Viele Locations im Stuttgarter Norden bieten Möglichkeiten an gemeinsam die EM zu verfolgen. Foto: dpa

Fußballfans können in Gaststätten, Vereinsheimen und kirchlichen Einrichtungen die Spiele der Europameisterschaft anschauen.

S-Nord - In der Feuerbacher Wichtelbrauerei , Stuttgarter Straße 21, war vor zwei Tagen noch kein Fußballfieber zu spüren. Keine Fahnen, keine Wimpel, nichts, was auf die beginnende Fußball-Europameisterschaft hindeutet. Bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Südafrika war das anders. Damals war der Betriebsleiter Ronny Ramm dreimal beim Ordnungsamt, bis er den richtigen Ansprechpartner gefunden hatte. Er wollte über das Verbot der Außenbeschallung reden. Einige Tage und etliche Gespräche später durfte er die Spiele schließlich in seinem Biergarten zeigen. „Das lassen wir in diesem Jahr“, sagt der Gastronom. „Das Theater ist mir zu viel.“ Stattdessen stellt er seine vier Quadratmeter große Leinwand im Gastraum auf. Dort ist Platz für 50 bis 100 Gäste. Es wird Ronny Ramm auch nichts anderes übrig bleiben, denn anders als bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 gibt es 2012 keine Ausnahmeregelung für den Lärmschutz.

„Das wird dieses Jahr nicht so groß wie bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Südafrika“, sagt Bernd Eichenauer vom Amt für öffentliche Ordnung. „Die Wirte setzen in diesem Jahr eher auf klein und fein, aber mein. So lange sich jeder in seinem Rahmen bewegt, müssen und wollen wir das nicht wissen.“

Die Gaststätte Im Eimer,
Steiermärker Straße 90, in Feuerbach ist schon Tage vor dem ersten Spiel mit Wimpelketten und Fahnen für das sportliche Ereignis des Jahres gerüstet. Auch hier werden alle Spiele auf die sechs Quadratmeter große Leinwand übertragen. Der Platz reicht für bis zu 170 Besucher. Hier ist ebenfalls eine Reservierung angeraten. Während der Spiele kostet jeder Schnaps einen Euro.

Das Problem mit dem Lärm

Aber nicht nur Kneipen und Gaststätten bieten die Möglichkeit zum gemeinsamen Schauen. Der Jugendtreff Café 13 ,
Rennstraße 3, in Weil­imdorf will ebenfalls die meisten Spiele zeigen. Welche es dann tatsächlich sind, wird spontan entschieden. Bei nur 30 Sitzplätzen erwartet der Jugendratssprecher Alan Ba­reiß ein volles Haus mit jeweils 60 bis 80 Besuchern, die ihre Mannschaft dann größtenteils im Stehen anfeuern werden. Zwar interessiert sich der 18-jährige Abiturient selbst nicht besonders für die Abende, die er gerade mit viel Engagement vorbereitet. „Aber um die Europameisterschaft kommt man halt nicht herum.“

Das Café Cookies,
Löwen-Markt 13, in Weilimdorf will alle Spiele zeigen. Bis jetzt sei keine Reservierung nötig, sagt die Mitgründerin Martina Sauter und lacht. „Uns gibt es ja erst seit einem dreiviertel Jahr. Darum haben wir keine Ahnung, wie viele Besucher kommen werden. Wir stehen einfach parat.“ Platz hat sie für 50 Personen drinnen und für weitere 50 draußen. Über mögliche Probleme mit dem Verbot der Außenbeschallung hat sie sich noch keine Gedanken gemacht. „Lärm war noch nie ein Thema. Wir haben hier viele Geschäfte und wenige Anwohner. Und wenn es doch Probleme gibt, schließen wir die Türen und machen einfach drinnen weiter.“ Mit Fußball kann Martina Sauter zwar nicht viel anfangen, „aber wenn Deutschland gewinnt, freue ich mich natürlich“.

Noch weniger Probleme mit Lärm haben naturgemäß die Gaststätten der Sportvereine, die ebenfalls zum öffentlichen Fußballschauen einladen. Die Gaststätte Waldeck,
Emerholz 2, im Vereinsheim des SC Stammheim wird alle Spiele auf der vier Quadratmeter großen Leinwand zeigen, bei schönem Wetter draußen, bei schlechtem Wetter drinnen – und das ohne Anmeldung beim Ordnungsamt, da das Gelände am Waldrand liegt. Bei den Deutschland-Spielen ist eine Reservierung sinnvoll, zumal an diesen Abenden der Bierpreis reduziert wird. Gaststättenpächter Ioanis Andronikidis freut sich als Grieche ganz besonders auf das Spiel Griechenland gegen Polen. „Aber als Fußballfan schaue ich mir alle Spiele an.“

Ohne Lärm essen

Eine andere Stimmung wird in der Gaststätte Hirsch,
Asperger Straße 3, in Stammheim herrschen. „Wir sind ein Speiserestaurant. Die Leute wollen ohne Lärm essen“, sagt der Inhaber Stefano Santos. In der italienischen Pizzeria gibt es nur einen normalen Fernseher, und der steht im Nebenraum. Obwohl der Platz hier für 35 Besucher reicht, ist keine Reservierung nötig. Auch Wimpelketten und Fahnen wird man hier vergebens suchen.

     Dagegen hat Djurdja Schopper, die Pächterin der Gaststätte im Vereinsheim des SSV Zuffenhausen,
Hirschsprungallee 7, bereits die komplette Deutschland-Dekoration aufgefahren. Mit 50 Sitzplätzen drinnen, 120 draußen und einer großen Leinwand ist sie auch sonst gut ausgerüstet. Eine Reservierung ist erwünscht. Als Fußballfan würde sie sich besonders freuen, wenn Deutschland gegen ihr Heimatland Kroatien spielt. „Wahrscheinlich werde ich dann die Einzige im Kroatien-Trikot sein, aber wenn alle anderen Deutschland anfeuern, nur ich nicht, dann ist das eben so.“

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