Gleichermaßen populär wie erfolgreich: Sternekoch Johann Lafer. Foto: dpa

Wulff, Hoeneß, Schwarzer: Immer wieder geraten Prominente wegen des Verdachts des Steuerbetrugs ins Visier der Justiz. Nun trifft es TV-Koch Johann Lafer. Er beklagt eine Vorverurteilung.

Stromberg - Ein grauer Tag Anfang Februar. Die Wolken hängen tief über dem Rheintal. Es nieselt. Dazu bläst ein kühler Wind. Das Wetter passt zur Stimmungslage von Johann Lafer. Seit Jahren ist der gebürtige Steiermärker mit dem schwarzen Schnauzbart einer der bekanntesten und beliebtesten TV-Köche Deutschlands. Wo der Sternekoch mit Showtalent auftaucht, ist gute Laune programmiert.

Und was er anpackt, war bisher von Erfolg gekrönt. Ob Fernsehsendungen wie „Lafer.Lichter.Lecker“. Ob seine Kochschule „Table d’Or“. Ob sein Mensa-Projekt in Bad Kreuznach, wo er täglich 700 Schülern statt Burger und Pommes ein gesundes Mittagessen auftischt. Ob seine Fülle an Kochbüchern. Ob seine Produkte vom Lafer-Pizzaschneider über Lafer-Gläser bis zum Lafer-Backpinsel. Alles stets mit demselben Leitmotiv: „Ein Leben für den guten Geschmack“. Aber in diesen Tagen ist dem 57-Jährigen nicht nur der Appetit vergangen. Irgendwo zwischen Mehlschwitze, Krustenbraten und Zabaione droht bei ihm auch der Spaß am Kochen auf der Strecke zu bleiben.

Seit die Staatsanwaltschaft Koblenz gegen ihn wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Falschabrechnung von Sozialabgaben ermittelt, ist Johann Lafer nicht mehr Johann Lafer. „Sollte ich einen Fehler begangen haben, wird das selbstverständlich bereinigt. Aber man wird hier teilweise wie ein Schwerverbrecher behandelt. Und das tut weh.“ Kein Zweifel: Dem Sonnyboy von der medialen Herdszene ist das Lachen abhandengekommen.

Und damit auch jeder versteht, wie seine aktuelle Gemütsverfassung ist, erzählt er die Geschichte, wie er vor wenigen Tagen in Berlin ins Taxi stieg, um sich nach einem Drehtermin zum Flughafen bringen zu lassen. Der Chauffeur erkannte den prominenten Fahrgast sofort und fackelte nicht lange mit einem verbalen Frontalangriff: „Ja wie, ich dachte, Sie sitzen schon im Knast.“

Lafer schluckte kurz, zahlte die Rechnung und verließ wortlos das Fahrzeug. Auf dem Weg zum Flugsteig stellte er sich still zwei Fragen: Wo leben wir eigentlich? Und: Womit habe ich eine solche Vorverurteilung verdient? Die Antworten hat er bis heute nicht gefunden. Aber seit die Beamten der Staatsanwaltschaft und Bundesfinanzverwaltung seine Firmen und Privaträume durchkämmt haben, kistenweise Akten beschlagnahmt wurden, dazu Computer samt Daten, weiß er zumindest so viel: „Es ist mein Pech, öffentlich so bekannt zu sein.“ Anders kann er sich Schlagzeilen des Boulevards wie „Millionär betrügt Putzfrau“ oder „Lafer arbeitet mit schwarzen Kassen“ nicht erklären. Es sind Tiefschläge wie ein angebrannter Kaiserschmarrn. Dagegen sich zu wehren, gar öffentlich, gilt in Promi-Kreisen als besonders brisant, weil es leicht als Ablenkungsmanöver und Vorwärtsverteidigung missverstanden werden könnte.

Also hat Lafer lange geschwiegen. So wie es Ex-Bundespräsident Christian Wulff in seiner Affäre getan hat. Und es auch Frauenrechtlerin Alice Schwarzer seit Monaten tut. Aber Gute-Laune-Bär Lafer ist niemand, der das einfach wegsteckt. „Mich macht das fertig“, sagt er über das öffentliche Spießrutenlaufen. Menschen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, die sich über all die Jahre in seinem Licht sonnten und sein Sternelokal Le Val d’Or auf der „Stromburg“ beehrten, mancher Sender aus der Rubrik Exklusiv, Explosiv und anderen Yellow-Ecken, die alle nicht genug bekommen konnten von Bildern und einer Zusammenarbeit mit dem populären TV-Koch: Viele von denen sind nun auf Distanz zu ihm gegangen – wiewohl die Ermittler noch mitten bei der Arbeit sind und es völlig offen ist, ob die Verfahren am Ende eingestellt werden oder es zu einer Anklage oder Geldbuße kommt. „Wir machen zum aktuellen Stand der Ermittlungen keine Angaben, denn ich bin an das Steuergeheimnis gebunden“, sagt der Koblenzer Oberstaatsanwalt Hans Peter Gandner. Wie lange der Vorgang noch bearbeitet wird? „Ich bin kein Hellseher“, meint Gandner gleichermaßen einsilbig wie leicht genervt, wohl wissend, dass ein Fall wie jener von Lafer die Öffentlichkeit besonders interessiert.

Der Betroffene selbst muss alledem tatenlos zusehen. Und abwarten. „Wissen Sie“, sagt Lafer und bemüht eine alte Lebensweisheit, „ich merke derzeit, wo die wirklichen Freunde sind“. Gestern noch als ungekrönter König gefeiert, heute fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. „Wie kann es sein, dass einen die Öffentlichkeit so fertig machen darf und man sich so denunzieren lassen muss?“ Eine Erfahrung, die Prominente immer wieder machen.

Aber worum geht es bei den Ermittlungen gegen Lafer eigentlich? Es sind vor allem zwei Fälle, die von der Staatsanwaltschaft durchleuchtet werden. Die erste Akte handelt von einer ehemaligen Hausangestellten der Familie, die offiziell in zwei Lafer-Firmen angestellt war und für die zu geringe Sozialabgaben gezahlt worden sein sollen. Die Frau hatte nach der von ihr ausgehenden Kündigung im Mai 2014 ihren ehemaligen Chef Lafer angezeigt, das Motiv dafür ist bis heute nicht endgültig geklärt. War es Neid? Wollte sie, wiewohl offenbar gut bezahlt, mehr Geld? In zwei Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht Bad Kreuznach sahen sich beide Seiten inzwischen wieder, die Klägerin unterlag jeweils.

In der zweiten Akte geht es um einen vietnamesischen Mitarbeiter, der jahrelang in der Spülküche des Sternerestaurants tätig war. Auch hier geht es um die Frage, ob zu geringe Sozialabgaben, unter anderem im Bereich der Renten- und Arbeitslosenversicherung, bezahlt wurden. Lafer mag das alles nicht kommentieren. Wenn etwas innerhalb des Imperiums falsch verrechnet wurde, müsse das natürlich korrigiert werden, sagt er ohne Zögern. Aber ein Steuerhinterzieher, nein, das sei er nun wahrlich nicht. „Unsere Anwälte stehen in engem Kontakt mit der Staatsanwaltschaft. Wir werden alles dafür tun, die Sache schnellstmöglich zu klären. “

Kein Zweifel: Lafer kämpft um seinen guten Ruf – zumal Staatsanwalt Gandner inzwischen gegen neun weitere Personen aus dem Umfeld des Promi-Kochs ermittelt. „Die Verunsicherung bei manchen unserer Kunden, aber auch bei meinen Mitarbeitern ist groß“, sagt Lafer ohne Umschweife, um dann fast ein wenig trotzig hinzuzufügen: „Was wir bis heute in der Unternehmensgruppe Lafer erreicht haben, ist das Ergebnis jahrelanger mühevoller Arbeit. Wir sind doch keine kriminelle Vereinigung.“

Und dann erzählt Lafer das, was viele seiner Kollegen aus der Spitzengastronomie immer öfter berichten: dass nämlich mit der Haute Cuisine, wie er sie auf der „Stromburg“ im Hunsrück anbietet, kein Reichtum anzuhäufen ist – Sterne und andere Auszeichnungen hin oder her. Ein solches Lokal und das angeschlossene Luxushotel mit gerade mal 14 Zimmern am Leben zu erhalten sei vielmehr ein Zuschussgeschäft. „So etwas kann man nicht wirtschaftlich betreiben.“ Denn in die Töpfe und auf die Tische kommt nur das Beste vom Besten. Die Konsequenz: hoher Wareneinsatz, viel Personalvorhaltung, wenig Ertrag. Aber eine hohe Erwartungshaltung an den Chef: „Die Gäste wollen den Lafer am liebsten den ganzen Tag erleben, und das sieben Tage die Woche.“ Aber das sei unmöglich. Nur die Tatsache, dass er nebenbei Kochbücher schreibe, in TV-Shows auftrete und die Kochschule betreibe, ermögliche überhaupt erst die Existenz der gesamten Unternehmensgruppe mit derzeit rund 100 Mitarbeitern. „Ich habe in all den Jahren einen hohen Millionenbetrag verloren und konnte unsere Firmengruppe nur halten, weil sie auf mehreren Beinen steht.“

Lafer erinnert sich in diesem Zusammenhang an die Anfänge seines Unternehmens – damals 1982, als er im benachbarten Guldental startete und das Kochen endgültig zu seiner Leidenschaft wurde. Die vielen Erinnerungsfotos im ganzen Hotel mit Prominenten sind der beste Beweis, wie sehr die Gäste die Leistung Lafers über all die Jahre schätzen gelernt haben. „Ich bin Perfektionist und habe alles immer aus tiefster Überzeugung getan.“ Sein Ziel sei es stets gewesen, „nicht Effekthascherei zu betreiben, sondern für gutes Essen“ zu sorgen und dabei „wahrhaftig, bodenständig zu bleiben“. Was wie eine Rechtfertigung klingt, ist für Lafer pure Selbstverständlichkeit. „Mir und meiner Familie geht es gut, aber wir sind nicht reich“, widerspricht er Gerüchten, da nutze ein Koch seine Popularität schamlos auf Kosten des deutschen Staates aus.

Da mag es ein Zufall des Schicksals sein, dass Lafer jüngst das 20-Jahr-Jubiläum seiner „Stromburg“ feierte. Keine Sause, nur ein bescheidenes Fest. „Da hat niemand auf den Tischen getanzt“, meint er mit bitterbösem Unterton. Aber er mag sich nicht entmutigen lassen. „Ich bin ein ehrlicher Mensch und werde weiter arbeiten wie bisher. Ich will mir mein Lebenswerk nicht zerstören lassen.“ Sagt’s und geht in die Küche. Ein wenig Ablenkung am Herd ist für einen wie Lafer das beste Rezept gegen den Frust an diesem grauen Februar-Tag.

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