Simon Sperling (rechts) erklärt Fritz Kuhn die Eier-Anlage. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Wie ergeht es Stuttgarter Landwirten und welche Sorgen treiben sie um? Diesen Fragen spürte der Oberbürgermeister am Freitag bei Familie Sperling in Mühlhausen nach. Tatsächlich brennt dem jungen Landwirt einiges auf den Nägeln.

Stuttgart - Kuhn unter Kühen: Bei einer Hofführung in Mühlhausen hat sich Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) am Freitag ein Bild von der Situation eines Stuttgarter Bauern gemacht. Der junge Landwirt Simon Sperling packte die Gelegenheit beim Schopf und sprach auch Sorgen und kritische Punkte an.

„Wenn der Nordostring kommt, sind wir kaputt“, sagte der 28-jährige und zeigte auf den Acker, der von der Straße zerschnitten würde. Besten Boden gebe es dort, Boden, der für ihre berufliche Existenz wichtig sei. Kuhn versuchte, zu beruhigen: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Nordostring nicht gebaut wird.“ Auch über die Schwierigkeiten Sperlings, sein Wohnhaus mit Blick auf seine geplante Kinderschar und Funktionsräume für die Arbeiter zu vergrößern, wurde gesprochen. Hier verwies der OB aber auf Vorschriften. „Ich verspreche nichts, aber wir kümmern uns drum.“

Bio-Eier sind für den Landwirt keine Alternative

Rund 90 Minuten dauerte die Führung. Im Eilschritt ging es über den Hof, denn Sperling hatte viel zu zeigen. Recht kurz waren die Stationen an der Maschinenhalle und am Gewächshaus, länger der Stopp an den Hühnerställen. Rund 2500 Legehennen hat Sperling in Bodenhaltung, gut 800 in Freilandhaltung. Die Eier rollen per Fließband aus dem Stall und werden maschinell nach Größe sortiert. Das Futter für die Tiere produziert der Landwirt so gut es geht selbst. Bio-Eier sind für ihn keine Alternative. Dafür habe der stadtnahe Hof einfach zu wenig Fläche und die Herstellung sei zu teuer, so Sperling.

Seine Kunden können sich dafür im Hofladen rund um die Uhr eindecken. Die Eier, die Nudeln, der Wein und mehr werden aus Automaten verkauft. Neben eigenen Produkten bieten die Sperlings hier Waren von befreundeten Landwirten aus der Region an. Auch den Schottischen Hochlandrindern stattete Kuhn einen Besuch ab und erfuhr, wie wertvoll die imposanten Tiere für die Landschaftspflege seien. Das Grünzeug, das sie nicht fressen mögen, vespern auf dem Hof die Esel weg.

Rund 200 landwirtschaftliche Betriebe in Stuttgart

Sperling hat den Hof mit rund 50 Hektar Fläche vor vier Jahren von seinem Großvaterübernommen. Er genießt es, sein eigener Herr zu sein und arbeitet stets an einer besseren Vermarktung seiner Waren.

In der Landeshauptstadt bewirtschaften insgesamt rund 200 landwirtschaftliche Betriebe etwa 2500 Hektar Fläche. Der Rathhauschef war ganz angetan von dem Betrieb im Norden: „Für uns als Stuttgarter ist es extrem gut, dass wir hier noch Landwirtschaft haben.“ Die Wege der Vermarktung seien dadurch kürzer, Kulturlandschaften würden gepflegt und die Kinder könnten noch vor der Haustür erleben, was einen echten Bauernhof ausmacht.

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