„Reich wird man nicht mit Passbildern, aber sie deckeln unsere Grundkosten“, sagt Thomas Ceska. Er hat sein Studio in Waldenbuch. Foto: Eileen Breuer

Ein Gesetzesentwurf des Bundesinnenministeriums sieht vor, dass nicht mehr nur Fotografen Passbilder knipsen können. Auch Ämter sollen künftig dafür gerüstet sein. Das Vorhaben stößt bei Fotostudios auf Widerstand.

Waldenbuch - Bis zu 20 Mal am Tag lugt der Fotograf Thomas Ceska durch die Linse seiner Kamera, um Passbilder zu knipsen. Sein Studio ist nicht weit entfernt vom Rathaus in Waldenbuch. Wer einen neuen Ausweis beantragt, der schaut für ein Bild bei ihm vorbei. Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Denn das Bundesinnenministerium plant, dass die Bürger künftig entscheiden können, ob sie für ein Passbild auf dem Hocker beim Fotografen Platz nehmen wollen oder in einem Fotoautomaten im Bürgerbüro. Der Gesetzesentwurf wurde erst kürzlich überarbeitet. Denn ursprünglich sah er vor, dass Passbilder ausschließlich in Ämtern hätten gemacht werden dürfen. Dagegen liefen die Fotografen jedoch Sturm. So schrieb beispielsweise der Centralverband Deutscher Berufsfotografen in einer Stellungnahme von einer „Zerstörung der Existenz der Fotostudios“. Der Umsatzverlust hätte sich auf rund 100 Millionen Euro jährlich belaufen, so der Centralverband.

„Reich wird man nicht mit Passbildern, aber sie deckeln unsere Grundkosten. Als der erste Entwurf kam, haben wir gedacht: Die wollen uns vollends die Butter vom Brot nehmen“, sagt der Waldenbucher Fotograf Thomas Ceska. Mit dem neuen Entwurf dagegen kann er leben.

Sicherheit der Pässe soll erhöht werden

Ein Argument für die Gesetzesnovelle lautet, die Sicherheit der Pässe erhöhen zu wollen. Die Technik ermögliche es durch das sogenannte Morphing inzwischen, Bilder so zu bearbeiten, dass mehrere Personen mit einem Pass reisen könnten, so das Bundesinnenministerium. Dem wolle man künftig damit entgegenwirken, dass private Dienstleister die Bilder nur noch digital übermitteln sollen oder die Bilder direkt in den Ämtern gemacht werden. Und auch die Qualität der Passbilder solle dadurch erhöht werden. Denn bisher muss der Fotograf diese ausdrucken und das Amt sie wieder einscannen.

Diesen, wie Ceska es nennt, technischen Anachronismus abzuschaffen, hält er für sinnvoll. Doch er stellt die Frage in den Raum, ob die Bürgerbüros überhaupt dazu in der Lage sind, den zusätzlichen Anforderungen gerecht zu werden. Denn Kleinkinder beispielsweise seien nicht so leicht abzulichten. „Das läuft bestimmt nicht nebenbei. Da muss sich wer wirklich einarbeiten“, sagt Ceska. Der Gesetzesentwurf sieht mindestens ein Kamerasystem pro Behörde vor und zusätzlich ein weiteres Kamerasystem oder ein Selbstbedienungsterminal, wenn mehr als zwei Arbeitsplätze in der Behörde vorhanden sind. „Für uns ist der Automat einfacher, weil der die Arbeit übernimmt. Den Mitarbeitern eine Kamera in die Hand zu drücken, finde ich schwierig“, sagt Silvia Della Pina vom Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Stuttgart. Sie ist stellvertretende Dienststellenleiterin der Bürgerbüros Stuttgart und kann einen ersten Erfahrungsbericht liefern. Denn in Stuttgart-Ost steht ein solches Gerät als Pilotprojekt: „Anfangs war er fehleranfällig. Nun klappt es ganz gut.“

Zusätzlicher Aufwand für Bürgerbüros

Doch Della Pina sieht den Gesetzesentwurf trotzdem kritisch: „Wir haben schlichtweg ein Platzproblem.“ Und auch der zusätzliche Arbeitsaufwand stellt die Bürgerbüros vor eine Herausforderung, sagt Ralph Hintersehr. Er ist Haupt- und Personalamtsleiter bei der Stadt Waldenbuch: „Aus meiner Sicht ist das mit den aktuell vorhandenen Ressourcen nicht möglich oder nur möglich, wenn man die Ressourcen umstrukturiert.“

Beiden Stadtvertretern seien bisher keine Fälle von Morphing untergekommen. Und auch, dass eine schlechte Qualität der Bilder es erfordere, ein neues Bild aufzunehmen, trete selten auf, sagt Hintersehr. „Die Stadt würde in Konkurrenz zum örtlichen Fotogeschäft treten. Wir sind froh, dass wir dieses noch haben. Ich halte es nicht für notwendig, als Behörde zusätzlich Bilder zu machen“, sagt er. Bei Ceska kosten vier gedruckte Passbilder 15,90 Euro. Beim Amt werde für die Bilder eine Gebühr von sechs Euro anfallen, so das Bundesinnenministerium. Thomas Ceska spricht von Wettbewerbsverzerrung: „Wir müssen mehr Geld verlangen, weil wir es besser machen und unsere Kosten decken müssen“, sagt der Fotograf.

Wie er künftig die Bilder technisch übermitteln muss, das steht für Ceska noch nicht fest. Er wünscht sich jedoch, dass die Kosten, die hierbei auf ihn zukommen, gedeckelt werden. Bis das alles in die Tat umgesetzt wird, dauert es jedoch noch. Spätestens im Mai 2025 sollen die Passbilder aus Papier dann aber der Vergangenheit angehören.

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