Kegeln: schweißtreibend, aber mit Spaß verbunden Foto: Lichtgut, Mauritius

In Baden-Württemberg nehmen rund 5000 Kegel- und Bowlingsportler am Rundenbetrieb teil. Die Zahl der Freizeitkegler nimmt wegen Überalterung immer weiter ab.

Stuttgart - Ein dumpfer Schlag, ein kurzes, tiefes Grollen, dann – wenn die Kugel ihr Ziel trifft – ein gewaltiges Scheppern. Bei einem gelungenen Wurf folgt oft ein Freudenruf, bei einem misslungenen, Kopfschütteln und Ausdrücke der Enttäuschung. Mit großem Ernst gehen rund 3800 Menschen im Südwesten dem Kegelsport nach. Die amerikanische Variante, das Bowling, zählt in Baden-Württemberg 1200 Spieler. Die Zahl der Freizeitsportler liegt um ein Vielfaches höher. Genaue Zahlen gibt es nicht. Mehr als 7500 Kegler nahmen in Baden-Württemberg noch Anfang der 80er Jahren am Rundenbetrieb auf den Classic-Bahnen teil, die dem internationalen Standard entsprechen. Ende 2017 waren es nur noch knapp halb so viele.

Kein Nachwuchsproblem, aber zu wenig Betreuer

Stirbt der einstige Volkssport aus? Siegfried Schweikardt glaubt das nicht. „Der Abwärtstrend ist gestoppt“, sagt er. Zuletzt seien die Zahlen der Sportkegler im Südwesten konstant geblieben. Der Präsident des Württembergischen Kegler- und Bowling-Verbands (WKBV) sieht dennoch ein massives Pro­blem bei der Randsportart: Der Nachwuchs fehlt. „Wir haben aber kein klassisches Nachwuchs-, sondern vor allem ein Betreuerproblem“, präzisiert der seit 22 Jahren als Kegelsportfunktionär tätige Schweikardt, der einige Jahre lang auch an der Spitze des internationalen Verbands, der Fédération Internationale des Quilleurs (FIQ), gestanden hat. Junge Leute für den Sport zu begeistern sei nicht schwierig. „Bei Kindern haben das Werfen einer Kugel und die umfallenden Kegeln immer einen Reiz“, sagt Schweikardt. Vielmehr mangele es an Trainern und Betreuern, die sich regelmäßig um die jungen Leuten kümmern.

Die Hobbyspieler spielen primär auf Bahnen, die sich oft in Kellergeschossen von Hotels, Gaststätten, Gemeindehäusern oder Vereinslokalen finden. Die Spiele tragen dabei Namen wie Gartenzaun, Tannenbaum und Fuchsjagd. Bei den Sportkeglern im Rundenspielbetrieb wird indes oft auf speziellen Sportbahnen wie in Kaltental oder Feuerbach gespielt. Dort geht es vor allem um eins: ums punktereiche Abräumen der Kegel. Ein schweißtreibendes und kraftraubendes Unterfangen.

Schweikardt und seine Kollegen aus dem Aktivensport bedauern, dass das in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zum Volkssport gewordene Kegeln „als Sportart oft nicht ernst genommen wird“. Selbst die Sportverbände zeigten „oft kein Verständnis für diesen Sport“. Beim Thema Sportstättenbau würden Kegler auch gerne belächelt. Hier, so gesteht der WKBV-Präsident, habe man aber lange Zeit auch Fehler gemacht. Viele Sportkegler hätten zu lange auf den in Hotels, Gasthäusern oder Vereinsheimen vorhandenen Bahnen gespielt. Das habe sich gerächt, da viele Bahnen – auch durch den Rückgang bei den Freizeitkeglern – für die Betreiber nicht mehr gerechnet hätten und geschlossen wurden. Noch bestehende Kegelbahnen seien technisch nicht mehr auf dem heutigen Stand. Ältere Freizeitkegler störe das Fehlen einer modernen Anlage meist nicht, Sportkegler schon. „Und Jüngere lockt man ohne Spiel- und Zählcomputer sowie die dazugehörigen Animationen auch nicht mehr auf die Bahnen“, weiß Schweikardt. Da stehe längst das Bowling höher im Kurs.

Dies zeige sich im Raum Stuttgart, wo sich laut Schweikardt – neben Tübingen, Ulm, Aalen und Heilbronn – die im Südwesten 1200 Sportler zählende Bowlingszene konzentriere. Die größeren Anlagen seien oft moderner und freundlicher, lockten daher auch im Freizeitbereich deutlich mehr Spieler als die Kegelanlagen an. So in Feuerbach die Bowling-Arena oder das City-Bowling bei der Hofdiener-Garage an der Schlossstraße. Bis Ende 2017 gab es zudem in Möhringen ein Bowlingcenter mit acht Bahnen. Deren Betreiberin hat die Anlage aber altershalber aufgegeben. Auch in den umliegenden Städten findet man einige Bowlingbahnen.

Jüngere Freizeitsportler ziehen Bowling dem Kegeln vor

„Bowling wird gerade von jüngeren Freizeitsportlern dem Kegeln vorgezogen“, weiß Schweikardt. Die im Bowling Pins genannten Figuren seien wie ein Dreieck mit zum Spieler zeigender Spitze aufgestellt (die neun Kegel im Kegeln bilden eine Raute). Es sei einfacher, alle Pins mit ein, zwei Wurf abzuräumen. Das sieht auch der Leichtathlet Uwe Luckscheiter so. Der Freiberger Sportler ist einmal pro Monat mit Sportfreunden auf der Anlage der Bowling-Arena am Feuerbacher Sportpark. Die Gruppe hat es im 24-Stunden-Dauerbowling sogar bereits ins Guinnessbuch der Rekorde gebracht. Dennoch tragen die Leichtathleten der LG Freiberg auch einmal jährlich eine Kegelmeisterschaft auf der Anlage der SG Stuttgart-Stammheim aus: „Das erfordert mehr Präzision“, sagt Luckscheiter, Bowling indes sei für ihn die sportlichere Variante. Das Kegeln, so sagt Luckscheiter, habe aber völlig zu Unrecht „ein angestaubtes Kneipenimage“.

Geschichte: Nur noch rund 20 Anlagen in Stuttgart

Einst waren Kegelbahnen in vielen Hotels, Restaurants, Vereinsheimen und Gemeindehäusern in großer Zahl zu finden. Weil das Interesse am einstigen Volkssport aber seit den 1980er Jahren zurückging, sank auch die Zahl der Anlagen in Stuttgart. Rund 20 Kegelanlagen gibt es noch in der Stadt.

Stuttgart-Ost: Mit dem Zuspruch zufrieden ist man im Restaurant Theater Friedenau an der Rotenbergstraße. Rund 30 Gruppen nutzen die Zweibahnanlage regelmäßig, sagt Gastwirt Georg Chatzi­theodoru – Tendenz allerdings sinkend. „Es sind vorwiegend ältere Spieler.“

Möhringen: Ähnlich sieht es im Gasthof Riedsee an der Elfenstraße aus, wie Inhaber Vaclav Kupar sagt. „Insgesamt sind wir mit der Auslastung noch recht zufrieden.“ Während die älteren Spieler regelmäßig kämen, riefen die jüngeren eher kurzfristig an.

Zuffenhausen: In der Vereinsgaststätte des SSV hat die Zahl der Kegelgruppen seit 2015 laut dem Gastronom Robert Poljak von 15 auf 12 abgenommen. Eine Modernisierung der Anlage, so glaubt Poljak, lohnt sich kaum, da die Spieler überwiegend 60 und älter seien. Vereinzelt würden auch Kindergeburtstage auf der Anlage stattfinden.

Stuttgart-West: Im Gemeindehaus der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde an der Rosenbergstraße würde sich der die Anlage betreuende Mesner Uwe Scholl mehr Zuspruch wünschen. Jüngere würden die Anlage inzwischen aber kaum noch nutzen. „Wir haben da halt keinen Fernseher und keine Musik“, so Scholl.

Feuerbach: Neben den Bowling-Bahnen gibt es in Feuerbach in der Bowling-Arena am Sportpark auch zwölf Kegelbahnen – einst waren es 16. Damit ist die Anlage des seit 1929 bestehenden Bowling- und Kegelsportvereins Stuttgart Nord die größte Kegelanlage in der Stadt, die auch Freizeitspielern zur Verfügung steht. Die Auslastung der Kegelbahnen ist laut Betreiber aber deutlich geringer als die der Bowlingbahnen, die sich seit Jahren einer großen Beliebtheit erfreuen.

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