Erst 21 Jahre alt, leidet aber bereits an Verschleißerscheinungen: Pia Kästner vom deutschen Meister Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Auch im Volleyball sind die Stars längst an ihrer Belastungsgrenze angelangt. Besserung gibt es nur, wenn sich die Volleyballer gegen den Egoismus der internationalen Verbände wehren – findet unser Kommentator Jochen Klingovsky.

Stuttgart - Der World Cup ist die Krönung. Nach der Nations League mit Spielen auf mehreren Kontinenten, der ersten Runde in der Olympia-Qualifikation und der Europameisterschaft bat der Volleyball-Weltverband die besten elf Nationalteams der Frauen und Männer nun auch noch flugs nach Japan. Nächster Wettbewerb, nächster Wahnsinn. Elf Spiele in 15 Tagen – und danach dann sofort zurück in den Liga-Alltag. Müde, ausgelaugt, schlapp. Egal! Weiter, immer weiter! Bis der Körper nicht mehr mitspielt.

Was die internationalen Verbände ihren Stars zumuten, ist absolut irre. Wer mit seinem Verein und seinem Nationalteam erfolgreich sein will, für den geht es Schlag auf Schlag. Erst wird ein halbes Jahr lang um Club-Titel gekämpft, dann folgen sechs Monate mit zig Länder-Turnieren. Ohne Pause. Die Folgen dürfen nicht überraschen: immer mehr verletzte Topspieler, immer mehr Stars, die ihre internationale Karriere vorzeitig beenden.

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Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Statt immer neue Wettbewerbe zu erfinden, müssen die internationalen Verbände, die bisher nur an sich und ihre Vermarktungserlöse denken, endlich ihren Turnierkalender ausdünnen. Weil sie dies allerdings nicht freiwillig tun werden, ist dafür der Widerstand der Aktiven nötig. Nur wenn diese in Zukunft viel deutlicher machen als zuletzt, dass sie bei dieser Terminhatz künftig nicht mehr mitmachen, wird sich etwas ändern. Eine andere Chance haben sie nicht.

jochen.klingovsky@stzn.de

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