Der Sendener Altersforscher Klaus Sames will seinen Leichnam einfrieren lassen Foto: dpa

Der Sendener Altersforscher Klaus Sames (75) will sich in flüssigem Stickstoff tiefgefrieren lassen und in der Zukunft zu neuem Leben erwachen

Geislingen - Wenn Klaus Sames einmal stirbt, muss es sehr schnell gehen. Ein Bestatter in Ulm soll zur Tankstelle fahren und 60 Kilogramm Eiswürfel kaufen, um den Körper damit zu bedecken. Mit dem Eis soll der Verfall der nicht weiter mit Sauerstoff versorgten Zellen in Körper und Gehirn verlangsamt werden. Der 75-jährige Altersforscher aus Senden, der früher Dozent am Anatomischen Institut im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf war, hat einen faszinierenden und zugleich grotesken Plan: Er will sich nach seinem Ableben tiefkühlen und irgendwann wieder auftauen lassen.

In der Zukunft, ist er überzeugt, werden bislang tödliche Krankheiten heilbar sein. Die Zeit bis dahin will er tiefgekühlt überstehen. Katrin Amunts, Mitglied des Deutschen Ethikrats, hält solche Ideen für „unseriös“. „Es ist bislang nicht möglich, Organe oder Teile von Organen einzufrieren und sie wieder aufzutauen in der Hoffnung, dass sie noch funktionieren“, sagt die Hirnforscherin. Zu groß seien die Schäden beim Gefrierprozess. „Die Versuche sind zum Scheitern verurteilt.“

Sames’ Leichnam soll in ein Bestattungsinstitut gebracht werden. „Ziel ist es, den Körper mit Kühlflüssigkeit zu durchströmen, um ihn einzuschläfern.“ Dazu wird das Blut abgepumpt und durch Frostschutzmittel ersetzt. Durchführen soll das Bestatter und Einbalsamierer Markus Maichle aus Geislingen an der Steige. Weil er Erfahrung mit der Konservierung und Überführung von Leichen in andere Länder hat, will er Sames zur Seite stehen.

Nach der Konservierung wird der Körper zu einem Unternehmen in den USA transportiert und in einem Kühltank gelagert. Für wie lange die biologische Uhr angehalten wird, weiß Sames nicht. „100 Jahre auf jeden Fall.“ So lange sollte das Geld für das Vorhaben – Kosten: 40 000 bis 50 000 Euro – reichen, das er an das Institut überwiesen hat. „Das Auftauen, ohne dass der Körper Schäden davonträgt, ist so einfach nicht möglich“, gibt „Professor Frost“ zu. Doch angesichts des rasanten Tempos in der Wissenschaft müsste es prinzipiell möglich sein, Tote zu reanimieren. „Vielleicht klappt es ja irgendwann.“

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