Barbara Reik ist Autorin und Tai Chi Coach. Sie rät Frauen, Selbstsicherheit und Laufen zu trainieren, weil damit am besten zu vermeiden ist, dass Frauen Opfer von Gewalt werden. Foto: Renate Schultze

Weil Gewalt gegen Frauen überall passieren kann, hat eine Göppingerin einen praktischen Ratgeber für die Handtasche geschrieben. Er ist voll gepackt mit Tipps und Tricks für den Frauenalltag.

Göppingen - Einen Ratgeber für Frauen, der in jede Handtasche passt, hat Barbara Reik geschrieben. Die Tai-Chi-Lehrerin, Wellnesstrainerin und Initiatorin des Netzwerks Bewegungswelt Tai Chi aus Göppingen-Bartenbach hat darin Tipps und Tricks zusammengetragen, mit denen es Frauen gelingen soll, sich vor Übergriffen zu schützen. Reik widmet sich ausführlich der Prävention durch Selbstsicherheit, gibt Empfehlungen für Hilfsmittel und zeigt wenige, aber effektive Abwehrtechniken.

Gewalt erleiden Frauen nicht nur in Köln

Damit der Ratgeber zu Beginn der dunklen Jahreszeit erscheinen kann, hat Reik im vergangenen Januar mit dem Schreiben begonnen. Die massenhaften Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln habe sie dabei natürlich auch im Hinterkopf gehabt, sagt die Göppingerin.

„Ich muss aber nicht erst nach Köln reisen, damit mir so etwas passiert“, erklärt die kampfkunsterfahrene Frau und beschreibt, wie sie selbst erst vor kurzem am hellen Mittag in Göppingen von einem Mann angegriffen worden sei: „Er wollte mich umwerfen und zu Boden stoßen“, aber ich konnte zum Glück ausweichen, er hat mich nur etwas an der Schulter erwischt.“ Als Reik bei der Polizei Anzeige erstattete, erfuhr sie, dass der Angreifer noch weitere Frauen angegangen hatte.

Frauen können mit Freundinnen üben

„Mir hat geholfen, dass ich aufmerksam war und gemerkt habe, was in dem Moment gerade passiert“, sagt die Autorin, die ihren Leserinnen deshalb rät, wieder mal das gute alte „Memory“ zu spielen, weil es die Merkfähigkeit schule. Auch ein Besuch im Straßencafé zusammen mit einer Freundin ist unter Reiks Tipps zu finden, die darauf abzielen, Frauen nicht die Lebensfreude zu nehmen, sondern ihnen alltagstaugliche Abwehr- und Vorsorgestrategien wie den richtigen Platz in öffentlichen Verkehrsmitteln aufzuzeigen. Im Café beispielsweise könnten die beiden Freundinnen üben, Personen zu beschreiben, was im Ernstfall bei der Anzeigenaufnahme bei der Polizei sehr hilfreich sei. Auch lautes Schreien und der richtige Einsatz von Hilfsmitteln wie der Trillerpfeife sollten Frauen gemeinsam ausprobieren, rät Reik.

Dass geistige und körperliche Präsenz extrem wichtig sind, um gefährliche Situationen früh zu erkennen und darauf zu reagieren, hat die Autorin auch schon vor dem Angriff in Göppingen gewusst, wie sie erklärt. Deshalb widmet Reik dem Thema Prävention auch mehr als die Hälfte des insgesamt 127 Seiten starken Ratgebers. „Frauen sind Männern in der Regel körperlich unterlegen“, sagt Reik und rät dazu, den direkten Kampf möglichst zu vermeiden. „Ich empfehle Frauen, joggen und laufen zu trainieren“, denn Gewalt aus dem Weg zu gehen, sie nicht zuzulassen, sei die beste Gegenwehr.

Ein sicherer Stand ist das A und O

Dazu gehöre auch, das Frauen keine Opferhaltung einnehmen sollten. Barbara Reik rät in dieser Hinsicht, eine gebeugte Haltung beim Gehen und Stehen und den gesenkten Blick zu vermeiden. Stattdessen sei Selbstsicherheit ein wichtiges Rüstzeug und der richtige Umgang mit der eigenen Angst. Auch dafür zeigt die Autorin, die im Alter von 40 Jahren mit Judo begonnen hat und seit 1998 Tai Chi praktiziert, eine Reihe von Übungen, von denen viele auf ihrer Erfahrung als Tai-Chi-Coach fußen. Für den notwendigen sicheren Stand sorgen eben auch ruhiges Atmen und Anti-Stress-Übungen.

Praktische Abwehr- und Schlagtechniken in Wort und Tat runden den Ratgeber ab, der im letzten Kapitel zudem wichtige Adressen versammelt, die Hilfen anbieten, wenn Frauen tatsächlich Opfer von Gewalt geworden sind.

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