Helmut Palmer bei seiner Entlassung auf dem Hohenasperg im Jahr 2000 Foto: dpa

Das Haus der Geschichte hat ein Buch aus dem Jahr 1978 über das Gefängnis Hohenasperg überarbeitet und neu herausgegeben. Es zeigt die Schicksale politischer Gefangener – und ist bis heute aktuell.

Asperg - Auch die Gnadengesuche von Stuttgarts Alt-Oberbürgermeister Manfred Rommel und von Rezzo Schlauch, dem damaligen Fraktions-Vorsitzenden der Grünen im Bundestag, nutzten ihm nichts. Trotz seiner 70 Jahre und seiner weit fortgeschrittenen Krebserkrankung musste Helmut Palmer im Jahr 2000 ins Gefängnis – mal wieder. Vor Gericht hatte er einen Beamten gefragt: „Welche Nazi-Muttermilch hast du gesoffen?“ – und deshalb eine Anzeige wegen Beleidigung kassiert. Da er die Geldstrafe nicht zahlen wollte, kam er in das Gefängniskrankenhaus auf dem Hohenasperg, zum zweiten Mal nach 1963.

Damit reihte sich der „Remstalrebell“ ein in eine Liste mehr oder weniger prominenter, teils politischer Gefangener, die über die Jahrhunderte in der Festung inhaftiert waren. Ihre Schicksale sind 1978 erstmals in dem Buch „Asperg – ein deutsches Gefängnis“ von Horst Brandstätter aufgeschrieben worden. Nun hat das Stuttgarter Haus der Geschichte das Werk überarbeitet und neu herausgegeben.

1978 veröffentlichte Brandstätter das Buch zum ersten Mal

Der Marbacher Autor Brandstätter publizierte sein Werk im Jahr 1978 in dem alternativen Berliner Verlag Wagenbach. In diesem Jahr nun wäre der Autor 65 Jahre alt geworden. Das Haus der Geschichte und der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Jürgen Walter, nahmen das zum Anlass, das inzwischen vergriffene Standardwerk wieder auf den Markt zu bringen, wobei das Buch komplett neu gestaltet wurde.

Ulrike Brandstätter, die Witwe des verstorbenen Autors, habe die Neuauflage ermöglicht, schreibt Walter in einem Vorwort. Für den Staatssekretär, der früher auch Mitglied im Asperger Gemeinderat war und sich jahrelang für eine Erinnerungsstätte auf dem Hohenasperg einsetzte, hat der Band eine besondere Bedeutung: „Horst Brandstätter hat mit seinem Buch das Thema auf die politische Agenda gesetzt.“ Außerdem sei dadurch die Geschichte des Hohenaspergs in der breiten Bevölkerung bekannt geworden.

„Ein Pamphlet im besten Sinne“

Denn das Buch war und ist nicht nur eine Sammlung von Porträts der politischen Häftlinge. Es ist auch ein stark meinungsbetonter Beitrag, „ein Pamphlet im besten Sinne“, wie Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, meint. In seinem Vorwort schreibt Schnabel vom schwäbischen Schicksalsberg, denn Brandstätter sah in der Historie der Festung auch eine Geschichte der Unterdrückung: „Was dem Asperg Bedeutung zuweist, ist die nahezu lückenlose Praxis der jeweils Herrschenden, ihn vorzugsweise für den politischen Gegner zu nutzen.“

In diesem Geist liest sich der Text auch heute noch, er wurde im Wesentlichen nicht verändert. Lediglich einige historische Darstellungen sind auf den neuesten Stand gebracht worden, außerdem wurden die Geschehnisse seit 1978 eingefügt. Bis heute hat „Asperg – ein deutsches Gefängnis“ nichts an Aktualität eingebüßt. Das 2010 eröffnete Museum trägt daher auch den gleichen Namen wie das Buch.

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