Die beiden Banken könnten zum größten deutschen Geldinstitut verschmelzen. Foto: dpa

Jörg Kukies, heute Staatssekretär im Finanzministerium, weiß, wie die Bankenwelt funktioniert. Nun soll er die Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank vorantreiben.

Stuttgart - Es ist die Zeit der demonstrativen Distanz, der zur Schau getragenen Teilnahmslosigkeit. Die Finanzbranche ist elektrisiert, weil Deutsche Bank und Commerzbank ganz offiziell prüfen, ob eine Fusion Sinn ergeben könnte. Gewerkschaften und Verbraucherschützer laufen bereits Sturm, auch Aktionärsvertreter sind wenig begeistert. Das Bundesfinanzministerium versucht derweil den Eindruck zu vermitteln, dass es mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun habe.

„Es sind private Banken, sie treffen ihre eigenen Entscheidungen“, sagte Ressortchef Olaf Scholz (SPD) am Montag. Ähnlich äußerte sich sein beamteter Staatssekretär Jörg Kukies, der ebenfalls der SPD angehört: Die Bundesregierung habe nie gesagt, dass sie irgendwelche Fusionen befürworte. Das sei wohl absichtlich missverstanden worden. „Wir haben immer nur gesagt, dass wir einen starken Bankensektor wollen.“

Kukies ist die treibende Kraft im Hintergrund

Dabei liegt es ziemlich nahe, dass Scholz und Kukies die treibenden Kräfte hinter der Annäherung der beiden Geldhäuser sind. Immer wieder hatte es in den vergangenen Wochen Meldungen gegeben, wonach Scholz und Kukies die beiden Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing (Deutsche Bank) und Martin Zielke (Commerzbank) drängen sollen, eine Fusion zu prüfen. Seit der Finanzkrise ist der Bund größter Aktionär der Commerzbank. Er hält 15 Prozent der Anteile, hat also ein gewichtiges Wort mitzureden in Bezug auf die strategische Ausrichtung des Instituts.

Scholz ist bei alldem der Mann fürs Politische. Sein Staatssekretär Kukies wiederum ist der Mann, der wie kein Zweiter im Ministerium den Finanzmarkt und dessen Akteure kennt. Das prädestiniert ihn dafür, im Hintergrund die Fäden zu ziehen.

Von Goldman Sachs ins Finanzministerium

Denn bevor Kukies vor gut einem Jahr sein Büro im Ministerium an der Berliner Wilhelmstraße bezog, war er selbst eine zentrale Figur in der Branche. Viele Jahre lang arbeitete er für die US-Investmentbank Goldman Sachs, zuletzt als Chef der deutschen Niederlassung in Frankfurt am Main. Die Investmentbanken sind für ihre astronomischen Gehälter bekannt, mehr als zehn Jahre lang war Kukies leitender Mitarbeiter bei Goldman Sachs. Er dürfte in dieser Zeit mehrere Millionen Euro verdient haben. Das Staatssekretärs-Salär von rund 14 000 Euro pro Monat plus Zulagen ist dagegen fast bescheiden.

Als Scholz vor einem Jahr Finanzminister wurde, holte er den heute 51-jährigen Kukies, weil er einen echten Fachmann für Europa und den Finanzmarkt brauchte. Kukies hat in Mainz, Paris und Harvard studiert und in Chicago promoviert. Trotz seiner Banker-Karriere war er immer Sozialdemokrat, Anfang der 1990er Jahre saß er den Jusos in Rheinland-Pfalz vor. Er war in diesem Amt der Vorgänger von Andrea Nahles, die heute SPD-Chefin ist. Der Kontakt riss in all den Jahren nicht ab. So kam der Kontakt zustande, als Scholz Anfang 2018 sein Team zusammenstellte.

Als Banker durch die Finanzkrise

Kukies war Banker, als die große Finanzkrise vor zwölf Jahren den gesamten Planeten erfasste. Zahlreichen Banken ging seitdem die Luft aus. Sie brachen unter großem Krach zusammen, mussten von Staaten gerettet oder kostspielig abgewickelt werden. Nun geht es darum, in Deutschland wieder ein Institut zu schaffen, das mitspielen kann in der ersten Liga der Bankenwelt. Die Lust von Deutscher Bank und Commerzbank auf eine Fusion scheint jedoch begrenzt zu sein. Aber weil die Bundesregierung darauf dringt, redet man zumindest darüber.

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