Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Die Vorsitzende Erika Porten und ihr Stellvertreter Erwin Kurz bauen bereits die Bubenspielzeug-Ausstellung auf. Foto: Leonie Hemminger

Der Heimatkreis Weilimdorf setzt sich dafür ein, Erinnerungen an alte Zeiten wachzuhalten.

Weilimdorf - Da hinten liegen Hygieneartikel, dort sind Kindersachen, da Haushaltsgegenstände“, sagt Erika Porten und zeigt auf verschiedene Kisten, die aufeinander gestapelt auf dem Dachboden der Heimatstube liegen. Alle sind fein säuberlich mit einer Inventar-Nummer beschriftet, damit die Vorsitzende des Heimatkreises ohne viel Suchen jene Exponate finden kann, die zur nächsten Ausstellung passen. Alte handgefertigte Kinderschuhe aus Leder, Puppenstuben, Dampfradios, Märklin-Eisenbahnen, Schulhefte, Fotos oder eine Ostereier-Sammlung – die Gegenstände sind so zahlreich wie vielfältig. Eine Gemeinsamkeit haben sie dennoch: Sie alle stammen aus Weilimdorfer Besitz. „Ich möchte, dass sich die Leute hier vor Ort damit identifizieren können“, sagt Porten.

Hin und wieder macht sich die Hobbyhistorikerin auf die Suche nach ganz bestimmten Exponaten – eine detektivische Aufgabe, die ihr großen Spaß macht. Meistens jedoch kommen die Gegenstände ganz von selbst zu ihr, berichtet Porten. Denn immer wieder bringen Weilimdorfer Bürger Gegenstände aus vergangenen Zeiten in die Heimatstube vorbei und sagen: „Nehmen Sie sich, was Sie brauchen.“

„Wir platzen aus allen Nähten“

„Viele Leute haben wunderschöne kleine Sammlungen“, sagt die 71-Jährige. Besonders schätze sie schriftliche Hinterlassenschaften und Dokumente, da diese für die jeweilige Zeit sehr aussagekräftig seien. Dennoch kann Erika Porten lange nicht alles annehmen, denn räumlich stößt der Verein längst an seine Grenzen. „Wir platzen hier aus allen Nähten“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Erwin Kurz. Bereits 1987, ein Jahr nach der Gründung durch den Rektor der Seelachschule Heinrich Schmidt, bezog der Heimatkreis die Räume im Alten Pfarrhaus an der Ditzinger Straße.

Seither ist der Fundus nach und nach angewachsen, die Quadratmeterzahl ist dieselbe geblieben. Erika Porten und Erwin Kurz vermissen vor allem die Möglichkeit, eine Dauerausstellung einzurichten. Sie hoffen, dass sich daran etwas ändert, wenn der Verein ins benachbarte Alte Rathaus umzieht. Die vorgesehenen Räume sind dort zwar auch nicht größer, aber immerhin mit aufrechten Wänden. „Wir hoffen, dass sich Platz findet, um einige Vitrinen permanent aufzustellen“, sagt Porten, die dem Verein seit dem Jahr 2001 vorsteht. Als Bereicherung empfindet sie, dass der Heimatkreis nach dem Umzug den Luftschutzkeller sowie zwei ehemalige Arrestzellen unterm Dach für Veranstaltungen nutzen kann. „Da kann man einiges machen.“

Jedes Jahr erscheint ein Heimatblatt

Ein weiteres Standbein des Vereins sind die Heimatblätter. Dieses Jahr ist mit dem Heft über das Bergheimer Schlössle die 34. Ausgabe erschienen. Die Themen reichen von den „frühen Weilemern“, die sich vor 7000 Jahren als Ackerbauern auf den Pfaffenäckern ansiedelten, über Weilimdorf im Mittelalter oder örtliche Maler bis hin zu einer Untersuchung von Schülern des Solitude-Gymnasiums über das Gewerbegebiet. „Die Themen sind überall, man muss sie nur aufgreifen“, lautet Portens Credo. Sie selbst liebt es, sich in neue Themen hineinzuarbeiten. „Ich lerne dabei immer ganz viel dazu. Das macht mir wahnsinnig Spaß“, berichtet die gelernte medizinisch-technische Assistentin.

Die Aufgabe des Vereins sieht Porten darin, aufzuzeigen, „wie sich der Flecken entwickelt hat“, und das Wissen über vergangene Zeiten zu bewahren. „Wir wollen auch den Heimatgedanken bewahren“, sagt die gebürtige Hessin, für die das Schwabenland längst zu einer neuen Heimat geworden ist. „Erika Porten beschließt ihr Morgen- und Abendgebet nicht mit ,Amen‘, sondern mit ,Weilimdorf‘“, sagt Erwin Kurz und lacht. Sein Anliegen ist es, künftig mehr jüngere Leute für den Heimatkreis zu gewinnen. Erika Porten hat das Ziel, mehr Menschen mit Migrationshintergrund die Weilimdorfer Geschichte zu vermitteln.

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