Steht in Berlin bald wieder eine Mauer? Foto: dpa

Bei dem Projekt DAU des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky soll vom 12. Oktober an vier Wochen lang ein Gebäudekomplex am Berliner Boulevard Unter den Linden mit einer Betonmauer abgeriegelt werden. Besucher können „Visa“ kaufen, um hinter der Mauer eine andere, fiktive Welt zu erleben. Das Kunstprojekt wird sehr kontrovers diskutiert.

Berlin - Das umstrittene Kunstprojekt „DAU Freiheit“ mit dem Wiederaufbau einer Mauer in Berlin erhält prominente Unterstützung. In einem offenen Brief sprachen sich nun unter anderem die Schauspieler Lars Eidinger, Iris Berben, Tom Schilling und Veronica Ferres für die Pläne aus. Auch die Regisseure Sönke Wortmann und Leander Haußmann sowie die Modemacher Guido Maria Kretschmer und Michael Michalsky haben die Resolution unterzeichnet. „Dieses Projekt DAU, das alle, die sich näher damit beschäftigt haben, neugierig und aufgeregt macht, wollen wir sehen und zwar in Berlin“, heißt es in der Erklärung. „Dieses Experiment mit einer unwahrscheinlichen, nie dagewesenen Veranstaltungsform in Berlin, organisiert und akribisch vorbereitet von den erfahrensten Spezialisten, mit denen die Stadt bei anderen Großveranstaltungen bisher gute Erfahrungen gemacht hat, abzublasen, wäre eine paranoide Kleinmütigkeit, die nicht zu Berlin passt...“

Die Mauer sei in diesem Kunstprojekt ein Symbol, kein plattes Reenactment. „Es geht um ästhetische Ausdrucksformen für die Durchdringung und Verarbeitung der individuellen und gesellschaftlichen Erfahrung des Totalitarismus, der keineswegs Vergangenheit ist, sondern eine reale gegenwärtige Gefahr, die vielleicht in jedem Einzelnen lauert.“

Die Entscheidung fällt bald

Bei dem Projekt des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky soll vom 12. Oktober an vier Wochen lang ein Gebäudekomplex am Berliner Boulevard Unter den Linden mit einer Betonmauer abgeriegelt werden. Besucher können „Visa“ kaufen, um hinter der Mauer eine andere, fiktive Welt zu erleben, wie die Veranstalter ankündigten. Das Kunstprojekt wird sehr kontrovers diskutiert.

Der Deutsche Kulturrat hat das geplante Mauerbau-Kunstprojekt „DAU“ in Berlin gegen Kritik verteidigt. Nur wenn Kunst eine Chance habe, zu entstehen, könne sie beurteilt werden, erklärte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann. „Eine Stadt, die gefühlt jede zweite Woche für irgendein Event teilweise abgesperrt wird, wird auch das ‚DAU’-Projekt verkraften. Also, einfach mal machen!“ Es sei so einfach, so Zimmermann weiter. „Einfach das Experiment wagen, das Projekt machen und dann, wenn es gelungen ist, es in den höchsten Tönen loben, wenn es misslungen ist, es sehr heftig kritisieren.“

Das Land mischt sich nicht ein

Die Berliner Behörden wollen bis 28. September über „DAU“ entscheiden. Offen für das Kunstprojekt und auf Seite der zahlreichen Prominenten aus Kunst, Theater und Film zeigt sich unter anderem auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Widerstand kommt unter anderem von früheren DDR-Bürgerrechtlern und der Kirche.

Das Land Berlin will sich in das Genehmigungsverfahren für das umstrittene Kunstprojekt „DAU“ nicht einschalten. „Es ist nicht am Senat, da in irgendeiner Weise Druck auszuüben“, versicherte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Montag im zuständigen Ausschuss des Abgeordnetenhauses. Über die Genehmigung müssten ausschließlich Bezirk und Sicherheitsbehörden entscheiden, sie hätten am Schluss auch die Verantwortung. „Wir können höchstens als Ermöglicher auftreten.“ Lederer signalisierte so erneut seine Unterstützung. Unter dem künstlerischen Aspekt sei es richtig, solche Projekte zu ermöglichen.

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