Beim Europäischen Volksmusikkonzert Korntal waren am vergangenen Wochenende Gruppen aus Weißrussland, Tschechien, Dänemark und Baden-Württemberg zu Gast. Foto: Privat

Hartmut Liebscher hat die Heimatmedaille Baden-Württemberg für sein Engagement im Volkstanz und der Volksmusik verliehen bekommen.

Stammheim - Hartmut Liebschers Lebensweg ist einer, der nicht von Fußstapfen, sondern von Tanzschritten gezeichnet ist. Bereits im Alter von neun Jahren ist der Stuttgarter einer Volkstanz-Gruppe beigetreten, mit 14 Jahren leitete er sie. Die Verbindung zum Volkstanz hat Liebscher durch seine Mutter vermittelt bekommen, die sich als Heimatvertriebene aus Pommern mit anderen Menschen aus ihrer Heimat zusammenfand, um zu tanzen und zu singen. Bis in die heutige Zeit ist Hartmut Liebscher in der Brauchtumspflege des Volkstanzes und der Volksmusik aktiv.

Hierfür ist dem 48-Jährigen im September die Heimatmedaille des Landes verliehen worden. Was ihm die Auszeichnung bedeutet? „Es ist eine kleine Bestätigung. Aber es war nie die Triebfeder meiner Tätigkeit, die Medaille verliehen zu bekommen“, sagt Liebscher. Vielmehr sei es viel Herzblut, das er in die Brauchtumspflege investiere. Ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem im Arbeitskreis Sing-, Tanz- und Spielkreise und setzt sich dort für den Erhalt des württembergischen Brauchtums ein. Darüber hinaus organisiert er die Volkstanzwoche mit, die jedes Jahr in Freiburg stattfindet. Aufgeführt werden alte deutsche Tänze, darunter Kreis- und Paartänze. Getragen werden Trachten, denn diese haben laut Liebscher nicht nur in Bayern Tradition. „Auch in Württemberg gab es vor 200 Jahren das Trachtenbrauchtum“, sagt er. Dass junge Menschen seit einigen Jahren wieder vermehrt Trachten tragen, wenn sie das Volksfest besuchen, gefällt Liebscher. „Das führt vielleicht dazu, dass sie hinterfragen, was sie da eigentlich tragen und wo der Brauch herkommt.“

Brücken bauen

Auch beruflich setzt sich Liebscher für die Brauchtumspflege ein. Seit 1979 arbeitet er als Jugendreferent beim baden-württembergischen Landesverband „DJO – Deutsche Jugend in Europa“. Seine Aufgabe sieht er darin, „eine Brücke herzustellen zwischen Menschen in Osteuropa und den Menschen hier, und zwar über Tanz und Liedgut“. Nach der Wende, als viele Spätaussiedler nach Süddeutschland strömten, organisierte Liebscher Freizeiten mit den Jugendlichen, „um sie in Baden-Württemberg heimisch werden zu lassen und ihnen unser Brauchtum näherzubringen“. Schnell sei die Idee entstanden, mit Jugendlichen auch Fahrten nach Russland, Rumänien und Ungarn zu unternehmen. Mittlerweile organisiert der Verband Schüleraustausche in alle europäischen Länder und auch nach Südamerika.

Liebschers persönliches Steckenpferd ist das Europäische Volksmusikkonzert Korntal, zu dem er vor 20 Jahren die Idee hatte. Am vergangenen Wochenende trafen sich drei baden-württembergische Volkstanzgruppen und drei aus dem europäischen Ausland, um gemeinsam zu tanzen und zu musizieren. „Musik kennt keine Grenzen. Sie ist gut, um Menschen zusammenzubringen“, ist der 48-Jährige überzeugt. Für ihn liegen jedoch Welten zwischen volkstümlicher Musik und Volksmusik. Ersteres sei das, was jüngst komponiert in Fernsehsendungen aufgeführt wird. „Traditionelle Volksmusik ist aber schon jahrhundertelang gespielt worden. Sie ist gut genug, um einem breiten Publikum vorgeführt zu werden“, sagt er und freut sich, dass rund 400 Gäste das Konzert in Korntal besucht haben.

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