Dass der Teller leer bleibt, kommt in Deutschland eher selten vor. Armen Kindern fehlt es vor allem an Bildungschancen und gesellschaftlicher Teilhabe. Foto: dpa-Zentralbild

Wenig Geld zu haben – das bedeutet in Deutschland weniger Chancen auf Bildung und Teilhabe. Auch im Rems-Murr-Kreis sind Kinder von Armut betroffen. Ein untragbarer Zustand, kommentiert unsere Redakteurin Kathrin Zinser.

Waiblingen - Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, heißt es in Artikel 1 des Grundgesetzes. Doch wie viel Würde bleibt, wenn man in Deutschland arm ist? Wenn man, von einem großen Teil der Gesellschaft der Faulheit bezichtigt, zum Bittsteller degradiert wird? Wenn das Kind in der Schule ausgegrenzt wird, weil es nicht das haben kann, was gerade angesagt ist?

In Deutschland werden Begriffe wie Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit gerne hochgehalten – doch in der Realität schmücken sie höchstens Sonntagsreden. Tatsächlich entscheidet die soziale Herkunft noch immer maßgeblich über den Bildungserfolg eines Kindes, wie mehrere Studien beweisen. Man muss kein Wissenschaftler sein, um die Mechanismen zu verstehen: Förderung kostet Geld. Wo Eltern jeden Cent drei Mal umdrehen müssen, bleibt für Nachhilfe nichts übrig – ebenso wenig wie für den Sportverein, die Musikschule oder den Museumsbesuch.

Eine mögliche Lösung: Kindergrundsicherung

Fakt ist: Kein Kind kann etwas dafür, in welche Familie es geboren wird. Kinder sind die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft – und gleichzeitig die, auf denen unsere Zukunft aufbaut. Kinderarmut ist eines reichen Landes unwürdig. Die Politik sollte zum Beispiel mit einer Kindergrundsicherung oder kostenfreien Nachhilfe- und Freizeitangeboten für Kinder aus einkommensschwachen Familien für mehr Chancengleichheit sorgen. Gleichzeitig muss die Gesellschaft das Tabuthema Armut in den Fokus rücken und Betroffenen vorurteilsfrei begegnen. Denn oft reicht ein Schicksalsschlag, damit das Leben ins Wanken gerät. Niemand sollte so hochmütig sein zu glauben, er sei vor Armut gefeit.

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