Der Regisseur John G. Avildsen war weit weniger Leuten bekannt als seine Leinwandhelden aus „Rocky“ und „Karate Kid“. Foto: AFP

Er hat Hollywood ein paar Riesenhits geliefert, „Rocky“ und „Karate Kid“. Trotzdem kam der Regisseur John G. Avildsen mit der Traumfabrik nicht dauerhaft klar. Im Alter von 81 Jahren ist nun ein souveräner Erzähler gestorben, dessen Namen auch die Fans seiner Filme kaum kannten.

Stuttgart - Da war dieser schleppend sprechende italo-amerikanische Möchtegern-Schauspieler, der bisher bloß Softpornoauftritte und ein paar kleine Nebenrollen in Krimis hinter sich hatte und mit dem keiner etwas anzufangen wusste, weil er sein Gesicht nicht richtig bewegen konnte. Und da war ein viel zu kleines Budget. Aus beidem sollte Mitte der siebziger Jahre ein Boxerfilm werden. Wer als Regisseur etwas auf sich hielt, lehnte dieses miese Angebot natürlich ab. John G. Avildsen aber, der damals in Hollywood als interessanter Querkopf galt, der frisch und zupackend von Verlierern erzählen konnte, aber mit Produzenten nicht klar kam und früh im Verlauf neuer Projekte gefeuert wurde, griff zu. Auch wenn er später bekannte: „Ich hielt Boxen für Blödsinn“. Heraus kam die Kinosensation „Rocky“, die ihren Hauptdarsteller Sylvester Stallone 1976 zum Superstar machte.

Im Kern wird da ganz schlicht eine klassische Kinogeschichte vom großen Gewinner erzählt, der sich gegen alle Widerstände aus dem Elend herausboxt. Aber „Rocky“ bleibt eine faszinierende Besonderheit: durch die Treue zum Arbeitermilieu, die glaubhafte Atmosphäre, den Respekt vor den Figuren, vor allem aber durch den unglaublichen Instinkt Avildsens für das einprägsame Bild. Drei Oscars gab es dafür damals: bester Film, beste Regie, bester Schnitt.

„Die arbeitslose Sorte“

Später hat Avildsen noch den fünften Teil der „Rocky“-Reihe inszeniert und ein zweites Franchise zum Erfolg geführt, die drei „Karate Kid“-Filme von 1984, 1986 und 1989. Nach addierten Zuschauerzahlen und nach Langzeitwirkung hat er also eine Spitzenkarriere hinter sich. Tatsächlich aber war es lange still um ihn. Was für eine Art Regisseur sind Sie, fragten ihn Akademiker, Journalisten und Filmstudenten gelegentlich, und er antwortete dann gerne: „Die arbeitslose Sorte“.

Bevor er am 16. Juli 81-jährig in Los Angeles an Krebs gestorben ist, hat er noch erleben dürfen, dass ein enthusiastischer Dokumentarfilm sein Leben und seine Kunst würdigt: „John G. Avildsen: King of the Underdogs“. Darin werden zu Beginn Passanten auf der durch Avildsens Boxer-Epos weltberühmt gewordenen Treppe vorm Philadelphia Art Museum gefragt, wer denn „Rocky“ gedreht habe. Da gibt es viele ratlose Gesichter, aber einer weiß dann, wer als einziger so ein populäres Meisterstück liefern konnte: „Spielberg!“

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