Jonas Hector verwandelt den entscheidenden Elfmeter und sein Jubel kennt keine Grenzen. In unserem Interview war er dann schon wieder sehr gefasst. Foto: AP

Nach dem Elfmeterkrimi gegen Italien erzählt Matchwinner Jonas Hector, wie er Gianluigi Buffon mit seinem entscheidenden Schuss überwinden konnte und warum er schon kurze Zeit später so gefasst ist.

Bordeaux - Mit seinem entscheidenden Elfmeter gegen die Squadra Azzura hat Jonas Hector dem Italien-Fluch der deutschen Nationalmannschaft endlich eine Ende bereitet. Wir haben mit dem Matchwinner gesprochen.

Herr Hector, wie fühlt es sich an, der Held dieses Elfmeterdramas zu sein?
Es fühlt sich sehr gut an, dass wir gewonnen haben und im Halbfinale stehen. Als Held sehe ich mich aber nicht. Man sollte die anderen Spieler auch nicht einfach so hinten runterfallen lassen. Es war vielleicht der entscheidende Elfmeter - aber ohne Manu wäre es dazu gar nicht erst gekommen. Und ohne die anderen, die verwandelt haben, auch nicht.
Es hat sehr lange gedauert, bis Sie drankamen.
Ja, es war ein verrücktes Elfmeterschießen, ein ständiges Auf und Ab. Die Nerven waren definitiv angespannt, mein Puls war konstant hoch. Es ging ja immer weiter. Wir haben uns auf dem Platz abgestimmt, wer als nächster dran ist. Und irgendwann war eben ich an der Reihe.
Wie haben Sie diesen Moment erlebt?
Der Weg zum Elfmeterpunkt war nicht gerade kurz. Da macht man sich so seine Gedanken und nimmt um einen herum nicht mehr viel wahr. Man versucht, alles auszublenden, die Kulisse, den Druck. Ich wollte mich einfach nur auf Schuss konzentrieren und war froh, dass der Italiener vor mir verschossen hatte.
Haben Sie überhaupt schon einmal einen Elfmeter geschossen?
In der Jugend öfter. Im Seniorenbereich ehrlich gesagt noch nie.
Wussten Sie vorher, in welche Ecke Sie schießen würden, oder haben Sie das spontan entschieden?
Ich hatte mir vorher etwas zurechtgelegt. Rechts unten, da sollte er hin. Hat ja dann auch irgendwie geklappt.
War aber ganz schön knapp.
Im ersten Moment dachte ich, der Torwart hat ihn. Dann war er doch drin. Vielleicht war es ja ganz gut, dass mein Schuss nicht ganz in die Ecke gegangen ist, wie es eigentlich geplant war. So konnte der Ball unter Buffon durchrutschen. Der Rest pure Erleichterung und Freude. Ich glaube, wir waren über 120 Minuten die bessere Mannschaft und haben mit ein bisschen Dusel verdient gewonnen.
Sie wirken aber gar nicht wie ein strahlender Sieger. Sie sind so gefasst.
Was soll ich denn jetzt machen? Ich muss ja vor den Mikrofonen stehen und Fragen beantworten. Da würde es Ihnen ja auch nichts bringen, wenn ich hier dauernd in die Luft springe.
Sie wissen aber schon, dass Sie mit dem ersten Sieg gegen Italien Geschichte geschrieben haben.
Mag sein, aber ich war noch nie in so einer Situation. Mal schauen, was die nächsten Tage bringen. Mein Handy ist jedenfalls an, es kommen dauernd neue Nachrichten hinzu. Ich merke also schon, dass etwas Besonderes passiert ist.

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