Einige der Comic-Helden der Jahn-Realschule mit ihrem Mentor, dem Stuttgarter Zeichner und Gestalter Stefan Dinter. Foto: Linsenmann

Talentierte Schüler der Jahn-Realschule durften nach Schulschluss mit dem Stuttgarter Zeichner und Illustrator Stefan Dinter das Comic-Zeichnen üben. Herausgekommen ist dabei ein ganzes Buch.

Bad Cannstatt - Sie müssen einfach! Selbst dann, wenn sie jetzt mal ein bisschen erzählen sollen. Skizzenbücher, Blätter, Blöcke. Der ganze Tisch ist voll damit. Und die ganze Zeit wird gestrichelt, gerundet, schraffiert. So wird in der Runde sofort anschaulich, was der Deutschlehrer Rüdiger Schillinger zuvor erläutert hatte: „Ich habe das zeichnerische Talent der Schüler gesehen. Auch den Witz. So kam die Idee, mit einer Gruppe ein Comic-Projekt zu machen.“ Und zwar in der Freizeit der Jahn-Realschüler, im Rahmen des vom Friedrich-Bödecker-Kreis getragenen Bündnisses für Bildung.

Zwölf Comics sind im Laufe eines Jahres entstanden, darunter elf Einzelarbeiten und eine im Trio. Mayan hat die „Flunky“-Geschichte geschrieben, Marc und Gonzalo haben die Bilder dazu gemacht. „Eine eckige und eine runde Welt, die gehen aufeinander los“, erzählt Mayan. Stefan hat ein Biologie-Thema, eine Virusinfektion, zum Ausgangspunkt gemacht. Tobias hat den „Traum der Spinnen“ ausgesponnen, Anja ein „Riesen-Skript“ über ein Mädchen verfasst, das nicht mehr an Gott glaubt. 150 Bilder hat Roman gezeichnet: „Eine Urform der Geschichte, dann eine erweiterte Version, und die habe ich nochmals überarbeitet.“ Katrin hat einen „Comic-Comic“ gestaltet, in dem eine Figur in eine Comic-Welt fällt und neue Regeln lernen muss, Marlen „eine Geschichte über Freundschaft und soziale Probleme, aber mit Happy End“. Wie Marlen ist es allen gegangen: Am Anfang der volle Elan, dann die ersten Schwierigkeiten – „und fast keine Lust mehr, weiterzumachen. Dann aber habe ich das durchgezogen. Ich wollte ein gutes Ergebnis“. Was das Schwierigste war? „Hände! Hände kann ich noch immer nicht. Aber ich versuche es weiter“, sagt Mayan – und querdurch wird „dieses Problem“ bestätigt. Entscheidend fürs Durchhalten war Stefan Dinter.

Prallvolle Skizzenbücher: Köpfe, Haare, Fluchtpunkte

Der Stuttgarter Illustrator, Comic-Zeichner, Künstler, Dozent hatte die Rolle der „Autorenpartnerschaft“. Er hat mit der Gruppe der Jahn-Realschule Workshops gemacht. Zeichenübungen, bei denen prallvolle Skizzenbücher entstanden sind: Köpfe, Haare, Fluchtpunkte, Perspektive, Dreiviertel-Ansichten etwa. Und natürlich Hände! Dinter ist voll des Lobes für die Gruppe: „Am Anfang hatte ich Zweifel, ob alle durchhalten. Aber sie haben sich richtig reingebissen und auch selbstständig immer weitergemacht.“ Jeder sei dabei über sich hinausgewachsen. „Und sie haben gelernt, angemessen zu debattieren und Kompromisse zu finden. Wir hatten auch als Gruppe eine richtig gut Zeit miteinander.“ Das Gefühl, jetzt, kurz vor der Veröffentlichung? „Das ist eine runde Sache geworden, ein richtig gelungenes Ding!“

Ähnlich resümiert Rüdiger Schillinger: Solche Projekte seien nicht nur eine Lern-, sondern auch eine Lebenserfahrung. So ein Erfolgserlebnis könne auch zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen, sagt er: „Dass man sich blind aufeinander verlassen kann, das haben wir bei diesem Projekt gelernt. Es stimmt einfach: Kultur macht stark.“

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