Kai Diekmann gilt als einer der wichtigsten Männer in der Geschichte der Bild-Zeitung. Foto: dpa

Ist das der Grund, warum Kai Diekmann Ende Januar aus dem Springer-Verlag ausscheidet und die Bild-Zeitung verlässt? Zumindest liegen schwere Vorwürfe gegen Diekmann vor.

Stuttgart/Berlin - Gegen Kai Diekmann, den Herausgeber der Bild-Zeitung, läuft bei der Staatsanwaltschaft Potsdam ein Ermittlungsverfahren. Ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörde bestätigte unserer Zeitung, dass „eine Anzeige gegen die genannte Person“ vorliege. Zur rechtlichen Einordnung der Vorwürfe dürfe er keine Auskunft geben, sagte der Behördensprecher Christoph Lange mit Hinweis auf die Unschuldsvermutung und den Schutz von Persönlichkeitsrechten.

Nach Informationen unserer Zeitung wird geprüft, ob es Anfang August bei dem jährlich stattfindenden Mitarbeiterfest für die Redaktion beim Baden im Jungfernsee zu einem sexuellen Übergriff auf eine Angehörige der Redaktion gekommen ist. Der Verlag hat die Staatsanwaltschaft selbst darum gebeten. Darüber hinaus liegt eine Anzeige von der Mitarbeiterin vor. Diekmann bestreitet den Vorwurf.

Verlässt Diekmann deshalb den Springer-Verlag?

Vom Verlag beauftragte Rechtsexperten hätten bei einer eingehenden internen Untersuchung „kein strafbares Verhalten“ festgestellt, sagte Edda Fels, Leiterin der Unternehmenskommunikation beim Axel-Springer-Verlag, unserer Zeitung. Man wolle jedoch eine rechtsverbindliche Klärung herbeiführen. Deshalb sei das Ergebnis der internen Untersuchung mit Diekmanns Einverständnis an die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft gegeben worden. „Wir haben beiden Personen gegenüber eine Aufklärungs- und Fürsorgepflicht“, sagte Fels.

Das Ermittlungsverfahren könnte ein neues Licht auf die Umstände von Diekmanns bevorstehendem Abschied aus dem Axel-Springer-Verlag werfen. Erst vor rund einer Woche hatte das Unternehmen per Pressemitteilung bekannt gemacht, dass der 52-Jährige nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit für Springer zum 31. Januar 2017 den Verlag auf eigenen Wunsch verlassen werde. Er wolle sich künftig anderen Aufgaben außerhalb des Unternehmens widmen. Diekmann ging in einem Beitrag im sozialen Netzwerk Twitter in aller Kürze auf die zu Ende gehende Zeit bei Springer ein: „Es war mir eine Ehre“, schrieb er in seinem Tweet.

Diekmann und die steile Karriere bei der Bild-Zeitung

Den Verdacht, dass die Vorwürfe gegen Diekmann für die Trennung verantwortlich sein könnten, weist das Unternehmen jetzt zurück: „Herrn Diekmanns Weggang stand schon vor mehr als einem Jahr fest, ehe er sich Ende 2015 aus der Chefredaktion von Bild zurückzog“, sagt die Chefin der Unternehmenskommunikation, „als Herausgeber sollte er aber noch den personellen Wechsel in den beiden Redaktionen erleichtern.“ Wegen der internen Klärung nach den Vorwürfen der Mitarbeiterin sei Diekmann dann sogar länger geblieben als ursprünglich zu erwarten gewesen sei, sagte Edda Fels.

Der in Ravensburg geborene Diekmann hatte bei Springer eine rasante Karriere gemacht. 1985 begann er eine Ausbildung in der Axel-Springer-Journalistenschule. Danach wurde er Parlamentskorrespondent für die Bild-Zeitung und für Bild am Sonntag, später in rascher Abfolge stellvertretender Chefredakteur des Springer-Blattes BZ, Politikchef von Bild und Chefredakteur der Welt am Sonntag. 2001 übernahm er die Chefredaktion von Bild, ehe er zusätzlich Herausgeber der gesamten Bild-Gruppe wurde.

Ende Januar scheidet Diekmann aus

Im Sommer 2012 ging er nach Silicon Valley im US-Staat Kalifornien, um in diesem Mekka der Computerwelt neue Erfahrungen zu sammeln, die für seinen weiteren Berufsweg wichtig werden sollten. Nach einem Jahr kehrte er zunächst als Bild-Chefredakteur zurück. Ende 2015 gab er diesen Stuhl aber auf und wurde wieder Herausgeber. Seine Mission: die Führung der Springer-Chefredakteure, die übergeordnete Steuerung der Bild-Angebote und der publizistischen Ausrichtung sowie die Weiterentwicklung aller Bild-Marken.

Am 30. Dezember ließ sich der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner in der letzten Pressemitteilung des Axel-Springer-Verlags im Jahr 2016 mit dem Satz zitieren, man habe es vor allem Diekmann zu verdanken, dass die Bild-Zeitung heute Trendsetter des digitalen Journalismus und eine hochprofitable Multimediamarke sei.

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