Designer Harald Glööckler wird nach 26 Jahren erneut zum Sänger: Am Sonntag stellt er seinen Song „Wir sind VIP“ im „ZDF-Fernsehgarten“ vor. Foto: dpa/Jens Kalaene

Designer Harald Glööckler hofft, „dass Corona die Augen öffnet“. Für ihn steht fest: „Fleischessen ist out.“ Wir sprachen mit dem Ex-Stuttgarter über Moral beim Essen, seinen Song „Wir sind VIP“, Starallüren und sein Faible für Botox.

Stuttgart - Es hätte der Wasen- und Wiesnhit 2020 werden können! Die Kölner Ballermann-Produzenten XTreme haben dem Designer Harald Glööckler den perfekten Bierzeltsong „Wir sind VIP“ auf den Leib geschrieben, eine eingängig federnde Persiflage auf echte Stars und Möchtegern-Leuchten von Instagram, Youtube und Co. „In der Corona-Zeit darf gute Laune nicht fehlen“, betont der Designer im Gespräch mit unserer Zeitung, „man muss den Menschen Mut machen und ihnen sagen, ihr seid was Besonders, macht was daraus“ Es stört ihn nicht, wenn sich viele für Stars halten, sobald sie eine Handvoll Follower haben. „Das ist besser, als wenn man sich klein macht“, betont der 55-jährige Ex-Stuttgarter, „über Jahrhunderte haben Kirche und Staat die Menschen klein gemacht, es ist höchstes Zeit, dass dies nun vorbei ist.“

Am kommenden Sonntag stellt Glööckler seinen neuen Songs im „ZDF-Fernsehgarten“ erstmals der Öffentlichkeit vor. In seiner langen Karriere ist „Wir sind VIP“ erst sein zweiter Musiktitel. 26 Jahren liegt es zurück, als er – damals noch in Stuttgart lebend – den Song „Pompöös is my Life“ eingespielt hat. In all den Jahren habe man immer wieder Musikwünsche an ihn herangetragen. Doch jedes Mal habe er abgelehnt. Den neuen Titel aus der Hitschmiede der Ballermann-Stars, die etwa Jürgen Drews und Mickie Krause die Schenkelklopfer liefern, fand er dann aber so gut, dass er zugesagt hat.

„Privat bin ich kein Star, sondern bodenständig“

Ohne das Corona-Virus würde dieser neue Song in diesem Jahr garantiert am Ballermann und in den Bierzelten des Wasens und der Wiesn rauf und runter laufen. Der Refrain ist so einfach gestrickt, dass jeder mitsingen kann – jeder, der sich selbst VIP und wichtig nimmt.

Dank der sozialen Medien werden Stars sehr schnell gemacht – oder auch nur solche, die sich dafür halten und es doch nie werden. „Starallüren sind bei echten Stars schwer zu ertragen“, sagt Harald Glööckler, „wenn dann aber Möchtegern-Stars Starallüren entwickeln, ist alles noch viele schlimmer.“ Von sich selbst sagt er, privat sei er kein Star. „Da bin ich der Harald und sehr bodenständig.“ Noch immer könne er es kaum fassen, wenn er bei öffentlichen Auftritten auf kreischende Fans stößt, manche sogar wegen ihm umfallen. In der Corona-Zeit habe er nicht gejammert, sondern 13 neue Lizenzen vergeben und ein Buch geschrieben.

„Man sagt auch nicht, ein Haus kann außen verfallen“

Nach außen, fährt der Modeprinz weiter, müsse er seine Marke pflegen, weshalb ihm das Aussehen wichtig sei. Kürzlich kam der Stuttgarter Schönheitschirurg Christian Fitz zum Hausbesuch ins „Château Pompöös“, in seine Prachtvilla in der Pfalz, wo Glööckler mit seinem Ehemann Dieter Schroth und seinem Hund lebt. Mehrere Botox-Spritzen hat er sich geben lassen. „Ich habe mich als Kulturfigur selbst geschaffen, da kann man nicht plötzlich aufhören damit“, betont der 55-Jährige. Körper und Geist wolle er gleichermaßen pflegen. Dies sollte nicht mit Oberflächlichkeit gleichgesetzt werden. „Man sagt ja auch nicht, ein Haus muss innen schön sein und außen kann es verfallen“, erklärt Glööckler. Jeder solle das tun, was er wolle. „Viele Menschen liebten Perfektion und Jugendlichkeit, das ist wie bei Cher“, erklärt er weiter.

Sein Ehemann Dieter Schroth sagt, er erinnere sich noch ganz genau daran, als er mit Harald den Laden Pompös (damals noch mit einem ö) vor 33 Jahren unweit des Tagblattturms eröffnet hat. „Mir kommt es vor, als sei es gestern gewesen“, erklärt Schroth, „ich sehe alles noch vor mir – wir hatten schwere, aber auch sehr schöne Zeiten in Stuttgart.“

Die Bilder aus Schlachthöfen machen ihm zu schaffen

Dass der Designer nicht an der Oberfläche bleiben will und es Themen gibt, die ihn tief berühren und fast zu Tränen rühren, wird deutlich, als unser Gespräch auf Tierschutz kommt. Er ringt mit den Worten, seine Stimme hört sich plötzlich traurig an. Die schrecklichen Bilder aus Schlachthöfen und von Schweinehaltung setzen ihm schwer zu. Der Skandal bei Tönnies sorge nun für ein Umdenken. Doch auf lange Sicht, glaubt Glööckler, ließen sich schlechte Gewohnheiten nur schwer ändern.

„Die Fleischindustrie hat eine starke Lobby, die sehr daran interessiert ist, dass alles beim Alten bleibt“, sagt er. Jetzt sei klar: „Fleischessen ist out.“ Doch wie lange halte diese Erkenntnis an? Der zweifelhafte Fleischkonsum, das sollte allen stets klar sein, fährt Harald Glööckler fort, habe für die Corona-Pandemie gesorgt. „Jeder muss selbst entschieden, wie er sich ernährt“, fährt der 55-Jährige fort, „jedem, der Fleisch isst, sollte klar sein, dass er sich an einem Mord beteiligt, am Mord an einem Tier.“ Wer keine Probleme damit habe, könne es also weiterhin tun. Er jedoch vergehe da der Appetit.

„Die Gleichgültigkeit vieler Verbraucher ist erschreckend“

Glööckler hofft, dass Corona den Menschen die Augen öffnet. „Die unglaubliche Gleichgültigkeit vieler Verbraucher“ findet er „erschreckend“. Man lasse zu, dass Tiere gequält würden und verhätschele gleichzeitig seinen kleinen Hund. Der Designer kann dies nicht verstehen. Er selbst trinkt keine Milch mehr, weil viele Kühe Eiter im Euter hätten durch ständige Schwangerschaft. Eiter sei also in der Milch, weshalb er sich vegan ernährt und nur noch Hafermilch kauft.

„Wir sind VIP“, singt Harald Glööckler in seiner Persiflage nun. Wer ein echter VIP ist wie er, kann offen sagen, was er denkt und fühlt. Der extravagante Modeschöpfer tut dies in der Tierfrage sehr engagiert. Und vielleicht hilft seine Berühmtheit, dass er andere Menschen zum Nachdenken bringt.

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