Zorka und Toni Ćaleta haben hier auf der Weidacher Höhe ihre sechs Kinder großgezogen. Foto: Kanter

Fünf Jahre wollten die Ćaletas die Gaststätte „Weidacher Höhe“ in Stetten (Leinfelden-Echterdingen) noch betreiben. Doch daraus wird eher nichts, weil das Gebäude anderen Plänen im Wege steht. Ein Besuch bei einem Ehepaar, dessen Zukunftspläne sich nun ändern müssen.

Leinfelden-Echterdingen - Zorka und Toni Ćaleta haben eine erste und eine zweite Heimat. Die zweite liegt in Leinfelden-Echterdingen, genauer gesagt im Stadtteil Stetten an der Ecke Jahnstraße/ Gräbleswiesenweg. Auf der Weidacher Höhe steht die gleichnamige Gaststätte der Sportvereinigung Stetten, die das Ehepaar seit 1983 betreibt. Dort sind ihre sechs Kinder – vier Söhne und zwei Töchter – groß geworden. Dort umsorgen die Wirtsleute noch immer ihre Gäste mit gutbürgerlicher Küche.

Kroatische und schwäbische Speisen stehen auf der Karte. „Viele kommen auch wegen der Wildgerichte“, sagt der Wirt. Wildwürste, Rehgulasch oder auch Wildschweinfilet mit Bratkartoffeln und Preiselbeeren stehen zur Wahl. Toni Ćaleta achtet auf die Qualität des Fleisches. „Das kaufen wir nicht vom Großmarkt“, sagt er. Schließlich jage er selbst.

Toni Ćaleta lebt das Leben, das er sich als kleiner Junge erträumt hat. „Ich hatte einen Onkel, der war Wirt und hatte immer einen Groschen für mich übrig“, erzählt er. Deshalb wollte auch er einmal eine Gaststätte betreiben. Und aus diesem Traum wurde Wirklichkeit. Auch wenn das Geschäft schwieriger geworden ist, der Beruf „viel Arbeit und wenig Schlaf“ bedeute, wie seine Frau sagt, können die Ćaletas noch immer gut von ihrem Wirtshaus leben.

Die Gaststätte muss wohl weichen

Der Mann, der im März 70 Jahre alt wird, hätte dieses Leben gerne noch fünf Jahre weitergeführt. „Die Gäste akzeptieren mich“, sagt er. „Wir haben bis zu 40 Vorbestellungen pro Woche.“ Familien wollen in der Weidacher Höhe Geburtstage oder Konfirmation feiern. Die Umstände aber erlauben es wohl nicht.

Der Grund: Der Pachtvertrag mit der Sportvereinigung läuft Ende 2020 aus. Zu diesem Zeitpunkt soll dann auch mit dem Bau des neuen Feuerwehrhauses begonnen werden. Dieses soll bekanntlich am Eck Jahnstraße/Gräbleswiesenweg entstehen. Mittlerweile sieht es so aus, dass dafür auch die zweite Heimat von Zorka und Toni Ćaleta weichen muss.

Auch das örtliche Deutsche Rote Kreuz (DRK) soll in dem neuen Gebäude unterkommen. Es sei zwar keine Pflichtaufgabe der Kommune, für das DRK zu bauen, sagt die Baubürgermeisterin Eva Noller, in Leinfelden-Echterdingen aber gute Tradition. Das Haus für die Feuerwehr und das DRK solle möglichst wenig in die benachbarte Festwiese hineinragen. Deshalb möchte die Stadtverwaltung der Sportvereinigung auch jenen Teil des Grundstückes abkaufen, auf dem die Gaststätte liegt. Dieses Areal ist noch im Eigentum des Vereins, während jener Teil auf dem die alte Turnhalle steht, mittlerweile der Kommune gehört.

Verein verhandelt mit der Stadt

„Wir stehen in Verhandlungen mit der Stadt“, sagt Rolf Wurster, der Vorsitzende der Sportvereinigung Stetten dazu. Der Verein hat Preisvorschläge gemacht. Die Stadt muss sich laut Noller noch intern abstimmen. Der Gemeinderat muss dem Kauf noch zustimmen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Wurster dennoch. Er hofft, dass Ende Oktober das Ganze in trockenen Tüchern ist. Noller geht von November aus.

Falls sich Stadt und Sportvereinigung einigen – und danach sieht es aus – wird die Gaststätte abgebrochen. Im Gegenzug will die Sportvereinigung das Gasthaus auf einem Grundstück – direkt daneben – neu bauen. Dort befinden sich derzeit noch Parkplätze. Finanziert werden soll die neue Wirtsstube mit dem Erlös aus dem Grundstücksverkauf. Auf die Stadt warten noch jede Menge Hausaufgaben: der Bebauungsplan muss geändert, Kosten müssen berechnet werden. Der Gemeinderat muss den Bau beschließen.

Er will nicht so lange warten

Auch Zorka und Toni Ćaleta haben Zukunftspläne geschmiedet. Sie werden Ende 2020 der zweiten Heimat den Rücken kehren und zurück in ihre erste Heimat gehen. In Kroatien wartet ein Haus mit Garten und Ferienwohnungen direkt am Meer, die es zu vermieten gilt. „Wenn ich hier aufhöre, gehe ich nach Hause“, erklärt Toni Ćaleta. Dies hat er auch dem Vorsitzenden der Sportvereinigung gesagt, als dieser das Gespräch mit ihm gesucht hatte. „Ich will nicht warten, bis hier neu gebaut ist“, setzt er nach.

Der Wirt freut sich auf etwas Ruhe, viel frische Luft, und die Arbeit im Garten. Er sei nicht der Typ, der lange nichts tun kann. Das sei ihm zu langweilig. „Ich hatte nie vor, ewig in Deutschland zu bleiben“, sagt er. Und: „Mein Bruder und meine Schwester leben dort.“ Allerdings: Die Kinder und damit auch das erste Enkelkind bleiben in Deutschland. Eine schwierige Situation für die Ćaletas.

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