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Als Gregor Schlierenzauer den Innsbrucker Bergisl mit seinem zweiten Sieg zum Beben brachte, hatte Martin Schmitt den Ort der Schmach bereits fluchtartig verlassen.

Innsbruck - Als Gregor Schlierenzauer den Innsbrucker Bergisl mit seinem zweiten Sieg zum Beben brachte, hatte Martin Schmitt den Ort der Schmach bereits fluchtartig verlassen.

Während der Vize-Weltmeister ein Jahr nach seinem tollen dritten Platz im österreichischen Skisprung-Tempel nicht einmal die Qualifikation für den zweiten Durchgang schaffte, sorgte Pascal Bodmer einen Tag vor seinem 19. Geburtstag als Achter zumindest für die erste deutsche Top-Ten-Platzierung bei der 58. Tournee. Die übrigen DSV-Adler flogen der Konkurrenz dagegen wieder meilenweit hinterher. Lediglich Michael Uhrmann sorgte als Zwölfter für einen kleinen Lichtblick.

"Ich bin unzufrieden mit der Situation. Ich habe mein Potenzial nicht annähernd abgerufen", sagte Schmitt zerknirscht. Mit seinem Hüpfer auf 113 Meter verpasste der 31-Jährige den Sprung unter die besten 30, will die Tournee aber dennoch nicht vorzeitig abbrechen. "Ich werde in Bischofshofen versuchen, noch einmal vernünftige Sprünge zu zeigen", meinte der Team-Olympiasieger von 2002. Doch viel ist von Schmitt auch beim Abschluss der Traditionsveranstaltung nicht zu erwarten. "Eigentlich bräuchte ich jetzt Training, doch es geht Schlag auf Schlag", sagte der Furtwangener.

Bodmer untermauerte hingegen seine Führungsrolle im deutschen Team und belegte mit Sprüngen auf 122,5 und 118,5 Meter Rang acht. "Das ist ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für mich", sagte der Senkrechtstarter der Saison. "Ich wollte unter die Top Ten und das habe ich heute endlich geschafft." Allerdings vermisste der 18-Jährige ein wenig die Unterstützung aus dem Team. "Es wäre mir lieber, wenn noch ein paar von uns vor mir wären, denn dann hätten wir ein besseres Teamergebnis", sagte der Blondschopf, der in der Gesamtwertung nun Achter ist.

Mit seinem zweiten Sieg im dritten Springen avancierte Schlierenzauer derweil endgültig zum Topfavoriten auf den Gesamtsieg. "Das ist mein Skisprung-Wohnzimmer, einfach die geilste Schanze der Welt. Die Fans waren fantastisch, ich hatte am Balken Gänsehaut", sagte der 19 Jahre alte Ausnahmespringer, der vor 21.000 Zuschauern mit Weiten von 130 und 122 Metern gewann. Für Schlierenzauer war es der 28. Weltcupsieg, zudem hat er nun bereits mit gerade einmal 19 Jahren auf allen vier Tournee-Schanzen gewonnen. Der vierte Saisonsieg bescherte ihm auch die Führung im Gesamtweltcup.

Schmitt-Blamage bei Schlierenzauer-Sieg

In der Gesamtwertung hat der Österreicher jetzt nur noch 14,6 Punkte Rückstand auf seinen Landsmann Andreas Kofler, der in Innsbruck Vierter wurde. Platz zwei ging an den Schweizer Simon Ammann (128,5/117,5 Meter), Dritter wurde der Finne Janne Ahonen (128/117,5 Meter).

Aus deutscher Sicht sorgte nun noch Uhrmann für ein kleines Erfolgserlebnis. Nach dem Aus bei den ersten beiden Wettkämpfen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen wurde der 31-Jährige mit Sprüngen auf 121 und 115,5 Meter Zwölfter. "Wenn man zweimal früh rausfliegt und so auf den Deckel bekommt, muss man erst einmal kleinere Brötchen backen. Für mich war es heute wichtig, dass ich gezeigt habe, dass ich das Skispringen noch nicht verlernt habe", sagte Uhrmann. "Michael hat einen Kampfgeist, wie ich ihn selten gesehen habe. Es gibt also auch positive Anzeichen, auch wenn klar war, dass wir die Tournee nach dem schwachen Auftakt nicht mehr retten können", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Für Youngster Richard Freitag reichte es bei seiner Premieren-Tournee immerhin erstmals für den zweiten Durchgang. "Im zweiten Sprung habe ich ein paar Fehler gemacht, dennoch freue mich, dass ich am Ende noch dabei war", sagte der 18-Jährige, der wie Michael Neumayer über Magenbeschwerden klagte, und am Ende 30. wurde. Neumayer (Berchtesgaden) verpasste mit 114 Metern genauso die zweite Runde wie Andreas Wank (Oberhof/95,5 Meter) und Geburtstagskind Maximilian Mechler (Isny).

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