Saniye Atas’ (links) Söhne Robin (hinten) und Zekiyigit fühlen sich wohl im Kinderhaus Bachwiesenstraße bei Leiterin Monika Hülle (rechts). Foto: Nina Ayerle

Die Einrichtung der Diakonie Stetten an der Bachwiesenstraße fördert auch körperlich und geistig Behinderte. Die Kindertagesstätte im Stuttgarter Süden möchte langfristig ein Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) werden. Einen entsprechenden Antrag hat die Leiterin bereits bei der Stadt eingereicht.

S-Süd - Auf den ersten Blick sieht Robin aus wie ein ganz normales Kind. Auf dem Spielplatz glauben andere Mütter seiner Mutter Saniye Atas oft nicht, das mit ihrem Sohn etwas nicht stimmt. Wie auch, sie selbst hat es die ersten zwei Wochen nach der Geburt auch nicht bemerkt. Nur weil Robin bei der Geburt Fruchtwasser geschluckt hatte, musste er ins Olgäle. Dort stellten die Ärzte fest, dass er unter freier Trisomie 21 leidet, auch Down-Syndrom genannt.

Inzwischen ist Robin sechs Jahre alt. Er ist nicht krank, aber seine Entwicklung ist verzögert. „Mit dem Sprechen tut er sich schwer, er hört nicht richtig und hat motorische Probleme“, sagt seine Mutter. Er braucht zusätzlich Krankengymnastik, Ergo- und Logopädie. Wichtig war für sie deshalb eine Kindertagesstätte, die speziell auf Kinder mit Handicap ausgerichtet ist. Seit seinem ersten Lebensjahr besucht Robin das Kinderhaus Bachwiesenstraße der Diakonie Stetten in Heslach. Von der Einrichtung ist Atas begeistert. „Die Kinder werden hier eins a erzogen“, sagt sie. „Sie lernen von Klein auf, miteinander umzugehen, ob sie nun eine Behinderung haben oder nicht.“

Die Kindertagesstätte verfolgt ein inklusives Konzept

Rund zehn Prozent der Kinder in der Einrichtung haben einen erhöhten Förderbedarf. Derzeit besuchen 160 Kinder die Krippe und den Kindergarten, 14 davon haben eine körperliche oder geistige Behinderung. Um diese kümmern sich Bezugspädagogen. Auch Robin wird bei Aufgaben, die für ihn schwierig sind, von einer speziell ausgebildeten Inklusionsfachkraft unterstützt. „Die Kinder können so an allem teilhaben“, sagt die Leiterin Monika Hülle.

In Zukunft möchte Hülle die inklusive Einrichtung weiter ausbauen und sich stärker im Stadtbezirk vernetzen. „Unsere Vision ist ein Kinder- und Familienzentrum“, sagt sie. Einen entsprechenden Antrag bei der Stadt Stuttgart für den Doppelhaushalt 2016/2017 hat sie bereits gestellt. Unterstützt wird das Kinderhaus dabei vom Bezirksbeirat Süd. Das Gremium hat in seinen Vorschlägen für die Haushaltsmittel den Wunsch geäußert, eine Kindertagesstätte im Bezirk zu einem Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) umzuwandeln. Das Kinderhaus Bachwiesenstraße stand auf der Wunschliste der SPD-Fraktion ganz oben.

Mehr auf die Bedürfnisse der Familien eingehen

Im Jahr 2012 hat der Gemeinderat das Rahmenkonzept für ein solches Zentrum verabschiedet. Aktuell werden sieben Einrichtungen in Stuttgart gefördert. Der Süden hat bisher kein Zentrum, denn bei der Auswahl der Einrichtungen spielt die Anzahl der Kinder mit Bonuscard eine Rolle. Damit fällt das Kinderhaus nicht unter die Förderkriterien. Dennoch, die Kindertagesstätte hat viele Kinder mit Migrationshintergrund und aus Familien, die am Existenzminium leben. „Wir wollen stärker auf die Bedürfnisse der ganzen Familien eingehen könnten“, sagt Monika Hülle.

Ein solches Modell hätte auch Saniye Atas sehr geholfen. Sie hat außer Robin noch zwei weitere Kinder. Am Anfang sei sie oft überfordert gewesen, erzählt sie. „Hier habe ich viel Entlastung für den Alltag bekommen“, berichtet sie. Robin besucht von Herbst an die inklusive Torwiesenschule der Diakonie. Aber auch in Zukunft werden er und seine Familie Unterstützung brauchen. Der Sechsjährige baucht viel Aufmerksamkeit, er kenne seine Grenzen nicht, sagt seine Mutter. Ob jemand gut oder böse ist, könne er zum Beispiel nicht beurteilen. Auf der Straße sage er zu jedem „Hallo“. Manchmal renne er auch einfach weg. Mit ihren drei Kindern allein unterwegs zu sein, ist für Atas unmöglich. Eine Anlaufstelle im Stadtteil für ihre ganze Familie fände sie deshalb ideal.

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