Der Zugang zu dieser Intensivstation an der Uniklinik ist wegen des Keims gesperrt. Foto: dpa

Im Ulmer Universitätsklinikum hat ein gefährlicher Erreger für Aufregung gesorgt. Ein Patient der Inneren Klinik hat den multiresistenten Keim eingeschleppt. Eine Intensivstation wurde geräumt, die Klinikleitung geht davon aus, dass die Ausbreitung gestoppt ist.

Ulm - In der Klinik für innere Medizin am Universitätsklinikum Ulm herrscht der Ausnahmezustand. Bei drei Intensivpatienten ist das Bakterium Acinetobacter baumannii am gefunden worden. Der Erreger hat die höchste bekannte Resistenzstufe gegen Antibiotika. Patienten, die befallen werden, besonders solche mit schwacher Immunabwehr, drohen schwer beherrschbare, möglicherweise lebensgefährliche Wundinfektionen, Sepsis, Meningitis oder Harnweginfektionen.

So weit ist es in Ulm bisher nicht gekommen. Wie der leitende ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzendes des Ulmer Klinikums, Udo Kaisers, am Freitag vor Pressevertretern sagte, sind die drei Patienten von dem Bakterium „kolonisiert“, aber nicht daran erkrankt. Die ärztliche Leitung habe alles Denkbare getan, die weitere Ausbreitung des Bakteriums innerhalb der Klinik zu verhindern. Ob die Notfallmaßnahmen gegriffen haben, wird sich jedoch erst noch zeigen müssen.

Der Erreger kommt im Wasser, aber auch auf der Haut vor

Nach Klinikangaben ist Acinetobacter baumannii von einem neu aufgenommenen, schwer kranken Patienten am 25. Mai in die Intensivstation der Klinik für innere Medizin eingeschleppt worden. Bei dem Mann sei ein vorsorgliches Screening auf gefährliche Erreger gemacht worden. Der Treffer sei am 29. Mai angezeigt worden. Woher der Mann kam, sagte der Kardiologe Wolfgang Rottbauer nicht, der die Klinik leitet. Gründe für Aufnahme-Screenings sind beispielsweise ein vorheriger Aufenthalt in einem Pflegeheim oder die Rückkehr nach einer Reise in arme asiatische oder osteuropäische Länder. Acinetobacter-Erreger sind Umweltkeime. Sie kommen im Wasser, im Boden, auf Pflanzen, in Parasiten und Insekten, aber auch auf der menschlichen Haut vor.

Der Keim passe sich anderen Keimen an und sei wegen seiner Eigenschaft, Biofilme zu bilden, „bewegungsfähig“, warnte am Freitag die Ulmer Leiterin der Sektion Krankenhaushygiene, Heike von Baum. Ausgetrocknet kann der Keim wochenlang auf Oberflächen zum Beispiel von Telefonen oder Beatmungsgeräten überleben.

Wie sich der Keim ausbreiten konnte, ist unklar

Nachdem sie den Problemkeim entdeckt hatte, hat die Klinik sofort alle weiteren Patienten der betroffenen Intensivstation mit ihren zwölf Betten geprüft. Bis zum 7. Juni sind zwei weitere befallene Kranke entdeckt worden. Die Klinik hat die Patienten isoliert, ein Spezialteam, so Rottbauer, betreue sie in einem streng abgetrennten Bereich. Die nicht befallenen Patienten sind nach eingehenden Untersuchungen auf andere Intensivstationen des Klinikums verteilt worden. Die betroffene Intensivstation ist komplett geschlossen worden, sie werde zurzeit, einschließlich aller Geräte und Möbel, zweimal komplett desinfiziert, heißt es. Gegen Desinfektionsmittel hat der Multikeim keine Chance. Am Montag, so die Hoffnung des Klinikleiters Kaisers, könnte die Station wieder geöffnet werden. Eine Gefahr für Patienten anderer Krankenhausbereiche habe nie bestanden.

Unklar ist derzeit weiterhin, wie sich der Keim vom ersten Patienten aus weiterverbreiten konnte. Dass es Ärzte oder Pflegekräfte gewesen sind, hält die Hygienespezialistin Heike von Baum für die wahrscheinlichste Variante. „Es sind wahrscheinlich die Hände von Mitarbeitern“, sagte sie. Allerdings: Hunderte Tests an der Haut von Klinikmitarbeitern und sogenannte Beprobungen an Möbeln und an Türklinken, hätten keine nachverfolgbare Spur gezeigt. Allen Mitarbeitern der inneren Medizin, so der Vorstandsvorsitzende Kaisers, sei mittlerweile ein spezifischer Bakterientest angeboten worden, „kostenlos und streng vertraulich“.

Eine Garantie, dass der Keim kurz nach seinem Auftauchen in Ulm ausgemerzt werden konnte, gibt die Klinikleitung nicht. „Ulm ist keine Insel“, so Kaisers mit Verweis darauf, dass die multiresistenten Keime in Krankenhäusern seit Jahren immer häufiger vorkommen. Gerade in der komplexen Intensivmedizin, wo oft Augenblicke zählten, könne nicht jeder Handgriff vorgedacht und überwacht werden. In den nächsten Wochen gehe es in Ulm dennoch darum herauszufinden, ob und wie der Hygieneschutz verbessert werden müsse.

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