieren Hersteller Kleidung falsch. Dabei ist die Hochphase des echten Tierpelzes vorbei – heutzutage ziehen die meisten Verbraucher synthetisches Fell vor. Fast niemand möchte mehr aus modischen Gründen unnötig Tierleid verantworten.

Dass den Kunden dennoch Echtpelz untergejubelt wird, liegt daran, dass das Fell von Marderhunden aus China beispielsweise oft günstiger in der Produktion ist als Kunstpelz. Die Tiere werden zumeist massenhaft in Farmen gehalten; unter erbärmlichen Bedingungen, wie Tierschützer berichten. Sie fristen ihr Dasein in kleinen Drahtkäfigen, bevor sie vergast oder erschlagen werden.

In der Europäischen Union (EU) sind die Hersteller zwar dazu verpflichtet, Kleidung mit Echtpelz mit dem Hinweis „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ zu deklarieren. Oft halten sie sich aber nicht daran, denn eine falsche Kennzeichnung zieht keine Bußgelder nach sich.

Kleidung mit Fellbesatz wird immer beliebter

Derweil hat Kleidung mit Fellbesatz den Massenmarkt erreicht. Rund 87 Millionen Felle hat die Pelzindustrie im Geschäftsjahr 2013/2014 nach eigenen Angaben weltweit veräußert. Der Branchenumsatz stieg innerhalb von zehn Jahren um 44 Prozent auf mehr als 14 Millionen Euro jährlich.

In Gefangenschaft lebend entwickeln die Nerze oft Verhaltensstörungen durch fehlende Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Vereinzelt verstümmeln sich die Tiere gegenseitig. Wichtige EU-Lieferanten für Pelze sind Finnland, Dänemark und Polen. Weltweit führt China.

Dort spielt der Tierschutz nach wie vor keine allzu große Rolle – die Tiere werden mit Knüppeln erschlagen, dann gehäutet. Nach zahlreichen Zwischen­stationen – von der Gerberei übers Färben und Zuschneiden des Fells bis zum Aufnähen auf Vorprodukte – landen die Felle bei großen Auktions­häusern. Woher der Pelz stammt, ist dann nicht mehr feststellbar.

Verbraucher können sich nicht auf Etiketten verlassen

Die Stiftung Warentest untersuchte 2016 in einer Einkaufsstichprobe fünf Textilien mit angeblichem Kunstpelz – und hat herausgefunden, dass in allen fünf Fällen echtes Fell verwendet wurde. Von welchen Tieren es stammte, sollte eine DNA-Analyse zeigen. Doch sie lieferte keine Ergeb­nisse, da die Felle chemisch zu stark bearbeitet worden waren. In den Proben fand die Stiftung Warentest denn auch erhöhte Gehalte an Formaldehyd. Der Stoff kann (bei hoher Konzentration in der Atemluft) beim Einatmen Krebs erzeugen und bei längerem Hautkontakt Allergien auslösen.

Beim Kauf einer bepelzten Winterjacke oder einer Bommelmütze sind die Verbraucher im Geschäft demnach auf sich allein gestellt. Ob es sich bei dem Pelzbesatz um Echtpelz oder Kunstfasern handelt, können sie auf verschiedene Arten herausfinden. Im Laden können sie die Haare anpusten. Echte Tierhaare bewegen sich schon bei einem leichten Luftzug. Kunstfell ist steifer.

Auch die Verarbeitung können Kunden im Laden überprüfen. Ist das Fell auf einem Textiluntergrund befestigt, ist das ein Indiz für Kunstfell. Hält Leder die Haare, spricht das für echten Pelz. Zu Hause können die Käufer einen weiteren Test durchführen: Ein paar Haare ausreißen und diese anzünden. Künstliche Haare bilden Klumpen, die nach Plastik riechen. Echtes Haar zerfällt.

Wer sichergehen möchte, keine Kleidung mit Tierfell zu kaufen, kann sich auf der Webseite www.furfreeretailer.com weiter informieren. Viele große Markenanbieter wie H & M, C & A, Esprit, Zalando, Otto, Jack Wolfskin und Galeria Kaufhof haben sich dieser Initiative angeschlossen. Sie verpflichten sich, keine Produkte herzustellen oder zu verkaufen, die Echtpelz enthalten.

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