Handwerker haben – wie hier beim Richtfest am Kindergarten Schmetterling in Leinfelden – in L.-E. demnächst öfter was zu feiern. Foto: Norbert J. Leven

Die Große Kreisstadt L.-E. investiert weitere Millionen in die Kleinkindbetreuung. Für einen Neubau reaktiviert sie ein Areal im Sanierungsgebiet.

Leinfelden-Echterdingen - Wer will fleißige Handwerker seh’n?“, singen die Dreikäsehochs vom evangelischen Schmetterlingskindergarten beim Richtfest, während oben auf dem Dach die Zimmerleute nach dem Richtspruch einen kräftigen Schluck Rotwein nehmen und ein Henkelglas am Boden zerschellen lassen. Etwas mehr als eine halbe Million Euro bezahlt die Stadt Leinfelden-Echterdingen für die komplett aus Holz konstruierte Aufstockung des Gebäudes an der Lilienstraße in Unteraichen. Zwei Kleinkindgruppen werden mit bis zu 20 Kindern dort im Herbst einziehen – sofern es beim nun folgenden Innenausbau keine gravierenden Komplikationen gibt.

Mit Neubauten, wie sie etwa in Stetten oder Musberg in Angriff genommen sind, und weiteren, ins Geld gehenden Umbauten versucht die Stadt L.-E. derzeit, der steigenden Nachfrage nach den von August an gesetzlich garantierten Betreuungsplätzen für Kinder gerecht zu werden. Wie berichtet, geht die Stadt inzwischen davon aus, dass etwa 55 Prozent der Kinder eines Jahrgangs einen Platz in einer Tageseinrichtung beanspruchen werden. Das führt absehbar zu Engpässen – beispielsweise in Echterdingen.

Keine Wartelisten in L.-E.

Eltern müssen sich in Leinfelden-Echterdingen jedoch nicht auf Wartelisten einstellen. Sozialbürgermeister Alexander Ludwig machte im zuständigen Gemeinderatsausschuss in der vergangenen Woche eine unmissverständliche Zusage: „Ich bin optimistisch, dass wir alle Kinder mit einem Platz versorgen werden“. Das bedeutet: Das für das Stadtgebiet errechnete derzeitige Minus von 60 Kleinkind-Betreuungsplätzen – gleichbedeutend mit sechs Gruppen und entsprechendem Betreuungspersonal – wird ausgeglichen. Mit grundsätzlichem Widerstand aus dem Gemeinderat muss der Bürgermeister dabei nicht rechnen. Die starke Nachfrage erklärt Ludwig dem Ausschuss mit einem „Paradigmenwechsel bei jungen Eltern. Immer mehr junge Frauen gehen nach einem Jahr wieder arbeiten.“ Eine Sogwirkung von außerhalb, wie die CDU argwöhnt, sei nicht festzustellen.

In Echterdingen plant Ludwig nun den Neubau eines viergruppigen Kindergartens im Sanierungsgebiet Waldhorn – auf jenem dort für Gemeinbedarf reservierten Grundstück, das vor einigen Jahren nur aufgrund des massiven Widerstands der Freien Wähler nicht auf dem Immobilienmarkt für Wohnungsbau gelandet war. Solche Weitsicht nötigt nun sogar der SPD anerkennende Worte ab.

Kooperation mit Waldorfkindergarten

Die Kommune wolle an der Waldhornstraße in Kooperation mit dem Waldorfkindergarten die Einrichtung bauen und sie von Sommer 2014 an auch gemeinsam mit jeweils zwei Gruppen betreiben. Beschlüsse soll der Gemeinderat noch vor der Sommerpause fassen. In Leinfelden strebt der Bürgermeister den Umbau einer Wohnung im Gebäude des Regenbogen-Kindergartens an, um dort eine weitere Gruppe unterzubringen.

Für Übergangslösungen will die Stadtverwaltung laut Ludwig ebenfalls sorgen, etwa durch kurzfristiges Anmieten geeigneter Wohnungen oder demnächst bei der katholischen Kirchengemeinde St. Michael in Echterdingen freiwerdender Container.

Tagesmütter-Konzept erst im Herbst

Auch die Fortschreibung des Tagesmütter-Konzepts, an das die FDP/LE-Bürger erinnerten, will die Stadtverwaltung bis Herbst vorlegen. Daran werde zurzeit mit dem Tageselternverein gearbeitet, hieß es.

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