Die Arbeit mit geflüchteten Menschen stellt nach wie vor hohe Anforderungen an Integrationsbeauftragte. Foto: dpa

In Winnenden haben Beteiligte am Pakt für Integration getagt und Probleme in ihrer Arbeit benannt. Selbstbewusst wurden Missstände aufgezeigt und Lösungsvorschläge gemacht.

Winnenden - Bürokratie ist eines der Probleme, die der Integrationsarbeit entgegenstehen. „Ein Geflüchteter ist nicht bei der AOK versichert, sondern über das Landratsamt. Das dauert dann aber manchmal anderthalb Jahre, bis etwas passiert“, berichtet eine der kommunalen Integrationsbeauftragten aus der Praxis, die am Dienstag nach Winnenden zu einer Regionalkonferenz gekommen waren. Rund 120 Teilnehmer aus dem Regierungsbezirk Stuttgart und darüber hinaus waren dazu angereist.

Bürokratie bremst Integration

Doch nicht nur in puncto Krankenversicherung hapere es seitens der Behörden. Die Liste wird länger und länger. „Der Ermessensspielraum bei Ausländerbehörden ist nicht durchschaubar“, sagt eine Teilnehmerin, während zu Beginn der Konferenz die Themen gesammelt werden, die den Tag über diskutiert werden sollen. Defizite werden bereits in dieser frühen Phase unter dem Beifall anderer aufgezeigt, da mit Ramona Rid eine Referentin des Sozialministeriums anwesend ist, von dem nachdrücklich Unterstützung für die Integrationsbeauftragten und Integrationsmanager gefordert wird.

„Ich bin nicht zu einer Kuschelveranstaltung gekommen, sondern um konkrete Forderungen zu stellen. Wir brauchen im Umgang mit Kommunen und Landratsämtern eine Institution, die notfalls von oben eingreift“, betont eine der Teilnehmerinnen und erhält dafür Beifall.

Einzelkämpfer und Teamplayer

Auf zwei Stellwänden sammeln Jens Ridderbusch und Cora Westrick von der Familienforschung Baden-Württemberg die Themen. Die beiden moderieren im Auftrag des Sozialministeriums den Tag in der Hermann-Schwab-Halle und kommen kaum hinterher, so viele Wortmeldungen gibt es. Die Bandbreite ist riesig, die Stellwände sind in Kürze so voll, dass verschiedene Themenbereiche zusammengefasst werden müssen. Es zeigt sich auch, wie vielfältig die Integrationsarbeit im Land ist und wie unterschiedliche Problemstellungen daraus entstehen.

Da gibt es neben den großen Organisationen in Städten die „Einzelkämpfer“ auf dem Land. „Bei einer Einwohnerzahl von 2000 Menschen und ohne Industriegebiet ist bei kleinen Kommunen die Finanzkraft schnell erschöpft und der Wille, weiter zu bezahlen, gering.“ Ganz konkret wird eine Frage aufgestellt, die vielen im Saal unter den Nägeln brennt: „Wird es nach 2021 noch Integrationsmanager geben?“

Mehr Wertschätzung wird gewünscht

Dabei zeigen sich die Konferenzteilnehmer durchaus selbstbewusst und realistisch. „Um unsere Forderungen besser durchsetzen zu können, sollten wir uns Gedanken machen, wie wir uns organisieren können“, lautete ein Vorschlag. Aus mehreren Wortmeldungen war zu hören, dass Integrationsbeauftragten und ihrer Arbeit wenig bis gar keine Wertschätzung entgegengebracht wird. „In anderen sozialen Berufen gibt es Angebote wie Supervision, um Erfahrungen verarbeiten zu können, die man aus der Arbeit mitnimmt. Wir haben gar nichts“, bemerkte einer der Teilnehmer.

Weitere Regionalkonferenzen der Integrationsbeauftragten wie die am Dienstag in Winnenden sollen in allen Regierungsbezirken des Landes stattfinden, sagte Ramona Rid, die auch die offizielle Begrüßung hielt. „Es ist unsere Pflicht als Ministerium, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken“, sagte sie in Bezug auf die Arbeit der Integrationsbeauftragten.

Das Land hat 2017 mit den kommunalen Landesverbänden den Pakt für Integration geschlossen. Dieser umfasst eine Fördersumme von 320 Millionen Euro.

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