Virginie Viard ist seit 1997 Studioleiterin von Chanel. Nun übernimmt sie die kreativen Geschäfte von Karl Lagerfeld. Foto: AP

Am morgigen Dienstag wird im Pariser Grand Palais Karl Lagerfelds letzte Kollektion für Chanel zu sehen sein. Künftig ist Virginie Viard für die Entwürfe zuständig. Der verstorbene Modezar nannte die gelernte Kostümbildnerin seine „rechte und linke Hand“.

Paris - Nach Karl Lagerfelds Tod kündigte das Modehaus Chanel an, dass die Studioleiterin Virginie Viard neue Kreativdirektorin wird. Bereits seit einiger Zeit nahm der Modedesigner an ihrer Seite den Applaus für seine Kollektionen entgegen. „Sie ist meine rechte und meine linke Hand“, sagte Lagerfeld gerne über seine engste Mitarbeiterin, die von nun an acht Kollektionen pro Jahr allein entwerfen wird.

Wichtige Rolle bei der Kollektions-Entwicklung

Bei der letzten Haute Couture Show im Januar kam die zurückhaltende Französin schon ohne Lagerfeld auf den Laufsteg. Das wurde als Zeichen für den schlechten Gesundheitszustand des am 19. Februar verstorbenen Modeschöpfers gewertet. Aber auch dafür, welch wichtige Rolle die 57-Jährige bereits vor seinem Tod bei der Entwicklung der Chanel-Kollektionen spielte.

Das waren Lagerfelds atemberaubendste Chanel-Schauen

Viard ist seit 1997 Studioleiterin von Chanel. Bereits 1987 arbeiteten Lagerfeld und sie das erste Mal zusammen: Sie war damals Praktikantin in der Stickereiabteilung. „Karl ist die Begegnung meines Lebens“, sagte sie einmal in einem Interview mit der Zeitschrift „Madame Figaro“. „Als ich ihn das erste Mal sah, hat es sofort gefunkt.“ Sie kannte Lagerfeld vermutlich besser als jeder andere, fast täglich standen die beiden in Kontakt, per SMS, Fax oder bei Besprechungen im gemeinsamen Büro in der Rue Cambon.

Karriere beginnt als Kostümbildnerin

Viard stammt aus Lyon, in ihrer Familie galt sie angeblich als Träumerin. Sie studierte zunächst an einer Modeschule in Lyon bevor sie ein Jahr nach London ging. Das war Mitte der Achtzigerjahre und mitten in der Punk-Ära, die sie auch ästhetisch prägte. Ihre Karriere begann sie als Assistentin der Kostümbildnerin Dominique Borg. Später stattete sie auch Theaterproduktionen aus. Über den Unterschied zwischen Film- und Modegeschäft sagte sie in einem Interview: „Kostüme zu entwerfen ist schwieriger als eine Kollektion zu designen: Models sind unkomplizierter als Schauspielerinnen, die Mode-Szene ist weniger aufgeregt als der Film und Karl umgänglicher als ein Regisseur.“

Bindeglied zwischen Lagerfeld und den Mitarbeitern

Viard hatte später bei Chanel die Rolle der Übermittlerin. Sie war das Bindeglied zwischen Lagerfeld, seinen Zeichnungen, Gedanken, Wünschen und den rund 200 Mitarbeitern des Chanel-Studios. Seine zweidimensionalen Entwürfe auf Papier ließ sie von den Näherinnen und Nähern in dreidimensionale Kostüme, Röcke, Hosen, Jacken, Kleider, Anzüge verwandeln. „Ich versuche herauszufinden, was ihm vorschwebt und wohin er mit der neuen Kollektion will“, sagte Viard einmal in einem Interview. „Wissen Sie, er kann oft etwas vage sein und Ihnen nicht genau sagen, was er meint. Er sagt nie, dass er ein Thema hat, daher stelle ich Vermutungen an. Ich fokussiere, modernisiere und mache die Dinge runder oder auch zeitloser.“

Letzte Lagerfeld-Kollektion

Inwieweit Viard in den letzten Jahren aktiv am Entwerfen der Kollektionen beteiligt war, ist nicht bekannt. Ihre immer größer werdende Präsenz bei den Shows und auch ihre Ernennung zur Kreativdirektorin lassen aber vermuten, dass bereits in den letzten Jahren nicht alle Entwürfe nur aus der Feder von Karl Lagerfeld stammten. Über 35 Jahre lang war Lagerfeld für die Mode von Chanel verantwortlich. Am morgigen Dienstag wird im Grand Palais seine letzte Kollektion zu sehen sein.

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