Ob man Grünzeug als Batterien nutzen kann, probieren Anna Grosch und Frederieke Lohmann aus. Die Brüder Fleischer wollten eigentlich nur ihrer Oma helfen. Foto: Michael Steinert

eim ersten Regionalwettbewerb Jugend forscht der Region Staufen/Alb überzeugen die Schüler mit wissenschaftlicher Akribie, technischen Finessen und einer unbezähmbaren Neugier für ihre phänomenale Umwelt.

Donzdorf - Dem Erfindungsreichtum der Nachwuchsforscher an den Schulen in der Region scheint keine Grenzen gesetzt. Ob es nun darum geht, Bienenschädlinge mit Olivenöl so zu betören, dass ihre Vermehrung eingeschränkt wird, Schnittblumen mit Cola haltbarer zu machen oder die Möglichkeit, Geschirr mit dreckigem Spülwasser zu säubern – kein Thema war für den ersten Wettbewerb Jugend forscht in der neu gegründeten Region Staufen/Alb zu abwegig oder speziell, um von den Schüler nicht unter die Lupe genommen zu werden.

Hochbegabte und Wissenschafts-AG vertreten

Stark vertreten waren bei der Präsentation, die jetzt im Messelberg-Schulzentrum in Donzdorf stattfand, vor allem die Wissenschafts-AG des Göppinger Freihof-Gymnasiums und diverse Projekte des Landesgymnasiums für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd. Ganz privat dagegen, ohne schulische Unterstützung, ist der 14-jährige Paul Beeg aus Reichenbach an der Fils angetreten, der für einen Schwerlastroboter einen ersten Preis errang. Jahrelang hatte er an seinem Präzisionsgefährt getüftelt. Begonnen hatte alles mit einem Fahrzeug aus Lego-Bausteinen. Dieses sei dann immer größer geworden, denn sein Ehrgeiz, immer schwerere Lasten zu transportieren, sei gewachsen.

Schon als Sechsjähriger Stahl gebohrt

Mittlerweile feilt und bohrt Paul Beeg im Hundertstel-Millimeter-Bereich, hat für seine Erfindung zehn Motoren, diverse Getriebe und einige Steuerungseinheiten getestet und nun einen Antrieb entwickelt, der für eine Radumdrehung mehr als 51 000 Einzelschritte berechnet. Dafür ging sein Taschengeld drauf und der Großteil seiner Freizeit. Für andere Hobbies wie Sport habe er eigentlich gar keine Zeit, sagt der 14-Jährige. Brauche er aber auch nicht, weil er ja an seinem Roboter tüftle.

Oft kommen die Jugendlichen aus ganz naheliegenden Gründen auf ihre Ideen. Fabian und Jannik Kümmerle (zehn und zwölf Jahre alt) aus Ebersbach haben sich geärgert, dass ihre Papierbrücken, über die sie ihre Spielzeugautos rollen lassen, immer einkrachen. Also begannen sie, dutzende Faltkonstruktionen zu testen, von Wabentechnik bis zu Brücken mit Papierknäuel-Füllung. Am stabilsten erwiesen sich letztlich Papierröhren zwischen zwei Deckblättern. Dreifach geschichtet, trägt so eine Konstruktion aus herkömmlichem Druckerpapier sogar mehr als 130 Kilogramm.

Rollator erklimmt Stufen auf Knopfdruck

Aus dem Alltag stammt auch die Idee der Brüder Fleischer aus Wäschenbeuren. Deren Oma tat sich mit ihrem Gehwagen an Bordsteinkanten schwer. „Da fiel mir ein, dass Bagger ihren Greifarm als Stütze nutzen“, erläutert Tobias Fleischer. Das Prinzip haben er und sein 14-jähriger Bruder Max aus Holz nachempfunden, an der Vorderkante des Rollators mit einem Motor installiert und einem Startknopf am Griff versehen. Und wupps, hievt sich der Rollator auf Knopfdruck selbst eine Etage höher.

Zu denken geben dürfte übrigens den Lehrern am Freihof-Gymnasium eine Studie ihres Schülers Jan Hoyler. Er hat die Bakterienbelastung in der Schule untersucht und stellte fest, dass an der Kaffeemaschine im Lehrerzimmer weit mehr Mikroorganismen lebten als an den Türgriffen der Schülertoiletten. Seither werde im Lehrerzimmer wohl besser geputzt, sagt der 13-Jährige. Seine lebensnahe Untersuchung wurde mit einem zweiten Preis und einem Experimentierkasten belohnt.

Die Preisträger

Schüler

Drei erste Preise hat die Jury im Wettbewerb Schüler experimentieren in der Altersklasse bis 14 Jahre vergeben. Im Bereich Technik bekam Paul Beeg aus Reichenbach den ersten Preis für einen Transportroboter mit Präzisionsfahrwerk. Jannik und Fabian Kümmerle aus Ebersbach überzeugten mit ihrem Papierbrückentest, und Tim Palm aus Heidenheim hat am Computer Lösungsstrategien für das Spiel „Mastermind“ entwickelt.

Mathematik

Regionalsieger bei Jugend forscht im Bereich Mathematik/Informatik wurde Christian Wallisch aus Börtlingen. Der 18-Jährige hat eine Software zur Erkundung bestimmter Muster von Primzahlen geschaffen.

Chemie

Die Untersuchung von Anna Grosch und Frederieke Lohmann vom Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd über die Elektrizität von Pflanzen ist ausgezeichnet worden.

Biologie

Ebenfalls aus Schwäbisch Gmünd kommt eine Arbeit von Julia Piazolo und Margaretha Feulner über Antibiotikaresistenzen in Rohmilchbakterien.

Technik

Einfach und effektiv, so überzeugte das elektrische Bordstein-Überwindungssystem für Rollatoren von Tobias und Max Fleischer vom Göppinger Freihof-Gymnasium. Damit sind sie, wie alle Regionalsieger, für den Landeswettbewerb qualifiziert.

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