Die traditionsreiche Bischofsstadt Münster ist von Donnerstag an bis zum Sonntag Gastgeber des 102. Katholikentages Foto: dpa

Zwist unter Bischöfen, Streit ums Kreuz, Debatte über das Abendmahl, Krach um die AFD: Auf dem Katholikentag in Münster geht es um strittige Themen.

Münster - Vor 400 Jahren begann mit dem Prager Fenstersturz einer der blutigsten Konflikte der Geschichte. 30 Jahre und unzählige Metzeleien später schlossen die verfeindeten Mächte 1648 in Münster den Westfälischen Frieden. Die traditionsreiche Bischofsstadt ist von diesem Donnerstag an bis zum Sonntag Gastgeber des 101. Katholikentages, der – wie jede christliche Großveranstaltung – ganz im Zeichen des Kreuzes steht. Auch im Dreißigjährigen Krieg schlugen sich Deutsche und Spanier, Schweden und Franzosen in diesem Zeichen aufs Haupt. Die Gegner – Christen allesamt – wähnten sich im Recht und in Gottes Auftrag.

Heutzutage erklärt Deutschlands oberster Katholik, der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, das Kreuz sei „kein Zeichen gegen andere Menschen“. Seine Botschaft an Bayern und die Welt: Katholiken gegen Protestanten, Christen gegen Muslime, Gläubige gegen Ungläubige – das ist vorbei. Die Menschheit hat aus ihrer Geschichte gelernt. Kriege und Konflikte um der Religion willen, im Namen Gottes und im Zeichen des Kreuzes sind überholt.

„In diesem Zeichen siegst du“

Trotzdem wird über den rechten Umgang mit dem Kreuz verbal weiter trefflich gestritten – wie im Vorfeld des Katholikentreffens. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder – eigentlicher Adressat der erzbischöflichen Schelte – hat angeordnet, ab Juni Kreuze wieder in allen bayerischen Amtsstuben aufzuhängen.

„In hoc signo vinces“ – „In diesem Zeichen siegst du“: Wie einst Kaiser Konstantin der Große 312 nach Christus in der Schlacht bei der Milvischen Brücke, zieht Söder mit dem christlichen Siegeszeichen in den Landtagswahl um die absolute Mehrheit und konservative Wähler im Freistaat. Nur ist der Widersacher nicht wie bei Konstantin der Usurpator Maxentius, sondern die AfD.

Auch der Streit innerhalb der deutschen Bischofskonferenz um die Kommunion für Protestanten wird im Zeichen des Kreuzes ausgetragen. Die Kontrahenten, Marx und der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, hatten Rom angerufen – in der Hoffnung, der Papst ergriffe Partei. Doch Franziskus macht Ernst mit seinem Programm der Dezentralisierung. Seine Antwort war: Rauft euch zusammen! Die Ortskirchen sollen eigenständiger entscheiden, lautet seine Botschaft.

Wie politisch darf Kirche sein? Wie christlich soll Politik sein?

Die Diskussion um Kirche, Kreuz und Kommunion beherrscht den Katholikentag. Gut so! Denn es geht um die Klärung von Fundamentalem: Wer ist ein Christ? Wie politisch darf Kirche sein? Wie christlich soll Politik sein? Seit Konstantin ist das Kreuz – ursprünglich ein Symbol des Glaubens an Jesus Christus – auch ein politisches Zeichen. In seinem Namen wurden Kriege geführt, wetterten Bischöfe gegen Liberalismus und Verweltlichung, sprachen Gläubige verschiedener Konfessionen einander das Recht ab, sich wahre Christen zu nennen.

Nur gut, dass all dies passé ist und selbst AfD-Politiker zum Katholikentag eingeladen sind. Was der Partei beim letzten Treffen 2016 in Leipzig verwehrt blieb, wird ihr diesmal als Bundestagsopposition gewährt. Es sei „höchste Zeit“, in eine „neue Phase der politischen Auseinandersetzung mit populistischen Strömungen“ einzutreten, sagt Münsters Bischof Felix Genn salomonisch. Ausgrenzen, Bagatellisieren, Totschweigen sind keine adäquate und akzeptable Antwort – weder in der Kirche noch in der Politik.

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