Caracas - Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó ist wieder im Land. Foto: AP

Anderthalb Wochen war Guaidó im Ausland. Jetzt ist der Interimspräsident nach Venezuela zurückgekehrt und zeigt sich kampfeslustig. Die Gefahr einer Festnahme nimmt er in Kauf.

Caracas - Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó ist trotz einer drohenden Festnahme in seine Heimat zurückgekehrt. „Wir sind stärker als jemals zuvor“, rief der Oppositionsführer am Montag Tausenden Anhängern in Caracas zu. Unbehelligt von Sicherheitskräften war er kurz zuvor am Hauptstadtflughafen Maiquetía gelandet. Ein Grenzbeamter habe ihn mit den Worten „Willkommen, Präsident“ die Kontrolle passieren lassen, berichtete Guaidó später.

Zahlreiche Anhänger Guaidós und die Botschafter mehrerer lateinamerikanischer und europäischer Länder nahmen den Oppositionsführer am Flughafen in Empfang - darunter auch der deutsche Botschafter in Venezuela, Daniel Kriener. Guaidós Rückkehr nach Venezuela sei „ein Schritt hin zu einem politischen und friedlichen Prozess zur Überwindung der Krise in Venezuela“, twitterte die Deutschen Botschaft in Caracas. Die Geste der internationalen Botschafter zeige, dass die Welt die Demokratie in Venezuela unterstütze, sagte Guaidó in einem Dankestweet am Montag.

Demos im ganzen Land

Im ganzen Land gingen am Montag Menschen gegen die sozialistische Regierung von Staatschef Nicolás Maduro auf die Straße. In Caracas jubelten Guaidó viele Anhänger zu. „Das Volk steht an deiner Seite“, skandierten sie. Für kommenden Samstag rief Guaidó auf Twitter erneut zu landesweiten Großdemonstrationen auf.

Angesichts des seit Wochen andauernden Machtkampfes ist Guaidós Rückkehr eine Provokation für Maduro. Wegen eines Ermittlungsverfahrens und einer Ausreisesperre hätte der 35-Jährige das Land eigentlich gar nicht verlassen dürfen. Nun könnte er festgenommen werden. „Wir kennen die Risiken“, sagte Guaidó nach seiner Ankunft. „Das hat uns noch nie aufgehalten.“

Um Unterstützung geworben

In den vergangenen Tagen hatte Guaidó mehrere Nachbarstaaten besucht und in Brasilien, Kolumbien, Argentinien, Ecuador und Paraguay um Unterstützung für seine Gegenregierung geworben.

Die USA gratulierten ihm zur sicheren Heimkehr. Das venezolanische Volk habe durch sein Handeln einen friedlichen, demokratischen Übergang ermöglicht, teilte das US-Außenministerium mit. Die internationale Gemeinschaft müsse sich nun vereint gegen Maduros Regierung stellen.

Widersacher warnt vor Rückkehr

„Die Gefahr einer Festnahme ist noch immer sehr real“, schrieb der US-Senator und erbitterte Maduro-Gegner Marco Rubio auf Twitter. Vergangene Woche hatte Maduro seinen Widersacher noch vor einer Rückkehr gewarnt. „Guaidó kann nicht einfach kommen und gehen; die Justiz hatte ihm das Verlassen des Landes verboten“, sagte er in einem Interview des US-Senders ABC. Dennoch ließ er seinen Kontrahenten am Montag zunächst gewähren.

Guaidó hatte sich am 23. Januar zum Interimspräsidenten erklärt und Maduro damit offen herausgefordert. Zuletzt scheiterte sein Versuch, Hilfsgüter von Kolumbien und Brasilien aus nach Venezuela zu bringen. An den Grenzübergängen kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Oppositionsanhängern und Sicherheitskräften. Dabei wurden mehrere Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Das ölreichste Land der Welt leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann Venezuela kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen. Viele Menschen hungern, über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

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