Die Rohbauarbeiten am Urbansplatz sind in vollem Gang. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Im Juli 2015 war der Spatenstich für die Talentschmiede des Stuttgarter Balletts. Trotz Mehrkosten von 437 000 Euro sowie Verzögerungen beim Aushub der Baugrube zweifelt die federführende Landebehörde Vermögen und Bau nicht am geplanten Eröffnungstermin zur Spielzeit 2018/2019.

Stuttgart - Ein knappes Jahr liegt der Spatenstich für den Neubau der John-Cranko-Ballettschule am Urbans­platz zurück. In der Zwischenzeit haben sich die Bagger ins abschüssige Erdreich gefressen und der Bau des Rohbaus hat begonnen. Beim Aushub war zunächst nicht alles wie geplant verlaufen. Nach Angaben der federführenden und dem Finanzministerium unterstellten Landesbehörde Vermögen und Bau war die Absicherung der Baustelle aufgrund des abschüssigen Geländes zeitaufwendiger als gedacht.

Zudem mussten im oberen Bereich des Geländes Schadstoffe im Erdreich entsorgt werden. „Nach derzeitigem Stand“, so Behördenchef Roland Wenk, werde der Eröffnungstermin zur Spielzeit 2018/2019 eingehalten. Die Verzögerung werde durch Umstellungen im Bauablaufplan ausgeglichen, versichert er.

Wie bei Großbaustellen üblich beinhaltet das Baubudget einen Risikofonds in Höhe von 3,5 Millionen Euro, mit dem kostenträchtige Verzögerungen oder unvorhergesehene Schwierigkeiten aufgefangen und ausgeglichen werden sollen. Nach Informationen unserer Zeitung sind Stand Jahresbeginn 2016 Kostensteigerungen von 437 000 Euro aufgelaufen. „Die Mehrkosten können im Rahmen der Risikovorsorge innerhalb des Gesamtbudgets gedeckt werden“, beruhigt Roland Wenk. Rund 70 Prozent der Bauaufträge seien mittlerweile vergeben, ergänzt der Behördenchef.

Porsche als Retter in der Not hilft bei der Finanzierung

Das 46-Millionen-Euro-Projekt war lange Zeit zwischen Stadt und Land, aber auch im Stuttgarter Gemeinderat politisch umstritten– insbesondere, weil die Kosten für den je zur Hälfte von Stadt und Land zu finanzierenden Neubau zunächst aus dem Ruder zu laufen drohten. War man zunächst von Kosten in Höhe von 32 Millionen Euro ausgegangen, summierten sich die Erfordernisse und Wünsche der Staatstheater schließlich auf mehr als 50 Millionen Euro. Die Finanzierungspartner erzielten nach langen Verhandlungen Einvernehmen über Einsparungen von fünf Millionen Euro.

Im Dezember 2013 stieg dann die Sportwagenschmiede Porsche als Sponsor mit ein: In eine gemeinsame Stiftung zur Förderung der Ballettschule brachten die Zuffenhausener zehn Millionen Euro ein, die Stadt 16 Millionen, sodass sich der städtische Anteil an den Baukosten deutlich reduzierte und nun sogar noch ein Überschuss etwa für die Innenausstattung vorhanden wäre. Die andere Hälfte der Baukosten schultert gemäß Staatsvertrag das Land. Hinzu kommen Spenden des Fördervereins der Staatstheater.

Die Notwendigkeit, die in die Jahre gekommene Ballettschule an der Urbanstraße zu ersetzen, war trotz des Streits um die Kosten stets unstrittig. Auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), ohnehin ein Freund der schönen Künste, hatte sich für das Projekt stark gemacht. Das nach dem Entwurf der Münchener Architektengemeinschaft Burger Rudacs geplante stufenförmig angeordnete Gebäudeensemble unterhalb der Werastraße bietet Platz und Übungsmöglichkeiten für 150 Balletteleven. Es beherbergt acht Ballettsäle, ein Gesundheitszentrum, eine Probebühne und 70 Internatsplätze für den Nachwuchs der Stuttgarter Compagnie, die weltweit einen Spitzenruf genießt. Ob das Baubudget ausreicht, wird man spätestens bei der geplanten Eröffnung in zwei Jahren wissen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: