Der Flüchtling Abdollah Zolfaghari trainiert so oft wie möglich für seinen Sport. Foto: Horst Rudel

Warum es vor dem Anpfiff eine Einreibung mit Olivenöl gibt und welche Umstände einen iranischen Meister-Tischkicker ins schwäbische Ebersbach gebracht haben, ist hier zu lesen.

Ebersbach - Acht Jahre lang war ich Kapitän der iranischen Tischkicker-Nationalmannschaft“ berichtet Abdollah Zolfaghari. Jetzt möchte der Sportler sein Glück in Deutschland versuchen. Der 50-Jährige aus Teheran hat vor zehn Monaten mit seinem 24-jährigen Sohn Farshid die Heimat verlassen und lebt jetzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Ebersbach.

Vor dem Anpfiff gibt es eine Einreibung

„Das ist so ähnlich, wie wenn ein Fußballweltmeister auf Schotter spielt“, erklärt Zolfaghari, während er die Spielstangen des Tisches vor den Leichtbauhallen des Flüchtlingscamps vor dem Anpfiff mit Olivenöl zum Gleiten bringt. Tatsächlich sieht das Spielgerät ziemlich ramponiert aus, das unter der Strutbrücke im Camp steht und den rund 50 jungen Männern aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Iran, Russland und der Türkei eine Beschäftigung bieten soll, die hier auf ihre Anerkennung als Flüchtlinge warten.

Am Wochenende hatte Abdollah Zolfa­ghari endlich wieder professionelles Material in den Händen, als er, unterstützt von der Diakonie Göppingen, im saarländischen St. Wendel an den World Series by Leonhart teilnahm, das vom Deutschen Tischfußballbund als international bedeutendstes Turnier im Tischfußballsport bezeichnet wird. Von seinem 17. Platz im Einzel – bei 220 Spielern – zeigte sich der Flüchtling recht enttäuscht. Für sein nächstes großes Turnier in Köln strebe er jedenfalls eine Medaille an, lässt er seinen Übersetzer ausrichten.

Training im Casino und im Liga-Verein

Neben Konzentration seien Kraft- und Konditionstraining besonders wichtig für seinen Sport, erklärt der durchtrainierte Mann mit dem akkuraten Kurzhaarschnitt. Weil Tischfußball auch in Deutschland eher als Nischen- und Randgruppensportart gilt, muss der Iraner für sein Training ungewöhnliche Wege gehen. Er trainiert abwechselnd in einem Casino am Göppinger Hauptbahnhof und im 1. Kickerclub Schorndorf (Rems-Murr-Kreis), der mit aktiven Spielern in der Bundesliga und in der Tischfußball-Liga Württemberg aufwarten kann.

Zu Hause in Teheran besaß er einen eigenen Profitisch und schlug sich als Taxifahrer und Trainer durch. Doch seit er zum Christentum konvertiert sei, habe er sich in der Heimat diskriminiert gefühlt. Deshalb habe er sich ins Flugzeug nach Istanbul gesetzt und mithilfe eines Schleppers für sich und seinen Sohn die Reise über Griechenland nach Deutschland organisiert. Gut möglich, dass ihn auch die Merkel’sche Flüchtlingspolitik zur Ausreise bewogen hat, wiederholt doch der Mann, der ansonsten kein Wort Deutsch spricht, mehrfach den Satz „Ich liebe die Deutschen“.

Seine Taufe hat er in Deutschland wiederholt

Weil er keinen Taufschein besaß, habe er erst vor wenigen Wochen seine Taufe in einer evangelischen Gemeinde in Bietigheim (Kreis Ludwigsburg) wiederholt, berichtet der Sportler. Nun wünscht er sich vor allem eine eigene Wohnung für sich und seinen Sohn, denn eine Wohnerlaubnis habe er von den Behörden bereits erhalten. Es sei außerdem sein Ziel, hier eine Tischfußballmanschaft aufzubauen und zu trainieren, bekennt der 50-Jährige gestenreich. Derweil möchte sein Sohn gerne als Bäcker arbeiten und vor allem die Mutter herholen, die der Sohn sehr vermisse.

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