Welche Bedeutung hat Jom Kippur? Foto: New Africa/Shutterstock

Es ist der wichtigste Feiertag der Juden – doch was ist Jom Kippur eigentlich? Alles zur Bedeutung und den Bräuchen rund um den Versöhnungstag.

Wann ist Jom Kippur?

Jom Kippur findet nicht jedes Jahr zur gleichen Zeit statt – zumindest nicht, wenn man sich am gregorianischen Kalender orientiert, so wie es bei uns im Alltag üblich ist. Im jüdischen Kalender, einem Mondkalender, findet Jom Kippur immer am 10. Tag des Monats Tischri statt und damit 10 Tage nach dem jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana. Im gregorianischen Kalender liegt der Feiertag damit im September oder Oktober.

Die Daten für Jom Kippur 2021 und die folgenden Jahre sind folgende:

  • 2021: vom Abend des 15. September bis zum Abend des 16. September
  • 2022: vom Abend des 04. Oktober bis zum Abend des 05. Oktober
  • 2023: vom Abend des 24. September bis zum Abend des 25. September

Jüdische Feiertage beginnen stets am Abend und ziehen sich dann über den folgenden Tag.

Die Bedeutung von Jom Kippur

Im Hebräischen bedeutet Jom Kippur „Tag der Versöhnung“. Er geht zurück auf den Tag, an dem Gott dem jüdischen Volk die Sünde des Goldenen Kalbes vergeben hat. Denn nachdem die Juden die Tora am Berg Sinai erhalten hatten, beteten sie für 40 Tage ein Goldenes Kalb an – und verstießen damit gegen das Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“. Gott vergab dem Jüdischen Volk auf Moses Bitten hin am 10. Tischri – dem heutigen Datum von Jom Kippur.

Übrigens: An diesem Tag wurde laut Bibel ein Ziegenbock mit den Sünden des jüdischen Volkes beladen und in die Wüste geschickt – heute verwenden wir daher den Ausdruck „Sündenbock“ im Alltag.

Jom Kippur ist zwar ein ernster, aber kein trauriger Feiertag. Es geht um die Versöhnung – zwischen den Menschen, aber auch zwischen dem Menschen und Gott.

(Gläubige) Juden und Jüdinnen haben nach Rosch ha-Schana (Neujahr) zehn Tage Zeit, sich zu ihren Sünden zu bekennen, sich auf das Wesentliche zu besinnen und Gutes zu tun. An Jom Kippur fällt dann das Urteil, ob sie von Gott als fromme Juden in das sogenannte Buch des Lebens eingetragen werden und ihnen somit ein gutes Jahr bevorsteht.

Regeln und Bräuche zu Jom Kippur

Jom Kippur ist ein strenger Fastentag, der selbst von vielen Juden und Jüdinnen eingehalten wird, die eigentlich nicht sehr religiös leben. Jom Kippur ist der einzige Fastentag, der auch an einem Sabbat begangen wird, alle anderen Fastentage werden verschoben, wenn sie auf einen Sabbat fallen.

Das heißt: An Jom Kippur ist sowohl das Essen als auch das Trinken verboten. Ebenso untersagt sind Duschen, Make-Up, Geschlechtsverkehr und jede sonstige Form von Genuss. Viele Juden und Jüdinnen halten sich außerdem an die Regel, keine Lederschuhe zu tragen. Traditionell ziehen viele Juden und Jüdinnen an Jom Kippur weiße Kleidung als Zeichen der Reinheit an.

In vielen Synagogen dauert der Gottesdienst beinahe den ganzen Tag. In Israel ist es besonders ruhig an Jom Kippur: Restaurants und Läden sind geschlossen (außer arabische), sogar Grenzübergänge inklusive Flughäfen sind dicht. Die Straßen sind beinahe autofrei, Radio und Fernsehen strahlen kein Programm aus, Nachrichten und Verkehr gibt es nur in Ausnahme- und Notfällen. So kommt quasi das gesamte öffentliche Leben zum Erliegen, auch in vermeintlich säkularen Städten wie Tel Aviv und Haifa.

Denn an Jom Kippur soll jeder in sich gehen, reflektieren und sich selbst hinterfragen.

Zum Abschluss von Jom Kippur, wenn die Sonne untergeht, wird das Schofar, ein Instrument aus einem Widderhorn, geblasen. Viele Familien versammeln sich dann zuhause zum gemeinsamen Festmahl, manchmal wird aber auch bereits in der Synagoge das Fasten mit einem kleinen Imbiss gebrochen.

Essen zu Jom Kippur

Der höchste Feiertag im Judentum ist ein Fastentag – Essen und Trinken sind streng verboten.

Da der Feiertag am Abend beginnt, nutzen viele Juden und Jüdinnen den jeweiligen Tagesbeginn, um ausgiebig zu essen und vor allem Speisen zu sich zu nehmen, die gut sättigen. So wird der Hunger an Jom Kippur nicht zu groß und man kann sich am Feiertag selbst auf das Wesentliche besinnen.

Ebenfalls ist es wichtig, vor dem Beginn von Jom Kippur ausreichend zu trinken, denn auch Wasser ist am Fastentag nicht erlaubt. Alkohol, Kaffee und Tee sollten dabei vermieden werden, weil sie dem Körper langfristig eher Flüssigkeit entziehen.

Was wünscht man zu Jom Kippur?

In der Zeit zwischen dem 3. Tischri (nach Rosch ha-Schana) bis einschließlich Jom Kippur wünscht man sich „chatima towa“ (חתימה טובה), danach wünscht man bis zum letzten Tag von Sukkot „gmar chatima towa“ (גמר חתימה טובה). Zu Deutsch bedeutet dies: „Möge deine Einschreibung (in das Buch des Lebens) eingetragen und besiegelt werden.“ Der Zusatz „gmar“, den man ab Jom Kippur hinzufügt, bedeutet „endgültig“. Die Zeit zwischen Jom Kippur und Sukkot gibt den Menschen noch eine letzte Chance, die Fehler durch gute Taten aufzuwiegen.

>> Lesen Sie hier mehr über Sukkot, das Laubhüttenfest