Teilweise herrschte dichtes Gedränge auf dem Hinterhofflohmarkt an der Lehmgrubenstraße. Foto: Ralf Recklies

Auf den Hofflohmärkten im Stuttgarter Osten war am Samstag ziemlich viel los. Die Teilnehmer, deren Stände über Höfe im ganzen Stadtbezirk verstreut waren, hätten sich dennoch ein bisschen mehr Werbung gewünscht.

Wenn das ein Musterexemplar ist, dann hätte ich gerne fünf andere Modelle davon“, juxte ein Besucher der Hofflohmärkte im Stuttgarter Osten am Samstag, als er in einem Hinterhof an der Lehmgrubenstraße eine Kiste entdeckte, in der ein Hund saß, aufmerksam das Geschehen um ihn herum verfolgte und dankbar jede Streicheleinheit entgegennahm, die er von den Passanten erhielt. Sigrid Moll hatte ihren vierbeinigen Freund in der Kiste platziert und dort ein Schild mit dem Hinweis „Unverkäufliches Musterexemplar“ angebracht. Damit sorgte sie nicht nur für Gesprächsstoff, sondern entlockte vielen Besuchern des gemeinsam mit ihren Nachbarn Ulrike Gernsheimer und Manfred Müller bespielten Hinterhofs auch so manches Lächeln.

„Das ist echt eine Superaktion: man hat einen geringen Aufwand, um die Dinge zu präsentieren; man kommt mit vielen netten Leuten ins Gespräch, und man lernt auch seine Nachbarn noch besser kennen“, resümierten Gernsheimer und Moll zur Halbzeit der erstmals im Stuttgarter Osten organisierten Hofflohmärkte. Und so steht für die drei Anrainer der Lehmgrubenstraße außer Frage: „Wenn es eine solche Aktion im nächsten Jahr wieder gibt, dann sind wir wieder mit dabei.“ Auch weil ein Teil der Dinge, die lange Zeit ungenutzt in Schränken und im Keller schlummerten, neue Besitzer gefunden haben.

Foto: Recklies

„Ich habe früher oft immer gleich zwei Geräte gekauft, wenn ich was gebraucht habe“, sagt Manfred Müller schmunzelnd. So auch einen Elektrohobel, von dem er einen für gerade mal zehn Euro angeboten hat – ungebraucht und originalverpackt. „Einen wollte ich auf meinem Gartengrundstück, einen hier benutzen“, sagt Müller. Doch nur einer kam letztlich zum Einsatz. Ob das Zweitexemplar den Besitzer gewechselt hatte, wissen wir nicht – wohl aber, dass Müller auch eine Mikrowelle verkauft hat, die „nur dreimal in Gebrauch war“. Nur 20 Euro musste der Käufer dafür hinblättern.

Mehr als 70 Teilnehmer im Osten

Ulrike Gernsheimer und Sigrid Moll mussten am Ende ebenfalls deutlich weniger Dinge von ihrem Hinterhof wieder ins Haus räumen, als sie am Morgen herausgetragen hatten. Vor allem Geschirr und andere Haushaltsutensilien waren gefragt. „Man wundert sich schon, was die Leute für Dinge zu zahlen bereit sind, die man selbst nicht mehr haben will“, sagt Gernsheimer. So hat sie auch zwei Schraubzwingen veräußert, „von denen ich nicht einmal weiß, wann wir die zuletzt gebraucht haben“. Dass die Dinge neue Besitzer finden und dort dann einen guten Dienst leisten, freut sie, „denn zum Rausschmeißen ist ja vieles einfach viel zu schade“.

Das haben im Osten mehr als 70 Teilnehmer der Hofflohmärkte so gesehen – und mitunter gut verkauft. Bei Angelika Vater-Zeiß waren die Schallplatten der Renner, bei ihrer Nachbarin Sonja Hauska Kinderspielsachen und Geschirr. „Toll ist, dass man fast mit jedem Besucher ins Gespräch kommt“, findet Sonja Hauska, die hofft, dass sich die Hofflohmärkte im Osten auf Dauer etablieren. Einzig die Werbung müsste künftig besser sein: „Ich finde, es ist zu wenig bekannt gemacht worden“, sagt Hauska. Sie selbst habe über Facebook davon erfahren.

Auch ein Anwohner der Straße Am Oberen Weg hätte sich gewünscht, dass mehr für die Aktion geworben worden wäre. Auch ohne viel Reklame sei der Zuspruch aber gut, findet der Verkäufer.

In der Straße Am Grünen Weg war zeitweise so viel los, dass es zu Engpässen an den Ständen kam. „Selbstgestrickte Wandersocken von einer Nachbarin“, sind dort laut Annette Schmidt stark nachgefragt gewesen. Und für Mirella Koch fand die Aktion so genial, „dass sie unbedingt wiederholt werden muss.“

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