Winfried Kretschmann als Redner 2014 während der Heimattage in Waiblingen Foto: Stoppel/Archiv

Beim Neujahrsempfang mit Winfried Kretschmann, dem Auftakt zu den diesjährigen Heimattagen Baden-Württemberg in Winnenden, wird der Amoklauf vom 11. März 2009 ein Thema sein. Der zehnte Jahrestag war mit ausschlaggebend, die Stadt dieses Jahr als Gastgeber auszuwählen.

Winnenden - Das Jahr 2019 wird in Winnenden so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Die Heimattage Baden-Württemberg sind in diesem Jahr zu Gast, was zur Folge hat, dass über das Jahr rund 170 Programmpunkte dazu veranstaltet werden. Darunter sind wie immer mehrere Großereignisse, die unter der Regie der Landesregierung stehen. Diese hat die Heimattage 1978 ins Leben gerufen, um die verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Land zusammenzubringen. Der Neujahrsempfang in Winnenden am Samstag ist der Auftakt der diesjährigen Heimattage. Festredner ist der Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Das Miteinander steht im Mittelgrund

Dass die Heimattage dieses Jahr bereits wieder im Rems-Murr-Kreis stattfinden – Waiblingen war 2014 Gastgeber – hat mit dem zehnten Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen zu tun, der am 11. März begangen wird. Aus diesem Grund sei die Reihenfolge der Heimattage-Gastgeber, die sich nach den vier Regierungsbezirken richtet, geändert worden, erklärte der Böblinger CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth während der Vorstellung des Programms. Eigentlich sei der Regierungsbezirk gar nicht an der Reihe gewesen, berichtete Nemeth aus dem zuständigen Landesausschuss für Heimatpflege, der für die Änderung votierte. „Alle Bezirke waren sich einig, dass es zehn Jahre nach dem Amoklauf Pflicht des Landes und der Heimatverbände ist, zuzustimmen.“ Wie der Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth sagte, wird der Ministerpräsident am Samstag in seiner Rede den 11. März thematisieren. „Und ich werde auch darauf eingehen“, kündigte das Stadtoberhaupt an.

Im Vordergrund der Heimattage soll das Miteinander stehen, das den Begriff Heimat prägen soll und in Winnenden aus mehreren Gründen sehr stark sei. „Menschen mit und ohne Handicap, egal ob krank oder gesund, leben hier zusammen. Dafür stehen bei uns viele engagierte Bürgerinnen und Bürger und zahlreiche Institutionen“, betonte Holzwarth.

Ein Bild des Landes als Heimat soll vermittelt werden

Die älteste dieser Einrichtungen, die Paulinenpflege, wird bald 200 Jahre alt. Die Klinik im Schloss, im 19. Jahrhundert gegründet, war eine der ersten modernen Einrichtungen für Menschen mit psychischen Krankheiten. In direkter Nachbarschaft ist seit 2014 das neue Kreiskrankenhaus in Betrieb, das den Gesundheitsstandort Winnenden abrundet. „Wir alle sind eine starke Gemeinschaft. Genau deshalb passt das Heimattagemotto ,Miteinander leben’ so hervorragend zu unserer Stadt und unseren Bürgerinnen und Bürgern.“

„Es gibt schmerzhafte Brüche im Miteinander“, sagte die Staatsrätin Gisela Erler nicht nur im Hinblick auf den zehnten Jahrestag des Amoklaufs. Sie ging auf die Beweggründe ein, welche zur Gründung der Heimattage geführt hatten. Die Differenzen verschiedener Bevölkerungsgruppen im Land, zwischen Württembergern, Badenern, Heimatvertriebenen und „Zugezogenen“ wie den „Gastarbeitern“, die seit den 60er-Jahren im Land leben, sollten überbrückt werden. „Ich will jetzt nicht versuchen, den Begriff Heimat zu definieren. Das ist bisher niemandem richtig gelungen“, sagte Erler. Es gelte jedoch weiterhin, Menschen mit den verschiedensten Wurzeln nicht nur eine Heimat zu geben, sondern ihnen auch ein Bild von Baden-Württemberg als Heimat zu vermitteln. Und dieses Bild wandle sich ständig, zuletzt durch die Flüchtlinge, die in jüngster Vergangenheit dazu kamen. „Wir haben deutlich über 50 Prozent Menschen in der Bevölkerung, deren Wurzeln nicht bis in die Zeiten Kaiser Barbarossas reichen“, sagte Gisela Erler im Hinblick auf Ressentiments aus dem rechten Spektrum gegenüber Menschen, deren Vorfahren nicht im Ländle lebten.

Die Vorfreude in der Stadt ist riesig

Auf den Neujahrsempfang folgt mit den Winnender Konzerttagen im Februar das zweite Highlight der Heimattage. Der Baden-Württemberg-Tag am Wochenende vom 3. bis zum 5. Mai steht dann unter dem Zeichen der Wirtschaft. Neben dem Weltmarktführer Kärcher haben einige andere erfolgreiche mittelständische Betriebe ihren Sitz in Winnenden. Viele von diesen treten als Sponsoren der Heimattage auf, was Gisela Erler auffiel. „Sie scheinen einen sehr guten Kontakt zu diesen Firmen zu haben“, sagte sie an Hartmut Holzwarth gewandt. „Denn von allein rollt das Geld normalerweise nicht.“

Die Landesfesttage mit dem großen Landesfestumzug finden in diesem Jahr im September statt. Vom 6. bis 8. September wird Brauchtum aus ganz Baden-Württemberg und speziell aus Winnenden präsentiert. In der Stadt sind bereits viele Haupt- und Ehrenamtliche am Werk. „Die Vorfreude ist riesig“, so Hartmut Holzwarth.

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