Marco Mauz lebt in Esslingen mit vielerlei Reptilien unter einem Dach – auch mit Leguanen. Foto: Leif Piechowski

Behörden erkennen private Auffangstation für exotische Tiere in Esslingen an – Kein Platz mehr in der Wilhelma.

Esslingen - „Vorsicht, die Kleinen beißen“, sagt Marco Mauz zum Fotografen. Sechs kleine Tigerpythons hat er gezüchtet, jetzt sind sie zwei Wochen alt und gerade ein paar Zentimeter lang. Nun, das kleine Fotomodell bleibt friedlich. Und von den Großen ist ein Biss erst gar nicht zu erwarten: Sie wiegen 40 beziehungsweise 11 Kilo und sind Würgeschlangen, ebenso wie der Albino mit 24 Kilo Lebendgewicht.

Alle drei samt den sechs Nachzuchten leben in Esslingen-Zell unter einem Dach mit Marco Mauz, mit ihnen vier Boa Constrictor, ein Baumpython, fünf Königspythons, zwei Leguane, eine Wasseragame, zwei Bartagamen und drei Wasserschildkröten. Außerdem Kaninchen und Ratten als Futtertiere und die schwarze Katze Cheyenne, die dieses Schicksal aber nicht zu fürchten braucht.

Mauz hat zur Haltung der Reptilien die gesamte Wohnung umgebaut. Bis unter die Decke stehen und türmen sich die Terrarien, bestückt mit Ästen und Baumstämmen, aber auch einiger Technik zur Luftbefeuchtung, Entlüftung und Wärmezufuhr. „10.000 Euro habe ich in all das investiert“, sagt Mauz – so viel sind ihm seine Tiere wert.

Mitleid mit den oft falsch gehaltenen Kreaturen

Seit er 16 Jahre alt ist, hat der inzwischen 32-Jährige ein Faible für schuppige Exoten. Damals erstand er die ersten Wasserschildkröten, mit 18 die ersten Schlangen, mit 20 züchtete er erfolgreich Königspythons. Seither hat er sein Hobby stetig erweitert. Dass es Menschen gibt, die gegenüber den Kaltblütern Angst oder Ekel empfinden, kann er nur schwer nachvollziehen. Vielmehr hat er Mitleid mit den oft falsch gehaltenen Kreaturen, die ihren Besitzern dann zu viel werden und auf der Straße landen. Tatsächlich tauchen immer wieder Würgeschlangen im Müll und Wasserschildkröten in Bächen und Teichen auf. Doch überleben können sie nur bis zum Winter. Um den Reptilien ein solches Schicksal zu ersparen, kam Mauz auf zweierlei Ideen: Zum einen bietet er eine Urlaubsbetreuung an – Kost und Logis für Reptilien, denen sich keine Urlaubsvertretung gewachsen fühlt. Zum andern hat er sich entschlossen, eine private Auffangstation für Reptilien einzurichten.

Welchen bürokratischen Aufwand er sich damit aufgehalst hat, konnte Mauz nicht ahnen, als er sich vor gut zwei Jahren ernsthaft hinter die Idee klemmte. Zum einen musste er natürlich geeignete Räumlichkeiten mit der tiergerechten Ausstattung nachweisen: Beides hat ihm das Veterinäramt des Landkreises Esslingen bescheinigt. Zum andern galt es, eine Eignungsprüfung abzulegen. „Dazu musste ich die Antwort auf 600 Fragen kennen – 150 bis 200 davon wurden tatsächlich auch schriftlich geprüft“, erinnert sich Mauz. Noch mehr Respekt hatte er vor der mündlichen Prüfung. „Wenn ich nun zu den Pfeilgiftfröschen gefragt werde?“ Von denen, räumt er ein, habe er wenig Ahnung.

Musste er auch nicht. Nach bestandener Prüfung (beim Mündlichen wurde er zu Details zur Haltung von Baumpythons gefragt) ist er nun legitimiert, zoologische Wildtiere zu halten sowie Zuchttiere zur Fütterung. Die Zulassung umfasst aber keine Panzerechsen wie Krokodile und Kaimane und auch keine Frösche und Amphibien.

„Maximal ein paar kleinere Rotwangenschildkröten gehen noch“ in der Wilhelma

Die Prüfung abnehmen dürfen in Deutschland nur zwei Einrichtungen, sagt Mauz: die Reptilien-Auffangstation in München, wo er vorstellig wurde, und die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde in Mannheim. Grundsätzlich zuständig ist das Bundesamt für Naturschutz in Bonn, bei dem auch die Anträge zur Einfuhr und zum Handel mit geschützten Tieren gestellt werden müssen.

Bei der Stuttgarter Wilhelma wird das Engagement von Mauz sehr begrüßt: „Das ist gar nicht hoch genug einzuschätzen“, sagt die Kuratorin Isabel Koch. Offiziell habe Baden-Württemberg keine Auffangstation, deshalb lande praktisch „alles, was ungewollt im Orbit kreist“, bei der Wilhelma. Die ist bei den Reptilien aber so voll, dass sie keine weiteren Tiere aufnehmen kann – schon gar keine großen Schlangen, Leguane und auch keine Schildkröten. „Maximal ein paar kleinere Rotwangenschildkröten gehen noch“, sagt Koch. Es sei deshalb wünschenswert, dass Zoll und Veterinäre, wenn sie Tiere aufgreifen oder beschlagnahmen, sich bei Mauz melden.

Koch hat allerdings Bedenken, ob der Reptilien-Liebhaber die Kosten stemmen kann: Vor allem die Energiekosten seien enorm, sagt die Kuratorin und hofft auf Spenden für ihn: „Es wäre schon schön, wenn er Unterstützung bekommen würde.“ Auch fände sie es begrüßenswert, wenn das Land sich beteiligen würde: „Die Behörden haben doch schließlich auch das Problem der Unterbringung.“ Jetzt werde ihnen eine goldene Brücke gebaut.

Koch hofft außerdem, dass nun niemand auf die Idee kommt, Mauz einfach ein ausgedientes Tier vor die Tür zu stellen. „Wenn, dann soll er wenigsten noch einen 50-Euro-Schein für die ersten Tage anheften“, sagt die Expertin Koch.

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