Einem Mann wird vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung vorgehalten. Foto: dpa

Ob London, Berlin oder Nizza - die Terrormiliz Islamischer Staat hat sich zu etlichen Anschlägen bekannt. In Syrien und anderen Ländern verbreitet der IS Angst und Schrecken. In Stuttgart steht erneut ein mutmaßlich ehemaliger IS-Terrorist vor Gericht.

Stuttgart - Für ein knappes Jahr lang soll ein Flüchtling 2014 Mitglied der Terrormiliz IS gewesen sein - jetzt muss sich der Syrer vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verantworten. Der 26-Jährige war im Mai in Tübingen festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Laut Anklage war er von Frühjahr bis Ende 2014 Mitglied der Terrororganisation IS in Syrien.

In erster Linie wird ihm die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung vorgehalten. In der Region Tabka in Nordsyrien hat der Mann laut Anklage damals vom IS beschlagnahmte Häuser von Christen und Kurden leer geräumt, damit dort IS-Kämpfer untergebracht werden konnten. Auch Spitzeldienste habe er für den IS erledigt. Vieles klingt nach untergeordneten Funktionen, nachrangigen Aufgaben.

So soll der 26-Jährige zum IS gekommen sein

Oder war er auch 2013 schon an der Hinrichtung einer Familie beteiligt? Dieser kurzzeitig aufgekommene Vorwurf eines Angeklagten in einem Terrorverfahren in Düsseldorf wird in Stuttgart keine Rolle spielen. Zu schwach sei der Verdacht, hieß es hier. Zudem sei er zwischenzeitlich revidiert worden.

Interessant ist, wie der 26-Jährige zum IS gekommen sein soll: Weil er in Verdacht geriet, für die Sicherheitskräfte der syrischen Regierung zu arbeiten, steckten ihn IS-Terroristen 2013 laut Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart drei Monate lang ins Gefängnis. Durch Einfluss seines zum IS gehörenden Bruders sei ihm ein „Verzeihen“ angeboten worden - wenn er ein religiöses Umerziehungslager besuche und sich dem IS anschließe. Beides soll er getan haben.

Der Angeklagte äußert sich nicht

Zum Auftakt des Prozesses am Donnerstag wollte sich der 26-Jährige weder zu seinem Leben noch zu den Anschuldigungen äußern. Verteidiger Giuseppe Olivo bat das Gericht in einer Erklärung, im Verfahren die „Komfortzone“ Mitteleuropa zu verlassen, und zu bedenken, in welchem Umfeld von Angst und Terror sein Mandant damals in Syrien lebte.

Laut Staatsanwaltschaft war die Region Tabka damals in den Händen der Terrormiliz IS. Ende 2014 soll der Angeklagte seine Heimat verlassen haben. Über die Türkei kam er später nach Deutschland und stellte hier einen Asylantrag. Für den Prozess sind zunächst 20 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte es demnach frühestens Mitte Januar 2019 geben. (Az.: 6 - 32 OJs 38/18).

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