Dirk Bongardt (links) und Dominic Ruopp zeigen, dass sich die Leistungsstufe des Racechip mit dem Smartphone Foto: Ines Rudel

Die Firma RaceChip in Göppingen ist der neue Stern am Auto-Tuning-Himmel. Die Elektronik-Fachleute setzen nicht auf breitere Kotflügel, sondern optimieren die Motorsteuerung. Das bringe bis zu 30 Prozent mehr Leistung, sagen sie.

Göppingen - Vom Startup-Unternehmen zum globalen Marktführer, davon träumen viele. RaceChip hat genau das innerhalb weniger Jahre geschafft. Das Göppinger Unternehmen macht mit seinen Produkten Millionenumsätze, hat Büros in München und Shanghai, sowie ein Netzwerk mit mehr als 2000 Händlern in 135 Ländern. Die Geschäftsführer Dominic Ruopp und Dirk Bongardt erklären, worum es geht und wie es gemacht wird.

Herr Ruopp, Herr Bongardt, zuletzt wurde in Göppingen ein seltener McLaren gesichtet. Haben sie vielleicht damit was zu tun?
Bongardt: In der Tat, der McLaren ist eines unserer Showcars. Wir haben aber auch einen Mercedes, einen Porsche oder einen Audi. Auch einen Golf hatten wir schon. Es müssen nicht immer teure Autos sein.
RaceChip ist eine Tuningfirma, beschäftigt allerdings keine klassischen Autoschrauber, die Auspuffanlagen umbauen oder Zylinder aufbohren.
Bongardt: Das ist richtig. Heutzutage funktioniert das anders, über die Elektronik. Die Hersteller selbst versuchen die Gleichteile zwischen Motoren mit unterschiedlichen Leistungsstufen hoch zu halten und erzeugen die einzelnen Leistungsstufen dann über die Motorsteuerung. Genau an diesem Punkt setzen wir mit unserer elektronischen Leistungssteigerung an.
Ruopp: Ein Beispiel sind etwa die 2.0l Diesel der meisten deutschen Hersteller. Sie haben oft die gleiche Basis und die Leistungsdifferenzierung erfolgt vor allem über die Elektronik.
Das ist aber auch nicht komplett neu?
Ruopp: Stimmt. Elektronische Leistungssteigerungen gibt es schon länger. Die Innovation findet bei uns im Inneren unserer Produkte statt, die immer mehr und komplexere Sensordaten verarbeiten können. Daneben ergänzen wir unsere Produkte durch spannende Funktionen, wie beispielsweise bei unserem Premium-Chiptuning, dem RaceChip Ultimate. Damit kann man über unsere App mit dem Smartphone drei verschiedene Leistungsstufen wählen, Efficiency, Sport und Race. Und trotz der technischen Komplexität ist der Einbau meist problemlos von unseren Kunden selbst ausführbar.
Ihr Motto lautet: Ihr Auto kann viel mehr, als sie denken. Ist das nicht gefährlich für die Original-Technik?
Bongardt: Nein. Wir umgehen ja nicht die Vorgaben des Herstellers, wir belassen alle serienmäßigen Schutzsysteme. Wir setzen mit unserem System auf dem vorhandenen auf. Stark vereinfacht gesagt machen wir nichts anderes, als der Motorsteuerung in der jeweiligen Fahrsituation das Luft-Gas-Gemisch optimal vorzugeben und so die Leistungsreserven des Motors zu nutzen. Damit kann sogar der Verbrauch gesenkt werden.
Und wie viele Kunden nutzen den Spritsparmodus?
Ruopp: Es gibt durchaus Kunden, denen das wichtig ist. Sie rechnen uns vor, dass sie bis zu einem Liter auf hundert Kilometer einsparen können, wenn sie möchten. Aber der Fahrspaß steht im Vordergrund. Unseren Kunden ist es beispielsweise wichtig, wie ihr Auto aus Kurven heraus beschleunigt. Das kostet beim Hersteller einige Tausend Euro. Bei uns bekommt man das in der gleichen Qualität für wenige hundert Euro.
Aber sie müssen für jedes Automodell auch neue Chips programmieren?
Bongardt: Ja, für jeden Motor in den angebotenen Leistungsklassen, um genau zu sein.
b>Rasantes Wachstum mit Hilfe des Internets
Das ist aber nicht ihr einziger Wettbewerbsvorteil?
Ruopp: Primär basiert unser Erfolg auf der Qualität unserer Produkte. Daneben ist aber natürlich auch der Vertrieb enorm wichtig. Wir bei RaceChip haben schon 2008 erkannt, welchen Nutzen das Internet und soziale Netzwerke bringen. Wir sind in vielen Ländern auf den unterschiedlichsten Online-Plattformen vertreten und konnten so rasch wachsen.
Ihr Wachstum ist rasant. 2008 war die Firmengründung, heute beschäftigen sie weit mehr als 100 Mitarbeiter. Gehen ihnen da nicht auch die Fachleute aus?
Ruopp: Das stimmt zum Teil. Es ist schwer, gute Mitarbeiter zu bekommen. Wir suchen weltweit. So haben wir mittlerweile auch IT-Spezialisten aus Russland. Um auto-affine Elektrotechniker zu finden ist die Region Stuttgart wiederum ideal. Unser hervorragendes Team ist die Basis unseres Erfolgs.
Und der Standort Göppingen?
Bongardt: Der hilft uns. Wir haben hier eine gute Infrastruktur, das hilft uns Personal anzuziehen, vor allem in der Entwicklungsabteilung. Außerdem haben wir hier ein Netzwerk an wichtigen Zulieferern.
Was ist die Hauptaufgabe der Entwicklung?
Bongardt: Wir entwickeln unsere Optimierungssoftware für neue Motoren stetig weiter und daneben arbeiten wir an komplett neuen Produkten. Die Smartphone-Steuerung war eine solche Idee. Aber wir sind noch lange nicht am Innovationsende angekommen und werden auch dieses Jahr wieder mit Neuem überraschen.
Wo sind die Wachstumsmärkte für Sie?
Ruopp: Am meisten verkaufen wir heute noch in Deutschland. Starkes Wachstum versprechen wir uns in China und den USA.
Hat das Wachstum nicht einmal ein Ende?
Ruopp: Bisher nicht. Wir sehen noch viele Möglichkeiten. Fortschritte bei Autos gibt es vor allem bei Software und Elektronik. Immer mehr Komponenten werden elektronisch gesteuert, ob Motor, Getriebe oder Lenkung. Das bietet viele Möglichkeiten.
Bongardt: Bei der Elektromobilität sogar noch viel mehr. Da wird quasi alles elektronisch gesteuert, man kann auf Akku-Kapazitäten und Fahrverhalten Einfluss nehmen. Teilweise lassen sich Leistung oder Reichweite fast verdoppeln.
Wenn es um selbstfahrende Autos geht, dann müssen sie aber passen.
Bongardt: Überhaupt nicht, zumindest nicht, solange das noch mit individuellem Fahren gekoppelt ist. Sollte es je dazu kommen, dass die Autos nur noch autonom fahren, müssten wir umdenken, aber auch da gibt es Möglichkeiten im Rahmen von Fahrzeugflotten.

Gründer und Marktführer

RaceChip

2008 gründete Manuel Götz das Unternehmen. Die Kombination von anwenderfreundlicher Technik und Internetvertieb forcierte rasantes Wachstum auf mehr als 100 Mitarbeiter und Jahresumsätze in zweistelliger Millionenhöhe. Die Fachpresse ist begeistert. Mittlerweile hat das Unternehmen mehr als 100 Mitarbeiter und erweitert im Stauferpark. 2013 hat sich der Gründer Management-Sachverstand gegen Firmenanteile eingekauft.

Dirk Bongardt

Der 43-Jährige hat Maschinenbau studiert, er kommt aus der Automobilbranche. Bongardt hat RaceChip erst beratend begleitet und ist für Entwicklung verantwortlich.

Dominic Ruopp

Der 33-Jährige kommt aus der Finanzwelt, hat unter anderem von Bankseite aus die Übernahmeaktivitäten zwischen Porsche und VW begleitet und dann die Seiten gewechselt. Mit einer Beteiligungsgesellschaft stieg er bei RaceChip ins Management ein.

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