Der Kreis der Spieler, die beim VfB regelmäßig eingesetzt werden, wird kleiner. Foto: Baumann

Ist für einige Profis beim VfB die Erstliga-Luft zu dünn? Der Trainer Hannes Wolf, zu Zweitligazeiten ein Freund der Rotation, baut nach dem Aufstieg verstärkt auf dieselben Akteure.

Stuttgart - Man kann wahrlich behaupten, dass die Spieler Anto Grgic und Berkay Özcan dem VfB Stuttgart am vergangenen Wochenende gute Dienste geleistet haben. Wer genauer hinsah, der konnte erkennen, dass das Duo gut harmonierte, als beide quasi Seite an Seite im Mittelfeld agierten – und dass sich der Schweizer Grgic auch noch vielseitig zeigte, weil er ja zunächst hinten in der flexiblen Dreierkette agierte, die sich in Stuttgart bekanntlich zu einem Fünferriegel erweitern lässt. Und später, da spielte Grgic eben in seinem angestammten Revier im Mittelfeld.

Und trotzdem hatte die ganze Sache für den blutjungen Özcan (19) und den nur unwesentlich älteren Grgic (20) einen entscheidenden Haken. Denn die beiden jungen Wilden spielten ihr Spiel nicht etwa am Freitagabend in der voll besetzten Schüssel namens Mercedes-Benz-Arena im Fußball-Oberhaus gegen den 1. FC Köln, sondern sie schoben zwei Tage später drei Etagen tiefer in der Regionalliga Südwest im Gazi-Stadion unter dem Trainer Andreas Hinkel Dienst. Gegen teils überforderte Waldhofbuben aus Mannheim gab es am Ende einen 3:1-Sieg des VfB II zu feiern.

Ob sich Grgic und Özcan letztlich über die drei Punkte mitgefreut haben, das ist nicht überliefert. Denn eigentlich hegen die beiden diesmal in der vierten Liga geparkten Spieler ebenfalls Erstliga-Ambitionen. „Es ist die große Kunst, alle Spieler mit im Boot zu behalten“, sagt der VfB-Cheftrainer Hannes Wolf. Doch nicht nur Grgic und Özcan dürften in Stuttgart aktuell das Gefühl haben, sich meist allein über Wasser halten zu müssen.

Es kristallisiert sich ein harter Kern heraus

Denn es kristallisiert sich beim VfB mit zunehmendem Saisonverlauf immer mehr ein harter Kern an Spielern heraus, auf die Hannes Wolf setzt. Dieser besteht aus den 14 Akteuren, denen der 36 Jahre alte Coach auch beim 2:1-Erfolg über das Liga-Schlusslicht vom Rhein das Vertrauen schenkte. Dabei bilden der Torhüter Ron-Robert Zieler ebenso wie die Verteidiger Dennis Aogo, Holger Badstuber, Timo Baumgartl und Benjamin Pavard sowie der Sechser Santiago Ascacibar und die Offensivkräfte Chadrac Akolo, Anastasios Donis und Simon Terodde das Gerüst des VfB. Hinzu gesellen sich als stete Ergänzung die Spieler Daniel Ginczek, Orel Mangala, Josip Brekalo, Andreas Beck sowie der aktuell verletzte Marcin Kaminski. Neu hinzu in den Kreis der festen Größen stößt für den Polen der genesene Emiliano Insua.

„Es gehört zum Beruf eines Fußballtrainers dazu, dass man Aufstellungen machen muss. Und natürlich musst du dann regelmäßig auch Spieler enttäuschen“, sagt Hannes Wolf, dessen Nicht-Berücksichtigung im stattlichen 26-Mann-Kader mittlerweile aber fast immer dieselben Akteure trifft. In den vergangenen vier Bundesligaspielen kamen daher Ebenezer Ofori (in Frankfurt) Takuma Asano (gegen Augsburg) sowie Dzenis Burnic und Ailton (in Gladbach) jeweils nur zu einem einzigen Einsatz, der bei keinem länger als 14 Minuten andauerte.

„Wir begegnen jedem Spieler mit maximalem Respekt. Egal, ob er gerade spielt oder nicht“, sagt Hannes Wolf, der noch zu Zweitligazeiten dafür bekannt war, dass er fast jeden Spieler nach schwacher Leistung zwar schnell raus rotierte, seine Profis dafür aber jeweils auch schnell wieder zurück auf den Platz holte, sofern Trainingsleistung und individuelle Stärken des Akteurs in sein taktisches Konzept passten.

Doch nach dem Aufstieg scheint die Bundesliga-Höhenluft für einige zu dünn. Die Durchlässigkeit von der Tribüne oder Ersatzbank zurück ins Team ist jedenfalls viel geringer geworden. Dies zeigt allein der Umstand, dass Wolf in Liga zwei 21 Spieler mindestens neunmal einsetzte. Jetzt ist der Zirkel der Auserwählten viel kleiner.

Dies hat ganz pragmatische Gründe. „Es ist schön, dass wir einige Punkte auf unserem Weg eingesammelt haben. Aber wir sind noch nicht stabil genug“, sagt Wolf zu den Darbietungen seiner Mannschaft, die immerhin in acht Spielen stolze zehn Punkte geholt hat. Doch dabei ging es auf dem Feld immer Spitz auf Knopf zu.

Mehr Sicherheit für die Stammelf

Um einen Schuss mehr Souveränität und weniger Zittermomente wie die Schlussphase gegen Köln ins Spiel seiner Elf zu bekommen, will Hannes Wolf den ersten Anzug stärken. Die anderen stehen dabei zunächst hinten an. Dass es sich hier bei Grgic, Özcan, Ailton, Burnic und Ofori allesamt um Spieler unter 22 Jahren und damit um entwicklungsfähige Akteure handelt, macht Hoffnung.

Anders liegt der Fall aber beim größten Sorgenkind: dem vom FC Arsenal bis zum Sommer entliehenen Takuma Asano. Als Perle im internationalen Fußball gehandelt, führte der Weg des Japaners zuletzt steil bergab. Zum Saisonauftakt in Berlin in der Startelf, spielte Asano nach Teileinsätzen zuletzt zweimal in Folge nicht mehr.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: