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Die vor einigen Monaten neugegründete Junge Bühne ist bereits auf Erfolgskurs: das erste Musical war 14-mal ausverkauft. Das nächste Projekt wird bereits vorbereitet.

Sindelfingen - Gleich das erste Stück war ein Erfolg. „Wir hatten 14 ausverkaufte Vorstellungen, und ich erhalte noch immer täglich E-Mails mit Kartennachfragen“, erzählt Ingo Sika. Der Tausendsassa der Sindelfinger Kulturszene hat vor einigen Monaten gemeinsam mit Siegfried Barth, dem Chef der Kinderfilmakademie, die Jungen Bühne Sindelfingen gegründet. Und die ging gleich in die Vollen: Zum Auftakt inszenierte die Truppe ein Musical, das so gar nicht in gängige Vorstellungen des eigentlich so leichten Genres passt.

Thema des Stücks war eine Familie mit einer psychisch kranken Mutter, deren Leiden den Familienalltag dominiert. „Next to normal“ heißt das Musical der amerikanischen Autoren Brian Yorkey und Tom Kitt, das auch schon am Broadway Erfolge feierte. Auch im Sindelfinger Theaterkeller reagierte das Publikum begeistert. Ausschlaggebend war unter anderem die professionelle Inszenierung mit Multimediaeinspielungen und modernster Technik.

Mit 21 Jahren Chef

Dabei besteht das Team fast ausschließlich aus Ehrenamtlichen, die sich neben Studium oder Beruf kulturell engagieren. Die Summe von 25 000 Euro, mit der die Stadt das Anfangsprojekt sponserte, gehen laut Sika allein für Technik und Werbung drauf. Geld für Schauspieler, Musiker oder Techniker ist nicht drin im Budget.

Die überwiegend sehr jungen Akteure bringen allerdings viel Expertise mit. Sven Holder hat gerade seine Ausbildung zum Mediengestalter abgeschlossen. Er fungiert bei „Next to normal“ nicht nur als Regieassistent, sondern kümmert sich auch um die Videos für den Facebook-Auftritt. Jonas Stephan, 21 Jahre jung, trägt als musikalischer Leiter große Verantwortung. „80 Prozent des Stücks besteht aus Musik“, betont Sika. Stephan, der in einer Band Schlagzeug spielt und in Stuttgart Schulmusik studiert, hat mit den Musikern sämtliche Stücke und mit den Sängern die anspruchsvollen Gesangspartien eingeübt .

Fast alle Schauspieler sind alte Bekannte aus dem Biennale-Musical „Bühne der Träume“ im vergangenen Jahr. Dabei wurden neue Stars geboren: Vivienne Küting etwa oder Nils Weber, die beide sowohl bei der Biennale als auch im aktuellen Stück tragende Rollen innehatten. Kathrin von Hochmeister, seit vielen Jahren in der Sindelfinger Theaterszene unterwegs, ist auch wieder in einer Hauptrolle zu sehen: Sie spielt die Rolle der bipolaren Mutter. Hochmeister genießt die Arbeit mit den jungen Leuten. „Bisher war ich in den etablierten Theatergruppen immer die Junge, die Wilde. Jetzt kann ich ganz andere Rollen spielen.“ Die Gruppe ist in den vergangenen Monaten zusammengewachsen. „Wir sind hier eine große Familie“, schwärmt Sven Holder, der ausdrücklich lieber hinter der Bühne eine tragende Rolle einnimmt. Der Theaterkeller ist das Wohnzimmer der Großfamilie Junge Bühne. Getränke stehen bereit und stets eine große Kiste mit Süßigkeiten für Probenabende.

Demnächst gibt es ein Casting

Die letzte Vorstellung „Next to normal“ ging am Sonntag über die Bühne. Doch die Truppe arbeitet bereits am nächsten Projekt. „Ein Weihnachtsstück, das eigentlich keines ist“, sagt Sika. Dabei will er acht jungen Interessenten die Möglichkeit geben, sich als Regisseur zu versuchen.

Auch die Schauspieler werden neu ausgesucht. „ Es gibt demnächst ein Casting“, sagt Sika. Seinem Ziel, dauerhaft junge kulturell engagierte Leute an die Stadt zu binden, ist er mit der Gründung der Jungen Bühne ein großes Stück näher gekommen. Aus eigener Erfahrung weiß er, „dass Freundschaften im kulturellen Bereich dauerhaft“ sind. Das Schönste an dieser Arbeit aber sei: „Bei einem Projekt entstehen sofort fünf, sechs neue Ideen für Folgeprojekte“, so Sika

Die Planung der Jungen Bühne reicht bereits ins übernächste Jahr. Dann soll es wieder ein Musical geben. „Dieses Mal etwas Lustiges“, verrät Sika. Die Suche nach einem geeigneten Stoff hat begonnen.

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