Ursula Gottschick, Martin Exner und Irmgard Kober (von links) sind jeweils einen Vormittag für die Patienten da.Foto: Patricia Sigerist Foto: /Patricia Sigerist

Ursula Gottschick, Irmgard Kober und Martin Exner helfen als Grüne Damen und Herren ehrenamtlich im Krankenhaus Bad Cannstatt. Sie haben ein offenes Ohr für die Kranken, laden Telefonkarten auf oder bringen ein gutes Buch vorbei.

Fellbach -

Eigentlich sind es ganz simple Fähigkeiten, die die Grünen Damen und Herren mitbringen müssen: Da sein, zuhören, ein Schwätzchen halten und kleine Botengänge erledigen. Doch so banal die Auflistung klingt, für Menschen in einem Krankenhaus können genau diese Dinge den entscheidenden Unterschied machen. „Wir sind viel auf der diabetologischen Abteilung im Einsatz.

Drei Jahre war sie im Bürgerhospital engagiert

Die Patienten dort haben oft Probleme mit den Füßen, können also nicht laufen. Zudem liegen sie lange stationär und bekommen oft nicht viel Besuch, weil sie von auswärts kommen“, sagt Ursula Gottschick.

Die 74-Jährige ist seit acht Jahren ehrenamtlich als Grüne Dame im Einsatz. Ihr erster Gang ist immer der ins Stationszimmer. „Dort frage ich, ob was Bestimmtes anliegt. Danach gehe ich von Zimmer zu Zimmer und schaue, welchem Patient ich etwas Gutes tun kann.“ Drei Jahre war sie im Bürgerhospital engagiert, dann wechselte sie ans Krankenhaus Bad Cannstatt. Wenn die Frau aus Schmiden nicht als gute Seele bei den Diabetes-Kranken hilft, ist sie in der Orthopädie und auch in der Onkologie im Einsatz.

Genau wie Irmgard Kober. Sie war insgesamt zehn Jahre im Rems-Murr-Klinikum in Waiblingen engagiert. Als sie dort aufhörte, merkte die 70-jährige Fellbacherin schnell, dass ihr etwas fehlt. Also orientierte sie sich neu und ist nun seit zwei Jahren ebenfalls in Bad Cannstatt. Ganz frisch dabei, genauer gesagt seit Frühjahr diesen Jahres, ist dagegen Martin Exner. Der 62-Jährige ist als Grüner Herr im Lotsendienst aktiv.

Zurzeit engagieren sich im Großraum Stuttgart rund 330 Frauen und Männer

Das heißt, er hilft den neu ankommenden Patienten, sich im Foyer der Klinik zu orientieren und erklärt ihnen, wie sie dorthin kommen, wo sie hinmüssen. „Die meisten, die durch die Tür kommen, sind aufgeregt und gucken sich hilflos um. Die freuen sich, wenn man sie fragt, ob man ihnen helfen kann“, sagt Martin Exner. Patienten, die ganz allein und womöglich noch dazu mit schwerem Gepäck kommen, begleitet der engagierte Fellbacher bis auf die jeweilige Station. „Es ist erschreckend, wie viele ohne Angehörige einsam und hilflos im Foyer stehen“, sagt Martin Exner, der sich überlegt, irgendwann zusätzlich zum Lotsendienst auch in den Besuchs- und Hilfsdienst der Grünen Damen und Herren einzusteigen. Angeregt durch den „Volunteer Service“ in den USA, gründete Brigitte Schröder 1969 die erste Gruppe der evangelischen Krankenhaushilfe, zu der die heute mehr als 11 600 tätigen Grünen Damen und Herren gehören.

Manchmal ist unsere Hilfe auch nicht erwünscht

Zurzeit engagieren sich im Großraum Stuttgart rund 330 Frauen und Männer – aktuell sind rund 100 Ehrenamtliche im Katharinenhospital, im Krankenhaus Bad Cannstatt und in der Frauenklinik im Einsatz. Neue Helfer werden natürlich immer gerne gesehen. Das betonen auch Ursula Gottschick, Irmgard Kober und Martin Exner, während sie von ihrer erfüllenden Aufgabe schwärmen. Alle drei sind jeweils einen Vormittag die Woche im Krankenhaus Bad Cannstatt aktiv. Wenn sie den grünen Kittel überstreifen und das Namensschild dran heften, schlüpfen sie in ihre Rolle als gute Geister für die Patienten. Dann gilt es, ein offenes Ohr zu haben, Telefon- und TV-Karten aufzuladen, Bücher oder auch mal eine Zeitschrift am Kiosk zu holen oder einfach da zu sein und sich das Leid anzuhören – natürlich alles unter Einhaltung der Schweigepflicht. „Man erlebt da schon viel und muss auch mal durchschnaufen. Manchmal ist unsere Hilfe auch nicht erwünscht, dann gehen wir wieder und drängen uns nicht auf“, sagt Irmgard Kober. In regelmäßigen Treffen könne in der Gruppe über die Erfahrungen gesprochen werden. Genauso wichtig wie die Treffen ist es für die Grünen Damen und Herren, dass sie die Hygienemaßnahmen einhalten, die unter anderem im Vorbereitungskurs vermittel werden. „Wir müssen uns nach jedem Patienten desinfizieren, dürfen keinen Schmuck und nur halblange Ärmel tragen“, sagt Ursula Gottschick.

Wenn sie sich mit Kollegen in der Krankenhauskantine treffen, die die Ehrenamtlichen gratis nutzen dürfen, sind sich alle Drei einig: „Bei dem, was wir sehen und erleben, muss man sehr dankbar sein, dass man selbst gesund ist.“

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