Ulrich Dietz wird sich gerne an die Cebit-Eröffnungsreden von Branchengrößen wie Bill Gates oder Jack Ma zurückerinnern. Foto: Michael Dannenmann

Der Stuttgarter IT-Unternehmer Ulrich Dietz (60) war mit seiner Firma GFT und der Start-up-Plattform Code_n jahrelang Stammgast auf der Cebit in Hannover. Er hat das Ende der Messe kommen sehen.

Stuttgart - Nach mehr als 30 Jahren ist die Cebit Geschichte: Die einst weltgrößte Computermesse wird eingestellt. Ein Grund dafür, warum die Aussteller fern bleiben: Digitalisierung ist der Megatrend der meisten Branchen – und damit der meisten Messen. Für Ulrich Dietz ist das Aus logisch.

Herr Dietz, was war Ihre erste Reaktion, als Sie vom Aus für die Cebit hörten?

Ich habe es kommen sehen. Die Entscheidung war absehbar und ist konsequent, weil die Besucherzahlen zuletzt stetig zurückgegangen sind und die Zufriedenheit der Besucher auch zu wünschen übrig gelassen hat.

Was sind die Gründe für den Niedergang?

Die Cebit ist in der Zeit groß geworden, als die IT sich entwickelt hat und nachdem das Internet weltweit und zu jeder Zeit freien Zugang zu Informationen bot. Doch der heiße Scheiß ist heute woanders zu finden. Mit neuen Trends und Technologien begeistern Messen wie der Mobile World Congress in Barcelona und die CES in Las Vegas oder Treffen wie das SXSW-Festival in Austin/Texas und das Web Summit in Lissabon. Die Cebit hat es verpasst, die richtigen Themen zu setzen und Stück für Stück an Bedeutung verloren. Am Ende gab es keinen Grund mehr, dorthin zu gehen.

Was hätte anders gemacht werden müssen?

Die Cebit-Verantwortlichen hätten viel früher und stärker mit neuen Konzepten und Ideen gegensteuern müssen. Wir haben mit unserer Start-up-Plattform Code_n in Hannover von 2011 bis 2016 versucht, der Messe neue Impulse zu geben, bevor wir schließlich nach Karlsruhe gegangen sind. Aber mit der Messe ist es wie mit jedem anderen Produkt auch, manchmal muss man etwas, das man nicht erneuern kann, einfach einstellen. Andere, kleinere IT-Messen in München oder Stuttgart wurden schon viel früher eingestellt. IT spielt heute einfach in jeder Branche eine Rolle, die Themen werden deswegen in verschiedenen Branchenmessen integriert.

Welche Erlebnisse aus der Cebit-Zeit behalten Sie in Erinnerung?

Ich mochte die Eröffnungsreden, etwa als Bill Gates oder Jack Ma gesprochen haben. Der chinesische Alibaba-Gründer hat sich in seiner Rede daran erinnert, wie er in den Achtzigerjahren eine kleine Ecke an einem Gemeinschaftsstand hatte und später kam er als einer der weltgrößten Plattform-Anbieter zurück. Das ist ein schönes Zeichen dafür, was in der IT-Industrie möglich ist.

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