Rechts neben die Panoramaklinik soll das zweite Gesundheitszentrum kommen, links daneben soll das alte Krankenhaus nach Plänen der Regionalen Kliniken Holding einer Privatklinik für seelische Erkrankungen weichen. Foto: Archiv (/Werner Kuhnle)

Die Regionale Kliniken Holding zieht zum 1. Juli 2020 mit der Inneren Abteilung und der Geriatrie aus Marbach weg. Personalgespräche laufen, der Betrieb fällt zunehmend schwer, doch Matthias Ziegler sieht Perspektiven.

Marbach am Neckar - Nach dem Nein der Stadt Marbach zu den Plänen von Landrat Rainer Haas, auf dem Gesundheitscampus eine Klinik für seelische Erkrankungen und ein Pflegehotel zu bauen, meldet sich jetzt Matthias Ziegler, Regional­direktor der Regionalen Kliniken-Holding (RKH) Ludwigsburg-Bietigheim, zu Wort. „Ich halte einen Konsens in der Frage für möglich.“ Ziegler äußerte sich zuversichtlich, dass auf dem Gesundheitscampus in Marbach die bisherigen Arbeitskräfte weiterhin beschäftigt werden können.

„Für jedes einzelne Projekt gibt es eine Grundsatzentscheidung“, sagt er und wirbt dafür, dass sich Landrat und Stadträte noch einmal ­zusammensetzen, um eine Lösung für die jetzt zur Diskussion stehenden Bauprojekte zu finden.

Zeitarbeiter schließen die Lücken bei den Pflegekräften

Die Stadt Marbach verweigert die Bau­genehmigung für die psychosomatische Klinik und das Pflege­hotel, für die Landrat Rainer Haas einen ­Investor und Betreiber gefunden hat. Der Mar­bacher Bürgermeister Jan Trost fordert eine Gesamtplanung für den Campus und steht mit den möglichen Nachfolgern des zum Jahresende scheidenden Landrat in Verbindung. Haas hingegen möchte seine Pläne durchsetzen und will daher mit den Marbachern noch einmal reden.

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Aktuell betreibt die RKH das Marbacher Krankenhaus noch in der bestehenden Form bis zum 1. Juli 2020 mit 65 Betten im stationären Bereich. „Wir haben große Probleme, im Pflegebereich Stellen zu besetzen“, teilt Matthias Ziegler mit. So könnten manchmal nur maximal 55 Betten belegt werden. Im Pflegedienst seien derzeit 50  Mitarbeiter angestellt, aber nicht alles Vollzeitkräfte. Die RKH müsse mit Zeitarbeitskräften Lücken schließen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Alle Mitarbeiter haben eine Perspektive

Trotz des Aderlasses habe die RKH für ihr Pflegepersonal in Marbach ein genau ausgearbeitetes Konzept, betont Matthias Ziegler. „Jeder Mitarbeiter weiß genau, wo   er nächstes Jahr tätig ist.“ Die RKH­-Leitung sei auf Wünsche eingegangen und habe bei der Personalplanung für die ­Umzüge der Inneren Abteilung und der Geriatrie nach Ludwigsburg oder Bietigheim-Bissingen die Pflegekräfte und Ärzte an dem Prozess beteiligt. „Bei uns hat ­jeder Mitarbeiter eine Perspektive.“

Für die möglichen Patienten, also die Bevölkerung in Marbach und Umgebung, ändere sich in der Versorgung nicht viel, auch wenn es im Marbacher Krankenhaus die Innere Abteilung und die Geriatrie nicht mehr geben werde, stellt der RKH-Chef Matthias Ziegler klar. Das liege ­daran, dass die zentrale Verteilung der ­Patienten schon seit Jahren vom Ludwigsburger Klinikum aus geschehe. Wenn derzeit ein Marbacher mit einer Lungenentzündung stationär im Krankenhaus in der Schillerstadt aufgenommen werde, sei das auf die Verteilung aus der Ludwigsburger Zentrale zurückzuführen. Künftig würden solche Notfälle im Ludwigsburger Großklinikum noch stärker zentralisiert. Dort werde rund um die Uhr gearbeitet, und etwa bei einem Verdacht auf Schlaganfall oder Herz­infarkt werden dort Patienten laut Ziegler mit modernen Geräten und Fachärzten behandelt. „Das funktioniert seit vielen Jahren gut.“

Endoskopische Behandlung ist gesichert

Erhalten bleibt auf jeden Fall nach dem 1. Juli 2020 der chirurgische OP-Bereich in Marbach, versichert der RKH-Regionaldirektor Ziegler. Das Gesundheitszentrum II werde später gebaut und dort fänden dann auch Operationen statt. Die Belegärzte der Chirurgie seien nicht unbedingt nur für Ortsansässige ­zuständig. Und auch die Mediziner hätten Praxen außerhalb, etwa in Lauffen und Stammheim. Gleichwohl profitierten auch Menschen aus Marbach und der Umgebung, die Operationen in Wohnortnähe vornehmen lassen könnten.

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Noch geklärt werden müsse, ob der ­Kliniken-Aufsichtsrat zum chirurgischen OP-Bereich Kapazitäten für eine statio­näre Unterbringung über Nacht schaffe. „Immer mehr Operationen finden ambulant statt“, sagt Matthias Ziegler. Es gebe auch Vorgaben der Krankenkassen. Das ­finanzielle Risiko für eine Auslastung der Betten müsse die RKH tragen. Darüber werde der Kliniken-Aufsichtsrat noch ­entscheiden müssen – und hier könnte Klärungsbedarf zwischen dem Landkreis Ludwigsburg und der Stadt Marbach liegen, so der RKH-Regionaldirektor.

Gesichert sei hingegen die endoskopische Behandlung der Inneren Abteilung. Das werde es auch nach dem Wegzug der Inneren aus Marbach hier geben, erklärt Matthias Ziegler. „Sonst hätten wir wirklich eine echte Versorgungslücke.“ Die Kassenärztliche Vereinigung habe schon eine Lizenz zugesagt. „Darauf können wir uns verlassen.“

Erst das Gesundheitszentrum, dann der Abriss

Das alte Krankenhaus werde, so Ziegler, erst abgerissen, wenn das Gesundheitszentrum II in Betrieb gegangen ist. Auf dem Boden des alten Krankenhaus soll die Klinik für seelische Erkrankungen entstehen. Um den bereits gefassten Grundsatzbeschluss umzusetzen, braucht die RKH die Baugenehmigung der Stadt.

Eine Überplanung des gesamten Geländes, wie sie die Stadt Marbach fordert, findet der RKH-Chef nicht realisierbar. „Alles zu überplanen, wäre zu abstrakt.“ Die Planungen würden sich „über einen unvorstellbar langen Zeitraum erstrecken“, prophezeit er. Deshalb sei es gut, zunächst das Gesundheitszentrum II und die Klinik für seelische Erkrankungen zu realisieren und Reserveflächen für andere Krankenhäuser bereitzuhalten.

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