Jamie Oliver möchte mit seiner Restaurant-Kette auch nach Deutschland kommen. Foto:  

Jamie Oliver möchte in München sein erstes Restaurant in Deutschland eröffnen. Wird aber auch Zeit, denken sich die einen. Der jetzt auch noch, stöhnen die anderen. Wie schmeckt es eigentlich in einer Filiale von „Jamie’s Italian“? Wir haben im Flughafen Gatwick probiert.

London - Jamie’s Italian ist eine Kette. Deshalb sieht es auch überall in den rund 60 Restaurants gleich aus. Es gibt sie vor allem in Großbritannien, aber auch in Schweden, Südafrika und sogar in Indien. Und natürlich auch im Londoner Flughafen Gatwick. Bald will Jamie Oliver das erste Restaurant in Deutschland eröffnen, nämlich in München, was nicht nur für Begeisterung sorgt. Schließlich gibt es in der Stadt schon genügend italienische Restaurants, genügend Ketten ebenso.

Jamie Oliver ist kein Sternekoch. Er ist ein Popstar der britischen Küche, einer, der sich super präsentiert und seinen Landsleuten beigebracht hat, dass es mehr als Fish & Chips und Eier-Kresse-Sandwiches gibt.

Der 41-Jährige macht Kochsendungen, schreibt Kochbücher, und er besitzt viele Restaurants. Er ist ein guter Selbstvermarkter, zeigt auf Instagram seine Essenskreationen und seine fünf Kinder, die übrigens Poppy Honey Rosie, Daisy Boo Pamela, Petal Blossom Rainbow, Buddy Bear Maurice und River Rocket heißen.

Auf der Karte stehen Ochsenschwanz-Lasagne und Pilzravioli

Aber zurück zum eigentlichen. Zum Essen in „Jamie’s Italian“ in London am Flughafen Gatwick. Eine nette Dame führt einen an den Tisch, fragt, wann der Flieger geht und sagt, dass man damit rechnen muss, dass es vierzig Minuten dauert, bis man wieder draußen ist. Passt! Thanks. Man sitzt und wartet. Einer bringt die Karte, ein anderer nimmt die Bestellung auf. Bei reisenden Gästen muss es schnell gehen. Die Karte ist nicht ganz so „italian“, wie es der Name vermuten lässt. Es gibt Burger, „funky“ Pommes als Beilage und „Italian Nachos“. Sonst aber doch viel Italienisches wie Ochsenschwanz-Lasagne, Pilzravioli, Carbonara oder Penne Arrabbiata.

Man möchte hier natürlich ohne Vorspeise und Dessert essen, weil es zu lange dauern würde. Was also wählen? „Gennaro’s Tagliatelle Bolognese“ um 11,25 Pfund (etwa 13,30 Euro) oder „Slow-roasted Porchetta“, Schweinebauch mit Knoblauch, Chilli, Kräutern, dazu Pilze für 13,95 Pfund (16,50 Euro)? Einer der Kellner empfiehlt ganz klar: „Bolognese“. Der Klassiker also. Hier wird das Ragu mit der Nudelsorte Tagliatelle kombiniert, wie man es in Italien ja gerne serviert.

Nach 39 Minuten ist man wieder draußen

Der Tischnachbar, der mit einem Freund via Facetime telefoniert, ordert die schwarzen Spaghetti mit Tintenfisch und Muscheln, dazu Pommes und Leitungswasser, das es übrigens in England auch in gehobenen Restaurants ohne Murren stets kostenlos dazu gibt. Am Tisch gegenüber werden Burger mit Pommes auf einem Holzbrett serviert. Das sieht sehr gut aus – wie übrigens alles hier. Die Fritten kuscheln im Kupferbecher mit brauner Backpapierfolie drum herum, ein roter Ketchupklecks und grüne Kräutersprengsel – perfekt für das Foto für Instagram.

Keine zehn Minuten später, kaum hat man sich an den Stilmix von Holztischen, Lederbänken und Stahlstühlen und die sehr laute 80er-Jahre-Musik plus Menschengebrabbel gewöhnt, steht eine appetitlich duftende Portion Tagliatelle Bolognese auf dem Tisch. Eine Servicekraft fragt, ob es denn Parmesan sein dürfe, streut etwas darüber und entschwindet sogleich wieder.

Die Bolognese selbst ist wirklich gut, rezent im Geschmack, mit dickflüssiger Sauce, die die auf die Punkt gekochten Nudeln umschließt. Bei aller Abneigung gegen die Filialisierung aller Orten muss man zugeben: Man hat beim kleinen Italiener schon schlechter gegessen. Natürlich will man eigentlich lieber bei seinem inhabergeführten Lokal ums Eck, in dem man mit Handschlag begrüßt wird, essen. Das gibt es aber nicht an jeder Ecke. Für Reisende ist eine Kette eine gute Option. See you soon! Bye. Nach 39 Minuten ist man wieder draußen.

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